Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.OKWeitere InformationenCookies Auflistung
Die verwaschenen Wolken waren ein Zufallsprodukt. Rechts im Hintergrund ist die eingezäunte Madonna zu sehen. NN-Fotos (3): SP
16. Mai 2022 · Kurzmitteilungen

Kritische und kreative Kunst

Monika Lioba Lang zeigt im Dreigiebelhaus in Xanten ihre Ausstellung „XOXO“, die auch viele Xantener Aspekte beinhaltet

XANTEN. Es ist nur ein quadratisches, weißes Blatt Papier notwendig, um daraus mit geschickter Faltkunst das bei Kindern sehr beliebte Spiel „Himmel oder Hölle“ zu erstellen. Das Fingerspiel wird häufig als Wahrsageinstrument bedient. Künstlerin Monika Lioba Lang hat das Spiel fasziniert und zu einem Ausstellungsprojekt inspiriert. Sie hat 1056 quadratische, weiße Blätter zu „Himmel oder Hölle“-Spielen gefaltet und diese in insgesamt 24 Holzrahmen eingebettet. Das gesamte Werk, das den Namen „Porta“ trägt, soll wiederum das Portal im Westwerk der St. Viktor-Kirche in Xanten darstellen. Das Kunstwerk zeigt Lang gemeinsam mit weiteren plastischen Darstellungen derzeit in ihrer Ausstellung „XOXO“ in der Galerie am Dreigiebelhaus in Xanten – direkt gegenüber der St. Viktor Kirche.

Es ist nicht das erste Mal, das Monika Lioba Lang im Dreigiebelhaus etwas ausstellt. Sie war 2019 bereits Teil der Ausstellung „Rheinblick“. „Für diese Ausstellung habe ich damals die ,Loreley‘ extra angefertigt“, berichtet Lang. Hauptbestandteil dieses Werkes ist ein Stickrahmen, in dem sie ein gesticktes, versunkenes Schiff darstellt. Am Ende eines jeden Stickpunktes hat sie ein farblich passendes Polyband angebracht, das sich über mehrere Meter bis weit über den Boden erstreckt. Die Arbeit beruht auf der Grundlage der Sage „Loreley“. In ihrer ersten eigenen Ausstellung im Dreigiebelhaus, die auf Anfrage des Kunstvereins Xanten nun zustande kam, hat sie dieses Werk noch einmal mitgebracht.

Das „Porta“ entstand erst nach der Anfrage des Kunstvereins Xanten und einem Besuch Langs in Xanten. „Ich bin damals durch Xanten spaziert, habe mir vieles angesehen und auch das Stiftsmuseum besucht, um mich inspirieren zu lassen“, berichtet Lang. Das Portal im Westwerk der St. Viktor Kirche blieb ihr dabei besonders in Erinnerung. Diese verknüpfte sie wiederum mit den „Himmel und Hölle“-Fingerspielen, die sie während der Corona-Zeit faszinierten. Mit ihnen hat sie nun das Portal der St. Viktor-Kirche dargestellt. „Nach außen hin wirken die Fingerspiele mit ihren Spitzen abwehrend – ebenso wie viele Kirche von außen erstmal abwehrend wirken. Wenn man innen steht, wirken die Fingerspiele freundlicher, da sie Licht durchlassen, und beschützend – ebenso wie die Kirche“, erläutert Lang. Zugleich habe sie an den Fingerspielen fasziniert, wie man aus einem einfachen Blatt Papier etwas derart Plastisches erstellen könne.

In ihrer derzeitigen Ausstellung hat die Künstlerin in noch weiteren Werken das Thema Kirche aufgegriffen – und das ist kein Zufall. „Ich bin selbst katholisch und bin schon seit Langem auch selbst in der Kirche aktiv. Trotzdem sehe ich sie aber auch kritisch“, erzählt Lang. In einem Werk hat sie eine Fotografie aus einer anderen Arbeit namens „Stille“ mitgebracht, in denen Gips-Elemente wie Vogelkäfige von der Decke hängen. „Sie wirken wie der Mantel des Schweigens – auch das passt wieder zur Kirche“, erläutert Lang. Zudem hat sie einen Mantel aus gelben Fäden um eine Madonna-Figur gelegt. Sie sollen unter anderem die teilweise widersprüchliche Rolle der Frau in der Kirche darstellen.

Eine weitere Arbeit ist eher durch Zufall entstanden: Monika Lioba Lang hat aus Versehen ein ausgedrucktes Bild, das sie in der Jeans-Tasche trug, mitgewaschen. Es verlor die Farbe. Im Anschluss hat sie auf vielfältige Art und Weise den Himmel fotografiert, diese Fotografien entwickeln lassen und die entwickelten Fotos in unterschiedlicher Intensität gewaschen. Heraus kamen einzigartige Fotografien von Wolken, die sich in hellen rosa, pink- und gelb-Tönen nur noch andeuten. „Sie passen meiner Meinung nach sehr gut zum Niederrhein, da es hier viel Himmel gibt“, sagt Lang. In einem weiteren Werk thematisiert die Künstlerin ein Kernkraftwerk, das mit seinen austeigenden Gasen ebenfalls an Wolken erinnere.

Zu ihren Werken möchte die Künstlerin insgesamt aber nicht zu viel verraten. Der Betrachter soll sich selbst ein Bild machen. „Bei mir entwickeln sich Kunstwerke und ihre Interpretationen manchmal selbst erst, wenn ich an ihnen arbeite“, erklärt Lang, die in Bottrop aufwuchs und nach einer Lehre Steinbildhauerin in Münster Kunst studierte. Mittlerweile lebt sie in Köln und stellt regelmäßig in einer Galerie in Düsseldorf aus. Der Ausstellungsname „XOXO“ hat für Lang bereits mehrere Bedeutungen: „In der Jugendsprache bedeutet ,XOXO‘ ,Kiss & Hugs‘ (Küsse und Umarmungen; Anm. d. Red.). Umarmungen waren während der Corona-Pandemie ja nicht möglich. Das X stehe außerdem für Xanten.“

Monika Lioba Lang lädt am Sonntag, 12. Juni, um 12 Uhr zu einem Künstlergespräch zur Ausstellung auf der der zweiten Etage des Dreigiebelhauses, Kapitel 18 in Xanten, ein. Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Juni zu sehen.Sabrina Peters
Das „Porta“ soll das Portal der St. Viktor Kirche darstellen.

Das „Porta“ soll das Portal der St. Viktor Kirche darstellen.

Monika Lioba Lang vor der „Loreley“.

Monika Lioba Lang vor der „Loreley“.

Die verwaschenen Wolken waren ein Zufallsprodukt. Rechts im Hintergrund ist die eingezäunte Madonna zu sehen. NN-Fotos (3): SP

Prospekte