Lieblingsstücke reparieren, Wissen teilen, Gemeinschaft leben
Der Verein „reparierbar Straelen“ leistet ab sofort Hilfe zur Selbsthilfe
STRAELEN. Reparieren statt wegwerfen: Diesem Motto geht man als Verein „reparierbar Straelen“ nun auch in der Blumenstadt nach. Dass es aber noch um einiges mehr geht, machten die Verantwortlichen und Unterstützer am Montag bei der feierlichen Eröffnung in den Räumlichkeiten im Café Marienpark an der Marienstraße 61 deutlich.
Für Vorstandsmitglied Bernd Basten ist der Reparaturtreff „ein Ort, an dem Dinge nicht nur repariert werden, sondern an dem Menschen zusammenkommen, Wissen weitergeben und zusammen etwas bewegen.“ Er und das Team wissen es aus eigener Erfahrung: Vieles lasse sich „mit ein wenig Fachwissen, dem richtigen Werkzeug und manchmal auch etwas Geduld reparieren. Damit setzen wir bewusst ein Zeichen gegen die Werkwerfgesellschaft.“ Durch den Reparatur-Treff spare man Ressourcen und bringe einander etwas bei. Er betont: „Es geht nicht darum, schon alles zu können. Es geht darum, es gemeinsam anzupacken und gemeinsam Lösungen zu finden.“ Ihm gefällt der Gedanke, dass nicht nur Gegenstände repariert werden, „sondern auch Verbindungen zwischen Menschen wachsen.“
Auch Bürgermeister Bernd Kuse zeigte sich angetan. „Wenn etwas nachhaltig ist, dann ist es das Konzept hinter ‚reparierbar Straelen.‘“ Er lobte nicht nur den Gedanken, das Leben von Gegenständen zu verlängern, sondern auch das Konzept, das Angebot als Treffpunkt aufzuziehen, als „Möglichkeit, in den Austausch zu kommen und die ökologische Nachhaltigkeit mit der ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit zu verbinden.“
Er erinnerte an die Anfangszeit, als es darum ging, Arbeitsgruppen für eine lebendige Innenstadt ins Leben zu rufen – es war ein öffentlicher Aufruf. „Ich kam etwas später in die laufende Versammlung und da saßen mehr als 40 Leute oben im Ratssaal“, erzählte Kuse über die große Resonanz. Zügig sei dann die Idee eines Repair-Cafés aufgekommen. „Schnell haben sich mehr als nur eine Handvoll Leute gefunden, die bereit waren, das Projekt zu unterstützen.“ Schnell ging dann auch der Rest: Von den ersten Überlegungen Ende Januar 2026 vergingen bis zur Vereinsgründung gerade einmal drei Monate.
Während die Orga-Gruppe zwölf Köpfe zählt, ist das ehrenamtliche Reparier-Team heute 16 Leute stark. Hinzu kommen die Sponsoren. Große Dankbarkeit seitens des Vereins gilt zum einen der Caritas Geldern-Kevelaer. „Sie stellen uns in der Stadt Räumlichkeiten für unsere Versammlungen zur Verfügung und hier kostenlose Räumlichkeiten zum Reparieren“, lobt Sprecherin Linda Säger. Aber die Caritas ist nicht der einzige Sponsor: Die Kreis Klever Abfallwirtschaft, die Volksbank an der Niers, der Verein „L(i)ebenswertes Straelen“, die Stadt Straelen Wirtschaftsförderung und der Kreis Kleve haben mit einer Finanzspritze ausgeholfen.
Hilfe zur Selbsthilfe
Für eine – zu bestellende Ersatzteile einmal ausgeklammert – kostenlose Reparatur darf man so ziemlich alles vorbeibringen, was man selbst tragen kann: kleine Elektrogeräte wie Mixer, Toaster und Lampen, Holzgegenstände wie Spielzeug und Stühle, Textilien und weitere Alltagsgegenstände. Aber auch für Lederprodukte, die Pflege benötigen, gibt es einen Fachmann. „Da muss man allerdings das Verbrauchsmaterial bezahlen“, kommentiert Linda Säger. Auch einen IT-Spezialisten gibt es, der sich um Hardware wie auch Software kümmern kann. „Zum Beispiel, wenn der Computer langsam läuft oder wenn jemand ein neues Betriebssystem installiert haben möchte. Gerade jetzt, wenn der Windows-10-Support ausläuft, wissen viele nicht, was sie mit ihren Laptops machen sollen“, sagt Tim Koczwara.
Er hatte über einen Freund im Vorstand vom Verein erfahren. „Ich habe in meinem vorherigen Job als Embedded-Softwareentwickler gearbeitet. Da hatte ich viel mit Elektronik zu tun. Da habe ich gedacht, ich kann mein Wissen doch mit einbringen. Ich finde die Idee dieses Cafés sehr gut. Als ich davon hörte, habe ich direkt gesagt: Das gucke ich mir mal an“, erzählt der 38-Jährige.
Das Angebot dürfte sich außerdem noch weiterentwickeln. Für die Zukunft sind zum Beispiel auch Upcycling-Workshops oder eine Teddybär- und Spielzeugexpertin denkbar. „Wir arbeiten uns langsam, aber sicher vor“, kommentiert Säger. Wichtig: Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe. Es wird gemeinsam getüftelt. „Es ist nicht so, dass die Leute ihre Sachen abgeben können und dann in der Stadt einen Kaffee trinken. Die Leute sind mit dabei.“
Schon vor der feierlichen Eröffnung hat es am 17. August den ersten offiziellen Termin gegeben – die Teilnehmerzahl konnte sich sehen lassen: Bereits 21 Menschen brachten reparierbedürftige Gegenständige mit. Das kann man von nun an jeden dritten Montag im Monat von 16 bis 20 Uhr tun – beziehungsweise bis 19 Uhr, dann ist nämlich die letzte Annahme.
Auch weitere Helfer sind eingeladen, sich und ihre Talente einzubringen. Egal ob sie reparieren, organisieren oder in das „Gute-Laune-Team“ einsteigen, um die Gäste zum Beispiel mit Kaffee zu versorgen. Bei Interesse einfach eine Mail an machbar@reparierbar-straelen.de schicken. Weitere Infos gibt es unter www.reparierbar-straelen.de. „Reparierbar Straelen“ ist die 12. Reparatur-Initiative im Kreis Kleve.
Der Verein „reparierbar Straelen“ hat offiziell seine Tätigkeit im Café Marienpark aufgenommen. NN-Foto: Thomas Langer