„Ich habe schon mal einen Bischof bei einer Firmung gesehen“
Fünftklässler verfolgen Bischofsernennung im Livestream
NIEDERRHEIN. Gebannt schauen die Mädchen und Jungen auf den Fernseher, auf dem gerade ein Bild aus dem St.-Paulus-Dom in Münster ins Klever Konrad-Adenauer-Gymnasium übertragen wird. Fasziniert stellen sie fest, wie viele Menschen sich im Dom versammelt haben, um zu erfahren, dass Heiner Wilmer der neue Bischof von Münster wird.
Dass die Fünftklässler die Gelegenheit haben, den Livestream aus Münster zu schauen, haben sie Pfarrer Thorsten Hendricks zu verdanken. Und dem Zufall, dass die Bekanntgabe in den Religionsunterricht fällt. „Wir haben heute, kurz vor den Osterferien, in Erinnerung an das Letzte Abendmahl gemeinsam Brot gegessen und dann die Übertragung der Bischofsernennung eingeschaltet“, erklärt der Pfarrer. Dabei nutzte er die Gelegenheit, den Kindern zu erklären, warum es überhaupt einen Bischof gibt und warum der Bischof von Münster auch für den Kreis Kleve zuständig ist. „Seit dem Rücktritt von Felix Genn ist mehr als ein Jahr vergangen und gerade jüngeren Kindern ist gar nicht bewusst, dass wir so lange keinen Diözesanbischof hatten“, sagt Hendricks. Ein paar Kinder erinnern sich dann aber doch – als Messdiener sind sie schon einem Bischof begegnet oder auch bei der Firmung älterer Geschwister. Und natürlich ist auch der Heilige Nikolaus allen ein Begriff. „Ich persönlich“, sagt Hendricks, „freue mich über die Wahl von Heiner Wilmer, auch wenn er sicher viel Arbeit damit haben wird, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zu sein und gleichzeitig unser Bistum zu leiten. Seine erste Ansprache, in der er an die Emmaus-Jünger erinnert, hat mich sehr berührt.“
Per Videoschalte mit Münster verbunden war auch ein Teil der Obersekunda des Bischöflichen Internatsgymnasiums Collegium Augustinianum Gaesdonck mit Schulseelsorger Sven Tönies. „Die meisten Schüler kannten den neuen Bischof nicht“, sagt er, „aber es war mir wichtig, dass sie die Möglichkeit haben, diese für das Bistum bedeutende Verkündung mitzuerleben.“ Im Anschluss habe er mit den Jugendlichen über den neuen Bischof gesprochen. „Sie hoffen, dass er sich auch um die Belange der jungen Menschen kümmert und hört, was sie zu sagen haben“, betont Tönies und verbindet das mit einer Einladung an Heiner Wilmer: „Wenn er mit Jugendlichen ins Gespräch kommen möchte, ist er bei uns an der Gaesdonck herzlich willkommen.“
In Xanten hat sich Weihbischof Rolf Lohmann zur Ernennung Wilmers geäußert: „Mit unserem neuen Bischof habe ich in den vergangenen Jahren in der Kommission VI. der Deutschen Bischofskonferenz „für gesellschaftliche und soziale Fragen“ gut und intensiv zusammengearbeitet. Heiner Wilmer ist ein hoch gebildeter, sympathischer und bodenständiger Mann, der unser Bistum gut und umsichtig führen wird. Beim Synodalen Weg hat er sich stets für die Reformen eingesetzt und will eine synodale Kirche auf allen Ebenen. Wichtige Themen sind ihm von seinen vorherigen Arbeitsschwerpunkten sicherlich die Frage der Bildung an unseren Schulen, die Jugendarbeit, die Frage nach Gerechtigkeit und nicht zuletzt auch die Frage nach Schöpfungsverantwortung und Klimagerechtigkeit. Hier wird er sicherlich Schwerpunkte setzen. Ich persönlich bin sehr dankbar, dass Heiner Wilmer neuer Bischof in Münster wird und freue mich jetzt schon, ihn meine Region im Bereich des Niederrheins und des Ruhrgebiets der kommenden Zeit näher zu bringen und zeigen zu können. Darüber habe ich mit ihm auch schon gesprochen. Papst Leo danken wir, dass wir mit Heiner Wilmer einen aufgeschlossenen, in der Spiritualität verwurzelten und in der Leitung eines Bistums erfahrenen neuen Bischofs bekommen. Beten wir für ihn, dass er in dieser Zeit der Unsicherheit und auch des religiösen Indifferentismus Orientierung geben und an einer Kirche der Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit mitwirken kann. Die Gläubigen bitte ich dabei, ihn nach Kräften dabei zu unterstützen und so den Weg des Reiches Gottes mit Gebet und Tat mitzugestalten.“