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Bruno Schmitz inspiziert das Reeser Bürgerhaus. Foto: Stadt Rees
11. Februar 2026 Von NN-Online · Rees

„Ich bleibe Stunker bis zum Lebensende“

Bruno Schmitz im Interview über „Stunk Unplugged“ in Rees und das Kabarett

REES. Seit 1984 rechnet die Kölner Stunksitzung mit den Mächtigen dieser Welt ab. Seit der Jahrtausendwende gehen die Stunker mit ausgewählten Sketchen und Liedern außerhalb der fünften Jahreszeit auch auf Tournee. Am Samstag, 5. September, gastiert „Stunk Unplugged“ im Reeser Bürgerhaus. Der Vorverkauf hat begonnen. Bereits in dieser Woche ist die aktuelle Stunksitzung im WDR zu sehen, am Donnerstag, 12. Februar, ab 22.15 Uhr. Bruno Schmitz, der mit seinem Kulturbüro Niederrhein bekannte Kabarettisten und Comedians nach Rees und in viele weitere niederrheinische Städte holt, gehörte 1984 zu den Gründungsmitgliedern der Stunksitzung.

Herr Schmitz, am Donnerstag fehlen Sie in der Fernsehausstrahlung der Stunksitzung. Hat es sich für Sie ausgestunkt?

Bruno Schmitz: Nein, ich bleibe Stunker bis zum Lebensende. Bei den Auftritten im E-Werk und im Fernsehen bin ich seit zwei Jahren nicht dabei. Man soll Aufhören, wenn es am schönsten ist. Ein banaler Spruch, aber er stimmt. Ich toure aber weiterhin mit dem Projekt „Stunk Unplugged“. Da sind wir zehn Leute auf der Bühne, inklusive einer kleinen Band. Wir fahren zu den Leuten, nach Rees, Kleve, Dortmund, Bonn oder Aachen. Es gibt viele, denen Köln zu weit weg ist oder die keine Karte mehr für die „Stunksitzung“ im E-Werk bekommen. Auch in diesem Jahr waren wieder alle 55 Sitzungen ausverkauft.

Karneval revolutionieren und politischer machen – mit Spaß und Freude

Warum gründeten die Stunker vor mehr als 40 Jahren eine Alternative zum Kölner Karneval?

Schmitz: Wir wollten den Karneval revolutionieren, ihn „instandbesetzen“ und politischer machen, aber alles mit Spaß und Freude. Das nahm seinen Anfang in der mitte-grün-linken Bewegung, es war die Zeit der Hausbesetzer, Friedensdemos und Anti-Atomkraft. Nach wenigen Jahren folgten immer mehr Städte unserem Beispiel und boten alternative Sitzungen, die aber kleiner sind und nicht so lange laufen. Wir Stunker sind mittlerweile ein wirtschaftliches Unternehmen, vergleichbar mit Musicals oder einer Oper. Da sind bis zu 60 Leute für eine gewisse Zeit beschäftigt: Autoren, Regisseure, Bühnenbildner, Schneiderinnen, Techniker – die ganze Palette von Leuten, die uns zuarbeiten.

Wie ist heute das Verhältnis zwischen Stunkern und Karnevalisten?

Schmitz: Das ist im Laufe der Jahre recht gut geworden. Ich denke, die Stunker konnten in den 80er-Jahren dazu beitragen, dass sich auch die traditionellen Karnevalisten an einen wichtigen Grundgedanken des Karnevals erinnerten: Die Jecken attackieren die Herrschenden, die Narren teilen gegen die Obrigkeit aus. Daraufhin lud der offizielle Karneval verstärkt Leute wie Bernd Stelter und Guido Cantz ein, um die Sitzungen mit Comedy und Kabarett wieder politischer und gesellschaftskritischer werden zu lassen.

Fahren die Stunker irgendwann mit einem eigenen Wagen beim Rosenmontagszug mit?

Schmitz: Nein, das wäre eine Verbrüderung. Dazu haben wir eine klare Haltung, auch wenn uns einzelne Leute schon mal vorwerfen, dass wir etwas mainstreamiger geworden sind. Vor 40 Jahren waren wir sicherlich radikaler. Jetzt sind wir älter, woraus sich organisch ergibt, dass wir hier und da ein wenig angepasster wirken mögen. Aber wir bringen immer noch sehr radikale und kritische Nummern auf die Bühne.

Was ist bei „Stunk Unplugged“ anders als bei der Stunksitzung?

Schmitz: Das Bühnenbild ist kleiner und dezenter. Wir spielen ja sonst im E-Werk vor 1250 Zuschauern, in Rees passen wir uns dem süßen, kleinen Bürgerhaus an. Es fehlen auch der Elferrat und unsere Hauskapelle Köbes Underground. Aber Live-Musik mit kleiner Band machen wir trotzdem.

Viele Stunk-Nummern sind immer noch aktuell

„Stunk Unplugged“ liefert das Beste aus vier Jahrzehnten. Wie aktuell sind die Nummern?

Schmitz: Wir sind oft selbst überrascht, wie aktuell viele Nummern noch sind. Da reicht es manchmal, alte Namen gegen Friedrich Merz oder Lars Klingbeil auszutauschen, und schon hat man den Eindruck, der Dialog sei erst gestern geschrieben worden.

Welche Rollen spielen Sie im September auf der Reeser Bühne?

Schmitz: Ich werde in mehreren Nummern zu sehen sein, moderiere und singe auch zwei Lieder. Man sieht mich zum Beispiel im Krankenhaus der Zukunft, in einem Museum ohne Bilder oder auch als Donald Trump, der sich einen skurrilen Kampf mit anderen Diktatoren leistet.

Von 1970 bis 1985 waren Sie Lehrer in Rees und Emmerich, dann gaben Sie die Beamtenlaufbahn auf, um Kabarettist und Veranstalter zu werden. Lag das an den Schülern?

Schmitz: Nein. Im Gegenteil. Ich war gerne Lehrer und hatte immer einen guten Draht zu meinen Schülern und Schülerinnen. Wenn man so will, waren die ja mein erstes Publikum. Jeder Auftritt dauerte 45 oder 90 Minuten. Ich musste 25 bis 30 junge Leute begeistern und in meinen Bann ziehen. Deshalb habe ich auch in den Pausen auf dem Schulhof gern Gitarre gespielt. Noch heute freue ich mich, wenn ich am Rande von Veranstaltungen ehemalige Schülerinnen und Schüler treffe.

Gab es in 40 Jahren „Stunksitzung“ waschechte Skandale?

Schmitz: Die Skandale bestanden eher darin, dass der WDR ein paar Sketche zensiert hat, damit es erst gar nicht zum Skandal kommen konnte. Dabei ging es meist um die katholische Kirche. Ich spielte auch mal Kardinal Meisner, der Papst Benedikt in seiner Kölner Villa beherbergt. Wir haben da durchs Schlüsselloch geschaut, wie die beiden Herren – Ratze und Meise – sich bettklar machten. Das war die einzige Nummer, die der WDR in 40 Jahren „Stunksitzung“ komplett gestrichen hat. Man kann ihn aber auf Youtube anschauen. Ein paar andere Sachen wurden leicht gekürzt oder ein böses Wort wurde weggepiept.

„Die Stadt Rees brennt für Kultur“

Seit 30 Jahren holen Sie mit Ihrem Kulturbüro Niederrhein Kabarettisten und Comedians ins Reeser Bürgerhaus. Wie waren die Anfänge?

Schmitz: In den 90er-Jahren war Ali Übülüd mit „Hallo Chefe, alles paletti“ sehr erfolgreich. Ich buchte ihn als Opener für eine Kabarett- und Comedy-Reihe in Rees. Der Abend war ausverkauft. Als ich anbot, weitere Künstler zu holen, war die Stadt Rees sehr erfreut. Dann kamen bekannte, sehr bekannte Leute wie Hella von Sinnen, Gaby Köster, Atze Schröder, Herbert Knebel, Dieter Nuhr, Mario Barth, Ralf Schmitz und viele mehr. Ich arbeite sehr gern mit der Stadt Rees zusammen. Die brennen für die Kultur. Die sind begeistert, das Publikum ist begeistert, die Künstler sind begeistert. Was will man mehr?

War es vor 30 Jahren leichter, prominente Namen nach Rees zu holen?

Schmitz: Ja, die Szene war noch nicht so gut entwickelt. Durch Fernsehsendungen wie „RTL Samstag Nacht“ oder „7 Tage, 7 Köpfe“ wurden die Comedians bekannter und wollten größere Hallen bespielen. Heute hilft es mir, dass ich selbst seit Jahrzehnten auf der Bühne stehe und viele Künstler kenne oder mit ihnen befreundet bin. Wenn ich sie einlade, steigt die Chance, dass sie auch in einem Bürgerhaus mit nur 500 Plätzen auftreten. Obwohl immer mehr Agenturen mindestens 1000 Plätze fordern. Der Markt hat sich verändert.

Wie wichtig ist die Fernsehprominenz der Künstler für den Kartenverkauf?

Schmitz: Die ist schon sehr wichtig. Leider denken manche Leute: „Den kenn‘ ich nicht, da geh‘ ich nicht hin!“ So verpassen sie einen tollen Abend. Ich bin froh, dass ich am Niederrhein weiter auf feste Größen wie Herbert Knebel, Jürgen Becker, Ingrid Kühne, Kasalla, Lisa Feller oder Wilfried Schmickler bauen kann. Mir ist aber auch wichtig, etwas für die jüngeren Künstler und Zuschauer zu tun: Osan Yaran schafft es, auch durch Werbung über seine eigenen Kanäle, dass die Klever Stadthalle ausverkauft ist, und Abdelkarim wird auch 2026 wieder das Reeser Bürgerhaus füllen. Obwohl ich inzwischen fast 80 bin, habe ich den Blick auf die Jüngeren nicht verloren.

Karten für Rees im Vorverkauf

Karten für „Stunk Unplugged„ am 5. September in Rees gibt es unter anderem in der Touristeninformation am Reeser Markt, in den beiden NN-Geschäftsstellen und unter www.niederrhein-nachrichten.de/ticketshop.

Bruno Schmitz inspiziert das Reeser Bürgerhaus. Foto: Stadt Rees

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