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Die Ehrenamtler retten regelmäßig Lebensmittel vor der Mülltonne. NN-Fotos (3): SP
18. Dezember 2024 · Sabrina Peters · Xanten

Lebensmittel retten, Geld sparen, Gutes tun

Die Ehrenamtler von „Foodsharing Xanten“ sammeln aussortierte Lebensmitteln in Supermärkten ein und bringen sie in ihre Abholstationen

XANTEN. Brot, Marmelade, Salat, Obst oder Gummibären. Die Liste an Lebensmittel, die täglich in der Mülltonne landen, ist lang. Nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe werden in Deutschland jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – das seien sekündlich 571 Kilogramm. Die Plattform www.foodsharing.de startete deshalb am 12. Dezember 2012, um genau diese Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten. Vor etwa acht Jahren gründete sich darüber hinaus der „Foodsharing“-Bezirk Xanten, der immer noch jede Woche mit vollem Einsatz aktiv ist. „Wir haben mittlerweile zig Tonnen Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet“, sagt Sabrina Zimmermann von der Initiative.

Mehrmals wöchentlich holen die „Foodsaver“, also die Lebensmittelretter, dazu Lebensmittel in Supermärkten oder Bäckereien ab. „Wir haben konkrete Vereinbarungen mit ihnen, wann und wie oft wir Lebensmittel bei ihnen abholen. Es gibt Supermärkte, die wir täglich von montags bis freitags anfahren und welche, die wir nur drei Mal wöchentlich besuchen. Bei einer Bäckerei fahren wir zum Beispiel ein Mal pro Woche hin“, sagt Zimmermann, der es aber wichtig zu erwähnen ist, dass „Foodsharing“ keine Konkurrenz zur Tafel darstelle, die Lebensmittel für Bedürftige anbiete: „Wir kommen immer erst nach der Tafel und sind damit wirklich die letzte Instanz vor der Mülltonne.“

Beim „Foodsharing“ gehe es primär nicht darum, Geld zu sparen, sondern wirklich Lebensmittel zu retten. Sabrina Zimmermann lebt dieses Prinzip auch in ihrem Alltag. „Ich baue in meinem Garten viel selbst an und versuche schon so gut es geht als Selbstversorger zu leben. Deshalb bin ich es schon gewohnt, Dinge etwa einzukochen“, sagt Zimmermann. Bei Äpfeln, die bereits braune Stellen haben und deshalb von den Supermärkten aus dem Verkaufsraum verbannt werden müssen, denke sie etwa gleich an ein leckeres Apfelmus. „Dafür sind sie noch wirklich ausreichend“, betont Zimmermann. Auch beim Mindesthaltbarkeitsdatum müsse nicht immer ganz genau hingeschaut werden. Wichtiger seien dagegen die eigenen Sinne, die beim Prüfen des jeweiligen Produkts helfen sollen.

Die Xantener Lebensmittelretter bringen die Lebensmittel, welche etwa Supermärkte oder Bäckereien aussortiert haben, in ihre „Fairteiler“ an der Klever Straße 30 oder hinter dem blauen Tor an der Kurfürstenstraße 5 in Xanten, die beide von montags bis samstags von 10 bis 20 Uhr jeweils geöffnet sind. Die dort gelagerten Lebensmittel dürfen von Bürger kostenlos mitgenommen werden. „Manchmal ist aber um 11 Uhr schon alles leer“, berichtet Lebensmittelretterin Claudia Theussen. Die „Fairteiler“ würden sehr gut angenommen werden. „Es wird wirklich alles gerne mitgenommen – von Brot bis hin zu Obst und Gemüse. Nur Salat geht manchmal schwer weg, wenn er schon braune Stellen hat“, sagt Theussen. Rohe Eier, roher Fisch und rohes Fleisch seien aufgrund der schnellen Verderblichkeit allerdings beim „Foodsharing“ nicht zu finden. Auch Alkohol komme nicht in den „Fairteiler“. Ansonsten sei aber alles erlaubt und könne auch von den Bürgern dort hineingelegt werden. „Wenn jemand noch Lebensmittel oder Hygieneartikel übrig hat, die er nicht mehr braucht, kann er das im ,Fairteiler‘ den anderen Bürgern kostenlos anbieten“, sagt Theussen.

Viele helfende Hände

Damit das „Foodsharing“ so reibungslos klappt, braucht es viele helfende ehrenamtliche Hände. Claudia Theussen ist eine von 20 Lebensmittelrettern in Xanten. Im Bezirk Xanten, wozu auch umliegende Orte wie Alpen oder Sonsbeck gehören, seien es sogar 35, wie Zimmermann verrät. Die Lebensmittelretter holen mit ihren eigenen PKW aber nicht nur die Lebensmittel in den Supermärkten ab, sondern reinigen bei jeder Befüllung auch das Regal und den Kühlschrank in den „Fairteilern“. Zudem entsorgen sie Lebensmittel, die nicht mehr zur Weitergabe geeignet sind, in der Biotonne oder gegebenenfalls im Restabfall, wenn es der richtigen Mülltrennung dient. Um Lebensmittelretter zu werden, braucht es allerdings erst eine HACCP-Schulung, die online absolviert werden kann. Erst dann dürfen Lebensmittelretter starten. Für Claudia Theussen ist das nach wie vor eine Herzensangelegenheit: „Wenn man Lebensmittel rettet, lässt sich sehr viel CO2 und Wasser einsparen – denn beides wurde für diese Lebensmittel, die im schlimmsten Fall in der Mülltonne landen, bereits verbraucht.“ Die Entsorgung von noch zu verwendenden Lebensmitteln sei demnach nicht nur teuer, sondern auch noch umwelt- und klimaschädlich.

Sabrina Peters
Der „FairTeiler“ an der Xantener Kurfürstenstraße.

Der „FairTeiler“ an der Xantener Kurfürstenstraße.

Hier werden die Lebensmittel kostenlos angeboten.

Hier werden die Lebensmittel kostenlos angeboten.

Die Ehrenamtler retten regelmäßig Lebensmittel vor der Mülltonne. NN-Fotos (3): SP

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