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Markus Dahmen liebt die Herausforderung und hat Interesse an neuen Aufgaben. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
27. Juni 2025 · Heiner Frost · Kleve

„Ich stehe gerne unter Strom“

Markus Dahmen möchte im September Klever Bürgermeister werden

KLEVE. „Hallo Herr Frost, ich möchte Sie kurz an unseren morgigen Interviewtermin um 9 Uhr erinnern. Ich freue mich schon auf das Gespräch! Herzliche Grüße. Markus Dahmen.“

Das Bild am Ende eines 75-minütigen Gespräches mit einem, der Bürgermeister von Kleve werden möchte: ein Energiebündel. Markus Dahmen, Alter: 58. Verheiratet seit 2022. Späte Liebe? „Von wegen. Meine Frau und ich waren schon 29 Jahre zusammen, als wir geheiratet haben“, sagt Dahmen. Aber jetzt bitte nicht sagen, es sei um Steuerliches gegangen. „Nein. Darum ging es nicht. Da waren andere Überlegungen im Spiel. Wenn beispielsweise einer von uns beiden ins Krankenhaus müsste, würde der andere ‚als Freund‘ wenig Informationen bekommen. Früher hat man nicht weiter über solche Dinge nachgedacht. Das kommt mit dem Alter.“ Okay – das wäre dann mal ein Grund. Markus Dahmen und seine Frau haben keine Kinder, kümmern sich aber um ihre mütter (86 und 88). Ja, und dann wäre da noch Gustav. Gustav? „Genau. Gustav. So heißt unser Labrador.“

Abmachung: Wir sprechen nicht über Politik. „Das ist voll okay.“ Sprechen wir also über ... Urlaub. Wer sagt zum Beispiel, wo‘s lang geht? „Wir verreisen so, dass wir jederzeit schnell wieder vor Ort sein können, falls mit den Müttern was passiert.“ Da lebt einer in Strukturen. Alles muss planbar sein. Wundert nicht, denn Dahmen ist (nicht weisungsgebundener) Leiter der Rechnungsprüfung für die Stadt Kleve. Ein Kontrollfreak also? „Was die Zahlen angeht auf jeden Fall.“

Fragt man Dahmen nach seiner Ausbildung, muss man schnell und viel mitschreiben. Belassen wir es beim jetzigen Endpunkt (siehe oben).

Warum möchte einer Bürgermeister werden? „Es geht um die Herausforderung.“ Als der Anruf kam (ja, das gibt es wirklich) und man fragte „Willst du als Bürgermeisterkandidat antreten?“, erbat Dahmen sich Bedenkzeit: eine Woche. Gespräche mit der Gattin, Abwägen des Möglichen. Dann das „Ja“. Dahmen spricht vom „Salz in der Suppe.“ Vorher hatte sich „der Kandidat“ um den Posten des Stadtkämmerers beworben. „Das wurde dann ein anderer.“ Aber jetzt kannte man den Mann mit dem Bürstenschnitt.

Wer in Deutschland Fußballtrainer werden möchte, braucht eine Ausbildung, einen Schein. Bürgermeister – das geht ganz ohne Lizenz. Okay, Kanzler auch. Gibt es Grundvoraussetzungen? Gibt es eine Art virtuelles Anforderungsprofil? „Na ja, wer sich um ein solches Amt bewirbt, sollte Führungsqualität mitbringen.“ Noch was? „Aber sicher. Es geht um Bürgernähe, es geht darum, kommunikativ zu sein – und empathisch. Der Kandidat sollte auch Menschenkenntnis mitbringen. Und dann geht es noch um Fachwissen.“ Dahmen kommt aus der Verwaltung. Er weiß. wie die Dinge laufen – wie eines zum anderen kommt. Was ihm wichtig ist: „Ich gehöre keiner Partei an.“

Fragen wir mal ein paar Dinge ab. Karneval? „Ich gehe gern zu Sitzungen. Bin nicht aktiv.“ Sport? „Das könnte jetzt länger dauern.“ Okay – Abkürzung: Dahmen hat 22 Jahre American Football gespielt. („Da habe ich Team gelernt. Und Menschenkenntnis.“) Dahmen läuft. „Die zehn Kilometer sollten unterhalb der Stundengrenze absolviert werden.“ Musik? Bon Jovi, AC/DC, Guns N‘ Roses und – zum Entspannen: Bruce Springsteen. Wir steigern das Tempo: Pelikan oder Geha? „Pelikan.“ Kaffee oder Tee? „Kaffee. Gaaanz viel.“ Wein oder Bier? „Bier.“ Winnetou oder Ivanhoe? „Ivanhoe.“ Carrera oder Märklin? „Carrera.“ Lesen? „Belletristik. Schwerpunkt Fantasy.“ Hobby? „Kochen.“ Gibt es ein Parade-Gericht? „Nein. Ich probiere gerne aus.“ Da hakt man dann doch mal kurz ein. Ein politischer Gedanke zum Thema „ausprobieren“. Deutsche Politiker wirken oft mutlos. Richtig? „Ja. Das sehe ich auch so und ich glaube, es hat mit unserer Fehlerkultur zu tun.“ Kultur oder Unkultur? „Eher Unkultur. Hierzulande werden Fehler bestraft, was dazu führt, dass Leute – und eben auch Politiker – Angst vor Neuem haben.“ Fehlerangst? „Genau. Dabei kann man doch Fehler als Ansporn nehmen, etwas beim nächsten Versuch besser zu machen. Wenn wir aus Fehlern lernen, ist das ja ein Fortschritt. Stattdessen wird hier nach einem Fehler zuerst der Schuldige gesucht ...“, und der bekommt dann Saures? „Genau. Das regt leider nicht dazu an, neue Dinge auszuprobieren.“

Noch mal zurück zur Herausforderung. Was bringt einen dazu, eine Kandidatur zu übernehmen? „Ich stehe gern unter Strom. Ich brauche die Herausforderung.“ Und: „Ich muss was machen.“ Das war schon beim jungen Dahmen der Fall: „Wenn Sie sich Fotos aus meiner Jugend ansehen, werden Sie feststellen, dass es kaum eines gibt, bei dem ich nicht mit einem Pflaster oder einem Verband zu sehen bin.“ Dahmen: Der, der in die Spitze des Kirschbaums klettert. Dahmen: Der, der mit sechs (oder war es mit acht Jahren) vom Zehner springt. Naja - und jetzt die bürgermeisterliche Herausforderung. Und wenn‘s klappt – kommt dann der Landrat? Dahmen legt sich nicht fest. Er sagt nur: „Rente ist ein komischer Gedanke. Nichts für mich.“

Markus Dahmen liebt die Herausforderung und hat Interesse an neuen Aufgaben. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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