Krümelranch Alpen sammelt 70.000 Euro für marodes Scheunendach – die Arbeiten beginnen
Spenden, große Einzelbeträge und ein erfolgreicher Trödelmarkt bringen den Tiergnadenhof der Rettung ein großes Stück näher / Spendenaktion für marodes Scheunendach bewegt viele Menschen
ALPEN. Die Resonanz, die der Verein Krümelranch Alpen in den vergangenen Tagen erhielt, war wirklich enorm. Da das Dach der Scheune, in der auf dem Tiergnadenhof unter anderem die Pferde untergebracht sind, marode ist, hat der Verein eine Spendenaktion gestartet (die NN berichtete). Mit dem Stand vom 13. April sind knapp 70.000 Euro zusammengekommen – allein 17.433,50 Euro wurden durch einen zweitägigen Trödelmarkt eingesammelt, den der Verein am vergangenen Wochenende organisierte.
Um sich den großen Erfolg des Trödelmarktes einmal vor Augen zu führen, müsse man nur mal Google fragen, wie Nicole (ihren Nachnamen möchte sie öffentlich nicht nennen), die sich selbst als das „Sprachrohr der Krümelranch“ bezeichnet, sagt: „Es gab am Wochenende einen enormen Stau rund um die Krümelranch. Wir sind am ersten Tag (Samstag; Anm. d. Red.) regelrecht überrannt worden. Ich habe von so vielen Menschen fünf-, zehn- oder 20-Euro-Scheine in die Hand gedrückt bekommen. Ich kann das alles gar nicht beschreiben.“ Die größte Spende sei aber von einer NN-Leserin gekommen. „Sie hatte den Zeitungsbericht gelesen und hat mir 5.000 Euro direkt in die Hand gegeben, wollte aber nicht fotografiert oder gefilmt werden“, berichtet Nicole. Hinzu seien die Einnahmen aus dem Hof-Trödelmarkt, der auf dem Außengelände des Tiergnadenhofes stattgefunden hat, gekommen.
Das ganze Wochenende lang informierte die „Krümelranch“ auf ihren Social-Media-Kanälen ihre mehreren tausend Follower über den Hof-Trödelmarkt und die Spendenaktion. Am Montag folgten dann Infos zum offiziellen Start der Scheunendach-Sanierung, die zum Wochenbeginn startete. „Wir haben in den vergangenen Monaten viele Gespräche geführt, Kostenvoranschläge eingeholt und erst mit der Spendenaktion begonnen, als wir einen Dachdecker hatten und eine offizielle Summe wussten, wie teuer das Dach ungefähr werden würde“, sagt Nicole. Deshalb hätten die Arbeiten nun auch so schnell beginnen können.
„Der erste Kostenvoranschlag belief sich auf 179.000 Euro. Dann waren es 148.000 Euro, 145.000 Euro und schließlich 121.000 Euro“, berichtete Nicole, die unzählige Gespräche unter anderem mit Dachdeckern und Baustoffhändlern geführt hat und weiterhin führt, um die Kosten in diesem entsprechenden Fall weiter zu drücken. „Mittlerweile sind wir bei 95.600 Euro, die wir benötigen – wobei wir natürlich nicht wissen, welche Überraschungen uns bei den Arbeiten noch erwarten“, sagt Nicole, die seit über 30 Jahren einen Tiergnadenhof betreibt und damit Tiere vor dem Tod rettet. 2021 folgte der Umzug an die Drüpter Straße 31 in Alpen, wo nun das Scheunendach eine dringende Reparatur benötigt.
Das Geld könnten Mutter und Tochter, die gemeinsam den Tiergnadenhof betreiben, jedoch nicht einfach bei einer Bank aufnehmen, da ihnen der Hof nicht gehöre: „Das Grundstück haben wir nur auf Lebenszeit gepachtet.“ Dies bestätigt auch der Eigentümer des Hofes (der Name liegt der Redaktion vor). Wie es bei einem Pachtvertrag auf Lebenszeit üblich sei, müsse jedoch der Pächter für Instandhaltungskosten – wie nun etwa das Scheunendach – selbstständig aufkommen.
Deshalb startete der Verein „Tiergnadenhof Krümelranch Alpen e. V.“, dessen Vorsitzender Nicoles Schwiegersohn Florian Lippe und zweite Vorsitzende ihre Tochter Jacqueline Lippe ist, die Spendenaktion auf den Social-Media-Kanälen des Tiergnadenhofes. Seit zwei Jahren ist der Tiergnadenhof „Krümelranch“ nämlich in den sozialen Netzwerken aktiv, wo ihnen auf Instagram inzwischen mehr als 18.800 Follower und auf Facebook über 38.000 Follower folgen. „Ich nehme die Leute mit in unseren Alltag. Sie hören in unseren Videos zum Beispiel, was der Tierarzt sagt. Ich stelle alles wirklich sehr transparent dar, nur sterbende Tiere zeige ich nicht“, berichtet Nicole und ergänzt: „Wenn ich mal einen Tag nichts poste, bekomme ich direkt 1.500 Nachrichten, ob etwas los ist. Wir haben uns in den zwei Jahren eine gute Community aufgebaut, die uns gerne folgt.“
Auch über die Probleme mit dem Scheunendach, das unter anderem durch Stürme so beschädigt wurde, berichtete die „Krümelranch“ in den sozialen Medien. So zeigt ein Video etwa, wie marode das Dach ist und dass es reinregnet und dringend instandgesetzt werden muss, auch wenn die Spendenaktion Nicole unangenehm ist, wie sie bereits vor zwei Wochen im NN-Interview betonte: „Wir sind keine Bettler. Wir haben immer alles alleine bewerkstelligt. Alles, was anfällt – vom Futter bis zu den Tierarztkosten – bezahlen wir mit unseren Gehältern, unserem eigenen Geld.“ Aber die fast sechsstellige Summe für die Reparatur des 1.100 Quadratmeter großen Scheunendaches sei anders nicht zu bewerkstelligen – mit fatalen Folgen: „Wenn wir kein neues Scheunendach bekommen, wäre das das Aus für den Tiergnadenhof“, betonte Nicole vor zwei Wochen im NN-Interview. Denn ohne neues Scheunendach hätten die Pferde, die neben mehreren Hunden und Katzen auf der „Krümelranch“ leben und aufgepäppelt sowie je nach Möglichkeit weitervermittelt werden, kein Zuhause mehr.
Mittlerweile ist Nicole aber sehr zuversichtlich. „Mit den Spenden in Höhe von knapp 70.000 Euro fehlen uns nur noch rund 25.000 Euro. Wir sind guter Dinge, dass wir das schaffen werden“, sagt Nicole. Am Montag starteten die vorbereitenden Maßnahmen. „Die Sicherheitsnetze wurden gespannt und das Gerüst aufgestellt“, sagt Nicole. Das alles habe auch bereits bezahlt werden können. „Nun geht es Schritt für Schritt weiter“, sagt Nicole. Auch der Dachdecker sei bereits angefangen – die Freude darüber sei unbeschreiblich, wie Mutter und Tochter auch in ihren Videos in den sozialen Netzwerken verkünden.
Weitere Infos – auch zur Spendenaktion – gibt es online unter www.kruemelranch-alpen.de sowie in den sozialen Netzwerken unter „Tiergnadenhof Krümelranch e. V.“ (Facebook) sowie „kruemelranch_alpen.e.v.“ (Instagram).
Die Scheune ist inzwischen eingezäunt – die Arbeiten haben begonnen. Foto: privat
Auch Sicherheitsnetze im Inneren der Scheune wurden angebracht. Foto: privat
Jaqueline Lippe mit Toasty (über 30 Jahre alt, l.) und Poldy (43), dem ältesten Tier auf der Krümelranch. NN-Archivfoto: Theo Leie
Das Scheunendach auf der Krümelranch ist marode und muss dringend repariert werden. NN-Archivfoto: Theo Leie