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Die Entsorgung alter Bauteile gehört auch zum Job: Markus Henkel (l.) und seine Mitarbeiter beladen einen Anhänger mit Holzlatten. NN-Fotos: Thomas Langer
26. März 2024 · Thomas Langer · Niederrhein

Hier lernt man für’s Leben

Dachdecker haben immer etwas zu tun – und damit eine gesicherte Zukunft

NIEDERRHEIN. Im Handwerk herrscht weiterhin ein Mangel an Nachwuchs. Das ist nicht nur schlecht für die Wirtschaft und die Deckung der Nachfrage, sondern auch eine vertane Chance für handwerklich begabte Jugendliche. Denn wie Markus Henkel, Obermeister der Dachdeckerinnung des Kreises Kleve, erklärt, könne man nicht nur früh gutes Geld verdienen, sondern auch Fähigkeiten erlernen, die Gold wert sind für das Leben selbst.

Quereinsteigen als Dachdecker: Das ist zwar möglich, denn als Helfer kann man nach fünf Jahren im Job die Gesellenprüfung ablegen, wenn dann auch die schulischen Kenntnisse stimmen. Dennoch rät Henkel dazu, lieber direkt den Weg über die Ausbildung zu nehmen, um so die Praxis im Betrieb und die Theorie in der Berufsschule von Anfang an auf die richtige Weise zu kombinieren.

Ein breites Aufgabenfeld

„Der Beruf ist sehr vielseitig. Er wird nach außen hin weit unterschätzt“, sagt Henkel. So breit ist das Feld, dass ein Betrieb allein gar nicht alle Aufgabenfelder abdecken kann. Zum Alltag gehören zum einen die vielen Materialien, wie Dachziegel, Schiefer, Zink, Kupfer, Aluminiumbleche und Thermopaneele. Klassische Aufgaben umfassen beispielsweise Reparaturarbeiten am Dach und der Dachrinne, den Einbau von Dachfenstern, die Kaminbekleidung mit Schiefer, Zink und Kupfer oder Holzarbeiten wie die Errichtung und das Zuschneiden von Dachgauben. Auch Abdichtungen für Gebäude oder sogar Schwimmbecken gehören dazu.

Immer wichtiger geworden ist der Sanierungsbereich. „Dachdecker sind ebenso Energieberater“, erklärt Henkel. Das zum Beispiel, wenn es darum geht, die richtige Wärmedämmung einzubauen, um so auch auf eventuell verfügbare Fördermittel zugreifen zu können. Als Dachdecker berechnet man für die Kunden zudem den Energieverlust. „Die U-Wert-Berechnung gehört zur Dachsanierung dazu.“ Nötig ist das etwa für Anträge.

Passend zum brandaktuellen Thema Klima gehören auch Photovoltaik-Anlagen in das Portfolio. „Jedes Dach ist anders.“ So sei auch jede Beratung individuell, passend zu den jeweiligen Wünschen des Kunden.

Spezialisieren kann man sich als Dachdecker hingegen auf Industrie-Bedachungen. Hier kommen meist Flachdächer zum Einsatz, wie man sie häufig bei Logistikzentren sehen kann. Das ruft wiederum weitere Themen auf den Plan, wie etwa grüne Dächer, die eigenes Wissen voraussetzen,zum Beispiel über den Schichtenaufbau.

Die benötigten Werkzeuge haben über die Jahre immer mehr von der technischen Entwicklung profitiert und laufen heute vor allem über Akkus. Das erleichtert nicht nur die Arbeit. Die so wegfallenden Kabel machen die Baustellen zeitgleich aufgeräumter und noch sicherer.

Ein paar Fähigkeiten sollte man für den Beruf allerdings mitbringen. Bewerber sollten körperlich gesund und teamfähig sein sowie keine Angst vor Höhen haben. Auch die Schule spielt eine wichtige Rolle: Mathekenntnisse sind hier hervorzuheben, schließlich geht es oft um die Berechnung von Flächen oder Prozenten. Man sollte ein gewisses räumliches Vorstellungsvermögen und einen Bezug zu Flächen und Gewichten haben. „Alles andere kann man lernen.“ Im besten Fall zeigt ein Praktikum, ob einem der Beruf liegt.

Gutes Geld

Hat man sich für eine Ausbildung zum Dachdecker entschieden, verdient man gleich zu Anfang und damit früh im Leben gutes Geld. Im ersten Lehrjahr startet das Gehalt mit rund 780 Euro, steigert sich auf 940 und endet bei 1.200 Euro im dritten Lehrjahr. Verkürzen kann man ebenfalls auf zweieinhalb Jahre. Henkel rät aber davon ab, um stattdessen die vollen Möglichkeiten des Lernens auszuschöpfen. Ein anderer Vorteil beim Beruf ist, dass man das erlernte Wissen auch gut im Privatleben verwenden kann – und dabei bare Münze spart, etwa wenn es um das Eigenheim geht.

Als Geselle muss aber nicht Schluss sein. Man kann sich entweder für den Meister entscheiden oder ein duales Studium beginnen: Bautechniker, Bauingenieur und Architekt gehören hier zu den Möglichkeiten.

Aber trotz der großen Bedeutung des Berufs ist die Situation derzeit nicht einfach. Materialkosten explodieren, auch die Lieferzeiten und Verfügbarkeiten haben stark gelitten. Da sich die Situation schnell ändern kann, haben es Betriebe schwer, verbindliche Kostenvoranschläge zu erstellen. Die höheren Preise bekommt auch der Endkunde zu spüren.

Zumindest in einer Hinsicht kann Henkel jedoch eine positive Tendenz für die Dachdecker erkennen: ein Zuwachs an Azubis. „Diesen Trend wollen wir fördern.“ Für seinen Betrieb in Goch konnte er für das kommende Lehrjahr gleich zwei neue Auszubildende gewinnen.

Diese Entwicklung schreibt er teils Corona zu. „Viele haben gemerkt, dass mit dem Handwerk Geld zu verdienen ist. Uns haben relativ wenige Corona-Beschränkungen getroffen.“ Stillstand habe es hier nicht geben können. Denn handwerkliche Notwendigkeiten – wie das Reparieren von Dächern – machen auch vor einer Pandemie nicht halt. Thomas Langer
Auch Spielhäuser darf man als Dachdecker manchmal herrichten, wie der Obermeister der Dachdeckerinnung des Kreises Kleve, Markus Henkel, aus erster Hand weiß.

Auch Spielhäuser darf man als Dachdecker manchmal herrichten, wie der Obermeister der Dachdeckerinnung des Kreises Kleve, Markus Henkel, aus erster Hand weiß. Foto: Thomas Langer

Manchmal kann es auch gerne der schnelle Weg sein.

Manchmal kann es auch gerne der schnelle Weg sein. Foto: Thomas Langer

Die Entsorgung alter Bauteile gehört auch zum Job: Markus Henkel (l.) und seine Mitarbeiter beladen einen Anhänger mit Holzlatten. NN-Fotos: Thomas Langer

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