„Man fragt sich jeden Tag: Wohin geht die Reise?“
Comedian Guido Cantz tritt am 11. Juni im Kastell Goch auf. Im NN-Interview spricht er über „Komische Zeiten“, in denen wir leben und die sein Programm bestimmen – nicht nur beim Titel. Zudem gibt es Karten für seinen Auftritt zu gewinnen.
GOCH. Mit seinem sechsten Programm „Komische Zeiten“ wagt Guido Cantz den humorvollen Blick auf eine Welt, die aus den Angeln zu geraten scheint. Aufhalten kann auch er den ganzen Wahnsinn nicht – aber der Comedy-Star ist überzeugt: Mit einem Lachen ist das Ganze definitiv besser zu ertragen! Vor seinem Auftritt am Donnerstag, 11. Juni, 20 Uhr, im Kastell Goch spricht er im NN-Interview über die „Komischen Zeiten“, über Niederrheiner und Rheinländer, über KI und die Fußball-WM.
Herr Cantz, Ihr Auftritt in Goch fällt mit dem Eröffnungsspiel zusammen.
Guido Cantz: Stimmt, aber da geht Arbeit ganz klar vor Fußball! Und das macht mir natürlich auch Laune. Klar, Fußball gucken macht Spaß, auf der Bühne zu stehen aber auch. Das ist ja das Schöne: Hier kommen für mich Beruf und Spaß zusammen. Von daher freue ich mich sehr auf Goch. Ich war ja auch schon öfter hier und finde, es ist ein sehr schönes Ambiente, das Kastell ist eine tolle Location. Ich freue mich auf den Niederrhein.
„Wir sind alle Rheinländer und sehr begeisterungsfähig“
Wie haben Sie die Menschen in Goch kennengelernt?
Cantz: Wir Rheinländer sind ja alle sehr begeisterungsfähig und haben Spaß. Es gibt schon Unterschiede, wenn man in Deutschland unterwegs ist. Es gibt Leute, die lassen sich einfach leichter begeistern. Bei anderen muss man ein bisschen mehr baggern. Aber wir Rheinländer lassen uns sehr leicht und gerne zum Lachen bringen.
Das heißt, der Niederrheiner ist für Sie auch Rheinländer?
Cantz: Ja klar, logisch. Der Niederrheiner ist vielleicht nicht so selbstüberschätzt wie der Kölner. Aber so weit sind wir ja nicht voneinander weg, und ich glaube, dass es da gewisse Ähnlichkeiten gibt. Die Schnittmenge ist relativ groß.
Wird die WM bei Ihrem Auftritt in Goch eine Rolle spielen?
Cantz: Das Programm heißt „Komische Zeiten“, und das beinhaltet und bedingt ja auch, dass man sehr aktuell arbeitet, weil wir wirklich gerade in Zeiten leben, wo sich jeden Tag ganz viel ändert und diese „Breaking News“ alles überschatten. Dementsprechend verändert sich das Programm viel mehr als alle anderen Programme, die ich bis jetzt geschrieben hab. Natürlich wird da auch die WM ein Thema sein, unsere Gruppe und die Manuel-Neuer-Thematik.
„Nie war der Programmtitel so treffend wie im Moment“
„Komische Zeiten“ – komisch im Sinne von lustig oder eher im Sinne von seltsam, verwirrend, beunruhigend?
Cantz: Beides. Ich glaube, noch nie war der Programmtitel so treffend wie im Moment. Natürlich sollen die Leute eine „komische“ Zeit haben, wenn sie zu Herrn Cantz gehen – den Alltag vergessen, das Handy ausschalten und einfach mal lachen. Das ist natürlich mein Ziel. Aber „komisch“ natürlich auch dahingehend, was gerade alles passiert: von Spritpreis über Timmy der Wal bis zu Raketen auf Iran. Es passiert auch innenpolitisch jeden Tag so viel, über das man sich Gedanken machen kann und sich fragt: Wohin geht die Reise? Das alles macht es derzeit so spannend, zum Teil aber auch ein bisschen unangenehm.
Ist diese Aktualität etwas sehr Positives, oder macht sie es für Sie schwierig, da Sie das Programm immer wieder anpassen müssen?
Cantz: Es lebt davon, dass die Leute merken, dass man seine Hausaufgaben macht. Ich bin jemand, der gerne aktuell arbeitet. Der Leitsatz „Aktualität schlägt Pointe“ ist zwar nicht von mir, doch ich glaube schon mein ganzes Künstlerleben fest dran. Wenn am gestrigen Tag etwas passiert ist und man darüber am nächsten Abend auf der Bühne spricht, dann nehmen die Leute schon wahr: „Okay, der gibt sich Mühe, will am Puls der Zeit sein.“ Natürlich mit dem Nachteil, dass man ganz viele Sachen wegschmeißen kann, wenn sie einen Monat alt sind. Viele Dinge haben heutzutage nicht mehr so eine lange Halbwertszeit wie früher.
Thema KI: „Ich versuche, es locker und lustig anzugehen“
Ein Thema in „Komische Zeiten“ ist KI. Wie ist Ihr Verhältnis zur KI? Nutzen Sie sie, oder sind Sie eher Skeptiker?
Cantz: Nein, Skeptiker nicht, aber ich glaube, ich benutze sie noch nicht so richtig. Was toll ist: Ich habe kürzlich eine Oldtimer-Rallye in Österreich moderiert und konnte mir mit der KI ganz leicht ein paar Infos holen, zum Beispiel zu gewissen Fahrzeugen. Insgesamt bin ich aber wahrscheinlich noch ein bisschen „oldschool“. Dennoch merke ich natürlich, dass es ein Thema ist, das sehr interessant ist, bei dem viele Leute auch gewisse Berührungsängste haben. Ich versuche, es locker und lustig anzugehen.
Worauf dürfen sich die Besucher in Goch noch freuen?
Cantz: Es wird ein Abend, an dem wir alle sehr viel lachen und viel Spaß haben werden. Und wir werden auch zusammen singen. Ich habe der KI die Hausaufgabe gegeben, ein Lied zu schreiben: eine Mischung aus einem Beerdigungstitel und einem Kinderlied. Dabei merkt man immer, dass das Publikum am Anfang ein bisschen schüchtern ist, aber am Ende singen wir das alle schön zusammen. Also: Es wird musikalisch, es wird sehr lustig, es wird frech, es wird auch politisch, und ich werde auch viel über die komischen Zeiten bei uns in der Familie reden. Über diese Mischung aus Midlife-Crisis, Wechseljahre und Pubertät.
Verlosung: Karten für Guido Cantz in Goch gewinnen
Die NN verlosen 3 x 2 Karten für Guido Cantz am 11. Juni im Kastell Goch. Einfach eine E-Mail mit Name, Anschrift, Telefonnummer und dem Betreff „Guido Cantz“ an gewinnspiel@nn-verlag.de schicken. Einsendeschluss ist Mittwoch, 3. Juni, 12 Uhr. Die Namen der Gewinner werden unter www.niederrhein-nachrichten.de veröffentlicht.
Schlagfertig blickt Guido Cantz auf das, was gerade in der Welt passiert. „Aktualität schlägt Pointe“, lautet dabei sein Leitsatz. Foto: Patrick Liste