Leistungsfähig im Alter bleiben trotz Herzschwäche
Themen der Geriatrie im JoHo Medizin Forum und Vorstellung der Tagesklinik
Angesichts der demographischen Entwicklung fanden diese Themen großes Interesse bei Ärzten und Pflegekräften der Region, zumal die Veranstaltung als Fortbildung von der Ärztekammer Nordrhein anerkannt ist. Dieses Mal konnte die Leitung des Medizinforums, Dr. Carola van Sinderen, ein ‚echtes Schwergewicht‘ der Geriatrie als Referent begrüßen. Prof. Schulz ist Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Geriatrie, Ernährungsmedizin, Physikalische Therapie und Balneologie, und Osteologe DVO.
Er ist Chefarzt des Altersmedizinisches Zentrums und stellvertretender Ärztlicher Direktor am St. Marien-Hospital Köln. Zudem hat er eine Professur an der Universität zu Köln.
Er fand sogleich Zustimmung für seine Aufforderung, so wenig Medikamente wie möglich zu verschreiben. Bei Verdacht einer Herzinsuffizienz seien selbstverständlich eine umfangreiche Anamnese, die gründliche körperliche Untersuchung, das Labor und die Herzultraschalluntersuchung notwendig. Erst dann wisse der behandelnde Arzt, ob eine reduzierte Pumpkraft oder reduzierte Elastizität des Herzens im Fokus der Behandlung stehen. Die Wirksamkeit der Medikamente hängen auch ab von den sogenannten ‚Frailty-Merkmalen‘, im weitesten Sinne Funktionsverlusten im Alter, die durch den Arzt erfasst werden müssen. Diese Merkmale beschreiben den Zustand verminderter körperlicher und mentaler Belastbarkeit, der vor allem ältere Menschen betrifft. Entsprechend sei die medikamentöse Therapie unter Einbeziehung der individuellen Patientenmerkmale und –wünsche anzuwenden.
Oftmals ist eine Anpassung der Medikation erforderlich: gemäß dem Motto ‚start low, go slow‘ erfordert dies entsprechend der Physiologie des alten Menschen ein behutsames Vorgehen.
Meist ist hier der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Wenn jedoch in einem solchen Falle eine engmaschigere Überwachung und klinische Beobachtung des Patienten notwendig ist, ist ein Aufenthalt in der geriatrischen Tagesklinik sinnvoll.
Ebenso ist bei Erkrankungen, bei der aufgrund einer akuten Erkrankung oder auch Verschlechterung eines chronischen Krankheitsbildes mehrere Untersuchungen durch Fachärzte notwendig werden, der Aufenthalt in einer Tagesklinik eine Alternative zu Terminvereinbarungen bei verschiedenen ambulanten Fachärzten oder einem vollstationären Krankenhausaufenthalt. Christine Berteld, Fachärztin für Neurologie und Oberärztin in der Neurologie des Evangelischen Krankenhauses Wesel, ist in der Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Geriatrie im Sankt Josef-Hospital Xanten. Sie stellte im Forum die Tagesklinik vor, die sich im Westflügel des Krankenhauses befindet. „Unser Leistungsangebot richtet sich an ältere Patienten ab 70 Jahren, bei denen Funktionsstörungen bestehen, die eine intensive medizinische und therapeutische Behandlung brauchen, aber nicht durchgehend im Krankenhaus verbleiben müssen“, beschrieb sie die Zielgruppe und ergänzte: „Unser Team besteht neben den geriatrischen Ärzten aus geschulten Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Psychologen. Bei Bedarf können weitere Mitarbeiter und Ärzte anderer Fachrichtungen unseres Hauses hinzugezogen werden.“ Hausärzte oder Ärzte aus anderen Krankenhäusern stellen den ersten Kontakt zur Tagesklinik her. Voraussetzung ist, dass akute oder chronische Erkrankungen vorliegen oder der Zustand nach Gelenks- oder Gefäßoperationen oder nach einem Schlaganfall eine engmaschige Behandlung erfordern. Die häusliche Versorgung am Abend, während der Nacht sowie an Wochenenden und Feiertagen muss gewährleistet sein. Sobald der Termin festgelegt ist, kann der behandelnde Arzt die Einweisung ausstellen. Der Transport wird durch die Tagesklinik organisiert. Ab 8.30 Uhr wechseln sich diagnostische Maßnahmen und therapeutische Leistungen ab, selbstverständlich mit zwischenzeitlichen Ruhepausen. Das Mittagessen nehmen alle Besucher der Tagesklinik gemeinsam ein. Gegen 15 Uhr werden die Patienten wieder nach Hause gebracht. Insgesamt dauert der Aufenthalt circa zehn bis zwölf Tage. Ziel ist hier, die Patienten ganzheitlich zu betrachten und anhand der neu erhobenen Untersuchungsergebnisse im Sinne einer größtmöglichen Selbstständigkeit zu fördern.
Diese Art der teilstationären Behandlung findet gerade bei Patienten, die noch zu pflegende Angehörige zuhause haben und einen üblichen stationären Aufenthalt organisatorisch nur erschwert umsetzen können, Anklang und bietet ihnen professionelle Unterstützung. Die Patienten bestätigen, dass ihnen durch die intensive Betreuung mehr Lebensqualität geschenkt wird.