Krippenspiel mal umgekehrt
Bewohner des Altenzentrums am Park bieten Kindern biblische Vorstellungen
XANTEN. „Ein Esel aus Wesel will zum Schwarzen Meer“ und „Stern über Bethlehem zeig uns den Weg“, hieß es am Montagmorgen im Evangelischen Altenzentrum am Stadtpark in Xanten. Einige der Bewohner stellten gemeinsam unter der Leitung von Beate Anhuf-Mölders, Leiterin des sozialen Dienstes ein Krippenspiel in Eigenregie auf die Beine. Die geladenen Gäste waren die Kinder der Kita Pustekuchen, Vorstellungen vor Gruppen aus drei weiteren Einrichtungen folgen.
Dieses Krippenspiel ist anders, als man es gewohnt ist. Die Inszenierung der Theatergruppe im Altenzentrum am Stadtpark erzählt aus der Perspektive der Tiere; einer Kuh, einer Schafherde, einem Esel und einem Hund, wie sie zur heiligen Krippe und somit zum Jesuskind geleitet werden. Erst ist die Verwirrung groß, denn ihnen ist nicht klar wie besonders die Nacht ist, oder wohin es sie zieht. Doch am Stall angekommen lüftet sich die Ungewissheit. Das Kind liegt in einer Krippe, um es herum sitzt ein Engel, Maria und Josef die in der Kälte frieren. Die Tiere erkennen ihre Funktion und beschließen zusammenzurücken, um der Familie Wärme und Schutz zu spenden.
Die Erzählung bleibt nur ein kleiner Teil der Vorstellung, die extra für Kinder angepasst wurde. Lustige Lieder, die als Einspieler fungieren, stellen nach und nach die einzelnen Tiere vor. So hört man von „Lieselotte der Postkuh“ und dem „Dackelwackeltanz“ bei dem die Kinder sich eifrig beteiligen. Aber auch Klassiker wie „Stille Nacht, heilige Nacht“ oder „Ihr Kinderlein kommet“ sind dabei.
Es ist nicht die erste Veranstaltung, die Beate Anhuf-Mölders und ihre Theatergruppe auf die Beine stellen. „Wir haben einen Chor und führen öfter im Jahr selbst geschriebene Stücke auf. Im Sommer gab es eine Inszenierung, in der es um eine Hochzeit ging. Das Krippenspiel veranstalten wir jedes Jahr, aber normalerweise nur vor den Heimbewohnern selbst. Da wir coronabedingt lange Pause machen mussten, freut es uns jetzt umso mehr, zum ersten Mal vor Kindern zu spielen, wie Anhuf-Mölders erklärt.
Das Team verändert sich dabei stetig. Manche Senioren sind zum ersten Mal dabei, wohingegen andere zu den „alten Hasen“ zählen. Eine davon ist Ursel Köster. Die Bewohnerin der Pflegeeinrichtung ist dankbar für die Gelegenheit sich künstlerisch ausleben zu können und verkörpert im Krippenspiel die Kuh: „ Ich habe früher auch schon liebend gern Theater gespielt und finde es toll, dass ich das jetzt im Alter weiter tun kann. Es macht Spaß und ist schön, den Kindern eine Freude zu machen.“
Marlene Aengeneyndt hilft als Ehrenamtliche im Seniorenzentrum aus und ist begeistert von der Möglichkeit des Theaterspielens. Sie selbst spielt im diesjährigen Krippenspiel den Josef. „Ich war so gerührt und überrascht, wie viele Ältere kein Problem damit haben die Texte der Lieder und sogar alte Gedichte aus Kindertagen auswendig aufzusagen. Man sieht ihnen die Freude an und sie sind offen dafür, im Kostüm vor die Zuschauer zu treten.“
Auch die anderen Akteure genießen einfach die lockere Atmosphäre und das in Gesellschaftsein. Bewohner Georg Böcking hat eine besondere Rolle. Sein Talent, viele Tiergeräusche nachzumachen, nutzt er, um die Kinder zu animieren. Er macht es vor, sie machen es nach.
Zum Abschluss treffen die beiden Generationen noch einmal im Austausch aufeinander. Senioren sprechen mit Kindergartenkindern. Anhuf-Mölder wünscht sich für das nächste Jahr viele weitere solcher Projekte, um die Interaktion zwischen diesen beiden unterschiedlichen Gruppen zu stärken.
Anhand der lächelnden Gesichter merkt man: Das würden viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr begrüßen. Jacqueline KurschatkeDie Kinder der KiTa Pustekuchen schauen gebannt die Vorstellung des Krippenspiels im evangelischen Seniorenzentrum am Park. Foto: JK