"Tine Bay Lührsen und Paul Schwer Kunstinstallation, Ein Tag passt noch dazwischen, NN-Foto von Rüdiger Dehnen"
12. Oktober 2026 · Kranenburg

Kunstspaziergänge in Kranenburg

Der Kranenburger Kreislauf: Wunderbare Trialoge im Vorbeigehen

KRANENBURG. Wer ins Kunstmuseum geht, weiß in der Regel, was ihn erwartet: Kunst in jeglichen Aggregatszuständen. Bei Kunst im öffentlichen Raum findet eine andere Form der Begegnung statt, die (schlimmstenfalls) bei der Nichtzurkenntnisnahme beginnt und idealerweise mit einem Dialog- und Emotionsanschub endet.

Biennale

Alle zwei Jahren werden in Kranenburg unter dem Titel Kreislauf Bürger und Gäste eingeladen, sich quasi im Vorübergehen mit der Kunst zu treffen. Manche tun das in voller Absicht – andere eher zufällig. Und gerade Letztere kommen durch eben jenen Glücksfall, den man Zufall nennt (im Idealfall) zu Begegnungen, denen sie sonst womöglich aus dem Weg gingen. Das Beste an der Sache: All das geschieht auf freiwilliger Basis. Die Kunst steht am Weg und stellt sich nicht in denselben.

Alles kann, nichts muss

Das Motto des aktuellen Kreislaufs: „Duo Sieben x 2“ bildet „Unterhaltungen“ von Kunstschaffenden ab und unter Einbeziehung des Publikums wird aus dem Dialog der Künstler ein Trialog mit den Betrachtern. Das Gute am Kreislauf: Alles kann, nichts muss. Und wenn – was beim letzten Kreislauf wegen Umbauarbeiten im Bürgerhaus/Museum nicht möglich war – ein auf dem Kreislauf entdecktes Kunstwerk am Ende dazu führt, dass Menschen sich den Indoor-Teil des Kreislaufs ansehen und also ihre Schritte ins Museum lenken, dann ist alles erreicht, was zu erreichen ist. Wenn aus Zufallsguckern Absichtsgucker werden, hat sich der Aufwand gelohnt.

Zu jedem Kunstwerk findet sich – unaufdringlich inszeniert – eine kleine Tafel mit den Namen der Künstler und einer Erklärung und auch hier gilt: Alles kann, nichts muss.

Nachdenken über die Welt

Kunst ist – ob sie nun politisch daherkommt oder nicht – immer das Ergebnis des Nachdenkens über die Welt und das, was sie abseits des Sichtbaren zusammenhält und dann im übertragenen Sinne erfahrbar, erlebbar und letztlich wieder sichtbar macht. Der Kranenburger Kreislauf ist der geglückte Versuch, das Denken in Gang zu bringen. Kunst en passant statt Kunst est passé. Und – wie gesagt: Ein vorheriger oder anschließender Besuch im Museum Katharinenhof sei wärmstens empfohlen.

Tine Bay Lührsen und Paul Schwer: Ein Tag passt noch dazwischen. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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