Internationale Gedenkfeier in Kessel erinnert an Flugzeugabsturz von 1944
Erinnerung an die Tragödie von Kessel mit Gästen aus drei Nationen
KESSEL. Kürzlich wurde auf dem Bauernhof der Familie Gossens in Kessel, nahe der Viller Mühle, eine internationale Gedenkfeier abgehalten. Es waren hochrangige Gäste aus den USA, Niederlanden und Deutschland vor Ort. Veranstaltet wurde die Gedenkfeier von den Airborne Vrienden aus Groesbeek mit der Unterstützung von Botschaftsangehörigen aus Den Haag und Berlin. Als Gäste waren unter anderem amerikanische Soldaten aus dem deutschen Hauptquartier in Karlsruhe anwesend. Auch deutsche Soldaten gedachten der Kriegsereignisse von 1944. Die Soldaten, Familienangehörigen der Opfer und alle anwesenden Gäste gedachten des Flugzeugabsturzes in Kessel vor genau 82 Jahren.
Am 18. September 1944 flogen im Rahmen der „Market Garden“ Operation 131 B24-Bomber nach Klein Amerika, Nähe Groesbeek, um die zuvor gelandete amerikanische 82nd Airborne Division mit Ausrüstung zu versorgen. In Groesbeek brannten jedoch mehrere Bauernhöfe und Heuhaufen aufgrund von Angriffen der deutschen Armee. Für die Piloten war es daher schwierig aus großer Höhe den Rauch von den aufgestellten Feuertöpfen der Kameraden zu unterscheiden. Die Besatzungsmitglieder der Flugzeuge wussten nicht, wo die genaue Abwurfstelle sein sollte. Sie wollten jedoch nicht, dass die Ausrüstung in Feindeshand geriet. Sie flogen daher dreimal, langsam und niedrig auf nur 600 Fuß, in einem weiten Kreis, um die richtige Landezone zu finden. Zwei Liberators Flugzeuge wurden bei diesem Manöver von der deutschen Artillerie über Kessel abgeschossen. Die „Heaven Can Wait“ stürzte bei ‚t Veen in Hommersum ab und die „Rum Runner“ am Bauernhof der Familie Gossens in Kessel.
Die Gedenkfeier wurde moderiert von Roel Kerkhoff von den Airborne Vrienden aus Groesbeek. Bernd Thönnesen vom Verkehrs- und Heimatverein Kessel begrüsste alle Gäste und sprach die Einführungsworte. Er appellierte, dass das Geschehene und der Krieg sich nie wiederholen dürfe. Die Veranstaltung wurde musikalisch gestaltet von dem Chor „Nèj Hèjs“ aus Heijen und von dem Barbarossa Brass Quintet der amerikanischen 21. Theatre Sustainment Command aus Deutschland. Stefan Gossens begrüßte alle als Gastgeber und schilderte die Ereignisse vom 18. September 1944 aus den Erzählungen seines Vaters Christian Gossens. Die deutsche Flak, die in der Nähe des Hofes postiert war, schoss auf den amerikanischen Bomber, der getroffen aus Richtung Grunewald auf den Hof zuflog. Die Besatzung des Liberators „Rum Runner“ bestand aus zehn Besatzungsmitgliedern. Von dieser Besatzung wird noch immer einer vermisst und einer geriet in Kriegsgefangenschaft, nachdem er aus dem brennenden Flugzeug gesprungen war. Die andern acht starben beim Aufprall auf dem Boden in der brennenden Maschine oder wurden später von den Nazis erschossen. Familie Gossens war im Keller des Wohnhauses, als das Flugzeug auf die Hofgebäude prallte und ausbrannte. Der Hof geriet in Flammen und brannte noch teilweise drei Tage später wegen des auslaufenden Kerosins. Der Knecht der Familie, Gerhard Stockmans, verbrannte ebenfalls, als er ein Pferd retten wollte. Franz Giesbers und sein Bruder Heinrich waren die Augenzeugen des Flugzeugabsturzes. Sie haben die Toten auch zum Kesseler Friedhof transportiert und begraben. Theo Giesbers, der Sohn von Heinrich Giesbers, legte für die Airborne Vrienden an der Gedenkplakette Blumen nieder. Jannis Gossens, der Enkel von Christian Gossens, las den offiziellen Bericht zu dem Flugzeugabsturz seines Ur-Opas, Franz Gossens vor, der seinerzeit Bürgermeister von Kessel war.
Die neue Gedenkplakette, angefertigt von den Airborne Vrienden, wurde von der Familie Gossens enthüllt. Ein Familienmitglied eines der verstorbenen Flugzeuginsassen, Chris Jaubert, sprach zu den Anwesenden und berichtet aus einem Buch eines Zeitzeugen über die Geschehnisse am 18. September 1944. In einer Schweigeminute wurden der Toten gedacht. Die amerikanischen Fahnen- und Bannerträger traten vor und verneigten sich vor der Gedenktafel. Danach wurde die amerikanische und die deutsche Nationalhymne gespielt. Dieser Moment war für alle Anwesenden sehr ergreifend. Im Anschluss folgten die Blumenniederlegung und eine Ansprache des amerikanischen Colonels, der die Freundschaft und die Verbundenheit der Amerikaner zu den Niederländern und Deutschen betonte. Diese Verbundenheit über mehr als 80 Jahre solle weiterleben und gepflegt werden.
Sehr beeindruckend und herzergreifend war der Gesang des Chores aus Heijen unter anderem mit dem Lied „Amazing Grace“. Das Schlusswort sprach Jeanne Melchers von den Airborne Vrienden mit dem Act of Remembrance. Nach der beeindruckenden Gedenkfeier wurden die Teilnehmer von den Airborne Vrienden und Familie Gossens eingeladen zum gemütlichen Zusammensein bei warmen und kalten Getränken, die Jens Bodden vom HVV Hommersum servierte. Die Teilnehmer aus vier Nationen tauschten sich aus und führten so manch interessantes Gespräch. Alle wollen in zwei Jahren wiederkommen.