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Machten sich auf zu einer kleinen Tour mit dem Caracal-Luftlandefahrzeug: Armin Papperger (Rheinmetall, vorne r.) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (vorne l.). NN-Foto: Thomas Langer
2. Juli 2025 · Thomas Langer · Weeze

„Herzstücke“ aus Weeze

In der neuen Fabrik von Rheinmetall Aviation Services hat die Produktion der Rumpfmittelteile für den Kampfjet F-35A begonnen

WEEZE. Automated Guided Vehicles, Drilling Machines, Deckenkräne – klingt hoch technisiert und ist es auch: Teils autonom arbeitende Maschinen, Roboter und Werkzeuge wie diese kommen für die Produktion der Rumpfmittelteile des Kampfjets F-35 Lightning II zum Einsatz, die nun in der neuen Fabrik von Rheinmetall Aviation Services am Weezer Flughafen begonnen hat. Zu diesem Anlass besuchte Rheinmetall-Chef Armin Papperger zusammen mit Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes NRW, und Stephen O’Bryan von Northrop Grumman – mit Lockheed Martin eines der beiden US-amerikanischen Partnerunternehmen – die neue Fabrik.

Als „Herzstück für den vielseitigsten und leistungsfähigsten Kampfjet der Welt“ bezeichnet Armin Papperger das Produkt, von denen in den kommenden Jahren mindestens 400 Stück am Niederrhein gebaut werden sollen – bis zu 36 pro Jahr, jedes mit circa vier Metern Länge und sechs Metern Breite. Die Käufer des Kampfjets: 14 Nato-Länder.

Auch wenn die Fabrik in Weeze bereits ihre Arbeit aufgenommen hat, ist es ein „work in progress“: Der Stamm der Mitarbeiter soll über die Zeit von derzeit 200 Mitarbeitern auf 400 anwachsen. Ausgebildet werden sie in Kalifornien beim Partner und Auftraggeber Northrop Grumman.

Ähnliches lässt sich über die verwendete Technik sagen, die zumeist ebenfalls aus den USA stammt: Parallel zum Produktionsbeginn sollen bis zum Herbst 2026 alle für das finale Produkt notwendigen Maschinen nach und nach installiert werden – die Fertigstellung des ersten Rumpfmittelteils ist für Ende 2026 geplant.

Produktion, Logistik, Forschung und Ausbildung finden auf 30.000 Quadratmetern statt, das gesamte Gelände beläuft sich auf 60.000 Quadratmeter. Beim Bau der Halle wurde auf energieeffiziente Technologien gesetzt, um den Energie- und Wasserverbrauch zu senken. All das hat sich Rheinmetall einiges kosten lassen: Armin Papperger spricht von mehreren hundert Millionen Euro.

Zeitenwende in Weeze

Für Hendrik Wüst und Armin Papperger ist das Projekt ein Symbol für die Zeitenwende: „Hier in Weeze wird das starke Bekenntnis unseres Landes zu seiner sicherheitspolitischen Verantwortung sichtbar“, sagte Wüst und zeigte sich beeindruckt von der „modernsten Produktionsstätte für den militärischen Flugzeugbau in ganz Europa.“

Papperger wiederum sprach – wie nach ihm auch Stephen O’Bryan – von einem „Leuchtturmprojekt transatlantischer Verteidigungskooperation. Der technologische Austausch auf höchstem Niveau, die Ausbildung unserer Mitarbeiter in den USA, der dadurch entstehende strategische Nexus, all das schafft Vertrauen und schafft das, was wir uns alle wünschen: Mehr Sicherheit in Zeiten des Wandels.“ Die durch Northrop Grumman bereitgestellte Technologie und das Know-how für die Produktion stellt aus Sicht von Rheinmetall eine Stärkung der deutschen Verteidigungsindustrie dar. Demnach eröffne die Zusammenarbeit neue Möglichkeiten für die Entwicklung und den Einsatz von Spitzentechnologie bei Luft- und Raumfahrt, Elektronik und mehr. Die Arbeit in Weeze sei ein konkreter Beitrag zur Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit Deutschlands, Europas und der Nato.

Auch der wirtschaftliche Aspekt war am Tag des Besuchs ein Thema – für Hendrik Wüst zeige sich im Werk, wie internationale Herausforderungen auch Chancen und Wachstumsperspektiven bringen könnten. Zusätzlich zu den neuen Arbeitsplätzen in der Fabrik schätzt Armin Papperger, dass im Bereich der Zulieferung zwischen 1.000 und 1.500 weitere Arbeitsplätze entstehen können. Zwar kommen die für die Rumpfteile benötigten Komponenten aus aller Welt, dennoch plant man bei Rheinmetall auch eine Zusammenarbeit mit deutschen Zulieferern.

Darüber hinaus lobte Papperger die Unterstützung seitens der Politik auf lokaler, regionaler und auf Landesebene: Zügige Genehmigungen hätten den Bau der Fabrik im Rekordtempo von 17 Monaten ermöglicht. „Es ist genau das Deutschlandtempo, das wir nicht nur zur Umsetzung der Zeitenwende brauchen“, betonte auch Hendrik Wüst. „Wir können in Deutschland und in NRW Rüstung auf Weltspitzenniveau. Wir leisten damit unseren Beitrag zur Zeitenwende und zur Verteidigung von Demokratie und Freiheit in Europa mit den Stärken, die wir haben.“ Diese Stärken sieht er in der Industrie wie auch in den Menschen, die bereit seien, sich mit ihren Talenten auf Hightech und Rüstung einzulassen.

Für Rheinmetall geht es nun abseits von Weeze auch in Neuss weiter. Hier wird in der nächsten Zeit ein Automobilwerk umgebaut: für die Produktion von militärischen Fahrzeugen, Satelliten und Drohnentechnologie. Munition soll hier aber nicht entstehen, betont Armin Papperger. Er ist überzeugt von den bisherigen und kommenden Investitionen: „Wir glauben an NRW und diesen Standort.“
Besuchten kurz vor Produktionsbeginn die neue Fabrik von Rheinmetall Aviation Services am Flughafen in Weeze: (v.l.) Stephen O’Bryan vom amerikanischen Partnerunternehmen Northrop Grumman, Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes NRW, und Rheinmetall-Chef Armin Papperger.Foto: Rheinmetall Aviation Services

Besuchten kurz vor Produktionsbeginn die neue Fabrik von Rheinmetall Aviation Services am Flughafen in Weeze: (v.l.) Stephen O’Bryan vom amerikanischen Partnerunternehmen Northrop Grumman, Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes NRW, und Rheinmetall-Chef Armin Papperger.Foto: Rheinmetall Aviation Services

Machten sich auf zu einer kleinen Tour mit dem Caracal-Luftlandefahrzeug: Armin Papperger (Rheinmetall, vorne r.) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (vorne l.). NN-Foto: Thomas Langer

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