Hecken und Biodiversität
Interreg Projekt „Grenzenlose Landschaft“ fördert Vernetzung für den Erhalt der Artenvielfalt
KREIS KLEVE. Wenn man Karten von vor 100 Jahren mit heutigen Luftbild-Aufnahmen vergleicht, fällt auf, dass sich unsere Landschaft stark verändert hat. Siedlungs- und Industriebereiche haben deutlich an Fläche gewonnen, Acker- und Grünlandflächen sind zu großen Schlägen zusammengewachsen, kleinräumige Sonderstandorte und Gehölze sind vielerorts verschwunden. Gleichzeitig durchziehen immer mehr Straßen die Landschaft. Unsere zersiedelte Landschaft wird einheitlicher.
Durch die Flächenumnutzung und den Verlust von geeigneten Lebensräumen verschwindet auch ein Teil der dort vorkommenden Arten. Kleine Gruppen einer Art werden durch unüberwindbare Straßen und Siedlungen räumlich voneinander isoliert. Dies führt zu einem Verlust des genetischen Austauschs und somit der genetischen Vielfalt. Infolgedessen verschlechtert sich die Anpassungsfähigkeit dieser lokalen Gruppen. Sie sterben aus. Wenn man also vom Artensterben in den Medien liest, ist genaugenommen meist der Verlust der Vielfalt auf diesen drei Ebenen gemeint: Lebensraum, Arten und Anpassungsfähigkeit.
Um in unserer niederrheinischen Kulturlandschaft Vielfalt zu schützen, braucht es einerseits den Erhalt und die Neuschaffung verschiedenster Lebensräume. Andererseits ist aber auch die Vernetzung dieser Lebensräume miteinander unabdingbar. Kleinflächige Strukturen wie Blühflächen oder Kleingehölze können als sogenannte „Trittsteinelemente“ fungieren. Wie viele einzelne Steine in einem großen Teich, über die man das andere Ufer erreichen kann, stellen zum Beispiel eingestreute Kleingehölze Möglichkeiten für „Verschnaufpausen“ zwischen zwei größeren Waldgebieten dar.
Lineare Strukturelemente wie (Blüh-)Säume und Hecken können zwei räumlich voneinander getrennte Lebensräume miteinander verknüpfen und dabei die Funktion von Wanderkorridoren übernehmen. Für kleinere Tiere wie Igel oder Eidechsen, die schwerlich große Distanzen überwinden, ist dies essenziell. Eine große Ackerfläche stellt bereits ein unüberwindbares Hindernis dar, da beim ungeschützten Überqueren Gefahr durch Beutegreifer oder bei fehlendem Schatten auf exponierten Flächen Austrocknungsgefahr besteht.
Manche Arten, wie die Erdkröte oder der Grasfrosch, überwintern in der Erde und unter Holz in feuchteren Lebensräumen. Im Frühjahr wandern sie zu ihren Fortpflanzungsgewässern, um dort Eier abzulegen. Dabei bieten verbindende Heckenreihen Schutz und ein ideales Mikroklima.
Auch die Wiederbesiedelung von Lebensräumen wird durch vernetzende Strukturen ermöglicht. Stirbt eine lokale Population aufgrund eines Umweltereignisses oder einer Krankheit aus, kann der Lebensraum über die vernetzenden Strukturen durch andere Populationen wiederbesiedelt werden. So bleibt die Art langfristig erhalten.
Ein Mosaik aus unterschiedlich genutzten Flächen, die gut durch Hecken oder andere lineare Strukturen verbunden sind und an wertvolle Lebensräume anschließen, wird auch Biotopverbund genannt. Für den Erhalt der Biodiversität am Niederrhein ist der Ausbau eines solchen Biotopverbunds unabdingbar.
Das Interreg Projekt „Grenzenlose Landschaft“ fördert die Anlage solcher vernetzenden Hecken. Weitere Infos zu Heckenpflanzungen unter www.nz-kleve.de/grenzenlose-landschaft oder beim NZ-Kleve unter Telefon 02851/ 96330 oder info@nz-kleve.de.