Gerd Übach hält sein Buch über die Band „Desert Moon“ in der Hand. Foto von NN.
9. Oktober 2026 · Kleve

Herzblut, Freude, Traurigkeit

Erinnerungen an die Geschichte der Band „Desert Moon“

KLEVE. Da sitzt einer zwischen Kartons. In den Kartons: Bücher. Nein – hier ist nicht von einem Umzug zu erzählen. Oder vielleicht doch. Es ist der Umzug in ein anderes Leben. Die Bücher in den Kartons: identisch. 200 Exemplare – eine Geschichte. Es ist die Geschichte einer Band. Höhen, Tiefen, Anfang, Ende oder – wie der Autor im Vorwort schreibt: „Herzblut, Freude, Traurigkeit“. Das Buch ist auch die Geschichte eines Doppellebens.

"Bandfoto von 1999, vier Musiker in Vintage-Kleidung, klassische Rockband-Aufstellung"

Ein Bandfoto aus dem Jahr 1999. Foto: Friedel An Haack

Gerd Übach stammt aus dem Siegerland. Im ersten Leben war er Lehrer und Schulleiter. Vor 26 Jahren kam er nach Kleve. Etwas Neues begann – etwas Altes ging zu Ende. Übachs zweites Leben: „Desert Moon“. Übach: Bassist in einer Band, die Country Music spielte. Wichtiger Hinweis für Nicht-Kenner: Country Music hat viele Varianten. „Desert Moon“ existierte zehn Jahre lang - von 1993 bis 2003. Die Mitglieder: Stephan Kölsch (Pedal Steel Guitar, Country Fiddle, Keyboard, Gitarre, Gesang), sein Bruder Andy (Gitarre), der Schlagzeuger Olaf Roth, Bassist Gerd Übach und Frontfrau Dunja - Dunja Übach.

„Als meine Frau und ich nach Kleve zogen, war ziemlich schnell klar: Die Band würde ihren Ansprüchen nicht mehr gerecht werden können. Wir waren zwar semiprofessional unterwegs, aber eines kam für uns nicht in Frage: Mittelmaß.“ So löste sich die Band drei Jahre später auf. „Ich habe immer mal mit dem Gedanken gespielt, die Geschichte unserer Band aufzuschreiben“, sagt einer, der gern Journalist geworden wäre.

22 Jahre später nahm Übach Kontakt zu den Bandmitgliedern auf. Man könnte sich ja mal treffen. Die Kontaktaufnahme wurde von einer traurigen Nachricht begleitet: „Stephan Kölsch, der Mastermind unserer Band, hatte Krebs“, erzählt Übach. Kölsch starb im April desselben Jahres. „Ich habe keine Angst vor dem Tod. Es geht weiter.“ Dieser Satz seiner Freundes nistete sich in Übachs Kopf ein. Zusammen mit seiner Frau und dem Schlagzeuger spielte Übach bei Kölschs Beerdigung. „Ich hörte ein paar Tage vorher einen Dyland-Song: „Death is not the end.“ Den haben wir dann gespielt.“ Ein letzter Freundschaftsdienst.

Schon vor Kölschs Tod hatte Übach mit dem Aufschreiben der Geschichte von Desert Moon begonnen. „Die ersten Kapitel hat Stephan noch gelesen. Er hat mich dann, wenn es nötig war, eingefangen.“ Der Tod des Freundes war der endgültige „Befehl“ zum Weiterschreiben.

Übachs Buch „Die Semi-Profis. Die Desert Moon Story“ ist ein Buch mit Geschichten. „Man könnte die Geschichten auch einzeln lesen“, sagt Übach. Es sind Geschichten vom Anfang, vom Ende und einem Dazwischen. Geschichten, die von Erfolgen handeln und von Betrug. Übach: „Irgendwann wandte sich ein angeblicher Produzent an uns. Er wolle, sagte der, ein Album mit uns produzieren. Das sei aber nur möglich, wenn wir uns an den Kosten beteiligen.“ Der Produzent: ein Betrüger. Die Band strebte einen Prozess an. Das Geld - es waren über 10.000 Euro - war weg. „Der Richter sprach in seinem Urteil von Lehrgeld. Das fand ich ziemlich daneben.“ Die Band steckte nicht auf. Sie produzierte das Album auf eigene Rechnung. „Darauf bin ich heute noch stolz. Wir haben uns nicht kleinkriegen lassen“, sagt Übach und der Stolz überträgt sich in gleicher Intensität wie die Trauer vorher.

Und der Erfolg? „Wir waren mit einem unserer Stücke in den Airplay Charts in Nashville auf Platz 9.“ Airplaycharts - da geht es nicht um verkaufte Alben - da geht es darum, wie oft und wie lange ein Song ‚on air‘, also auf Sendung ist. „Als Band aus Europa da zu landen, ist schon großartig“, sagt Übach, der mittlerweile in einer anderen Band spielt: „Mit ‚Cross-Tie-Walker‘ covern wir CCR-Songs.“ CCR - das steht für Creedence Clearwater Revival. Desert Moon spielte in den zehn Jahren des Bestehens sowohl Covers als auch eigene Songs. „Wir hatten zwei Songschreiberteams“, sagt Übach. Eines der beiden Teams bestand aus ihm und seiner Frau. „Das andere Team war Stephan Kölsch.“ Insgesamt drei Alben hat die Band aufgenommen. 2003 spielte das Quintett sein Abschiedskonzert in Freudenberg.

Übachs Buch ist unter anderem in der Buchhandlung Hintzen in Kleve zum Preis von 14,95 Euro zu haben. Längst arbeitet Übach an einem nächsten Buch. „Das wird allerdings nicht von Musik handeln“, sagt er. „Ich melde mich, wenn es erscheint.“ Abgemacht.

Gerd Übach und sein Buch über die Geschichte seiner Band „Desert Moon“. NN-Foto: HF

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