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Kindheitspädagogin Janine Pietzonka, Einrichtungsleiterin Andrea Hermanns und AWO-Geschäftsführerin Marion Kurth (v.l.) stellten die Zahlen für 2025 vor. NN-Foto: SP
1. April 2026 · Sabrina Peters · Niederrhein

Häusliche Gewalt: 23 Frauen suchten 2025 Schutz im AWO-Frauenhaus in Kleve

Das AWO-Frauenhaus Kleve bietet Frauen und Kindern seit über 40 Jahren Schutz vor häuslicher Gewalt und neue Zukunftsperspektiven

KREIS KLEVE. Häusliche Gewalt ist für viele Frauen Alltag. Im Kreis Kleve können Frauen deshalb seit 1982 im AWO-Frauenhaus in Kleve Schutz vor ihren gewalttätigen (Ehe-)Partnern suchen. Der Standort des Frauenhauses wird deshalb auch geheim gehalten, damit die Männer ihre Partnerinnen im AWO-Frauenhaus nicht aufsuchen können. Im vergangenen Jahr suchten insgesamt 23 Frauen und 18 Kinder Schutz im AWO-Frauenhaus in Kleve. „Diese Tendenz ist im Vergleich zu den Vorjahren ungefähr gleichbleibend“, sagt Andrea Hermanns, Einrichtungsleiterin des AWO-Frauenhauses. Sie alle haben häusliche Gewalt – körperliche und/oder auch psychische Gewalt – durch ihren Partner erlebt. „Das ist Voraussetzung, um bei uns aufgenommen zu werden“, sagt Hermanns.

Nicht selten sei die Flucht aus dem gewalttätigen Zuhause von den Frauen gut überlegt und geplant gewesen. „Viele Frauen kommen zu uns und haben ihre Ausweise, Reisepässe und Gesundheitskarten sowie Bekleidung für ein paar Tage dabei“, sagt Hermanns. Manchmal kämen aber auch Frauen spontan ins Frauenhaus. Insgesamt hätten im Berichtszeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2025 30 Frauen und 26 Kinder im Frauenhaus, das über neun Zimmer verfügt und somit Platz für neun Frauen und zwölf Kinder gleichzeitig bietet, gelebt. „Das hängt damit zusammen, dass einige auch den Jahreswechsel 2024/25 im Frauenhaus verbracht haben“, erklärt Hermanns.

Die Altersstruktur der aufgenommenen Frauen zeigt, dass vor allem jüngere Frauen Schutz suchen: Im vergangenen Jahr waren fünf Frauen zwischen 19 und 25 Jahren, 15 Frauen zwischen 26 und 40 Jahren, zwei Frauen zwischen 41 und 50 Jahren und eine Frau über 60 Jahre alt. „In der Altersspanne zwischen 26 und 40 Jahren ziehen viele zusammen und gründen eine Familie“, sagt Hermanns. Das erkläre, warum auch 2025 vor allem Frauen zwischen 26 und 40 Jahren ins Frauenhaus flüchteten. Aufnahmegrund waren in fünf Fällen Misshandlungen durch den Ehemann, in 14 Fällen durch den Partner sowie in vier Fällen durch sonstige Personen. Hinsichtlich der Staatsangehörigkeit waren elf Frauen deutscher Herkunft, während zwölf Frauen eine andere Staatsangehörigkeit besaßen. Bei den Kindern waren neun im Alter von bis zu fünf Jahren und neun weitere zwischen sechs und 14 Jahren alt.

Vor der Aufnahme in das Frauenhaus waren zwölf Frauen im Kreis Kleve gemeldet, davon jeweils eine in Emmerich und Straelen, jeweils zwei in Bedburg-Hau und Goch sowie sechs in Kleve. Zehn Frauen kamen aus anderen Orten in Nordrhein-Westfalen, eine weitere aus dem übrigen Bundesgebiet. Das hänge auch damit zusammen, dass andere Frauenhäuser Frauen an das Klever Frauenhaus vermitteln würden, weil zum Beispiel diese Frauenhäuser gerade keinen freien Platz hätten oder der gewalttätige Partner den Standort des Frauenhauses kenne, weshalb die Frau dort nicht mehr sicher sei und in ein anderes Frauenhaus ausweichen müsse. Aus diesen Gründen würden auch Frauen aus dem Kreis Kleve an andere Frauenhäuser weitervermittelt werden.

Die Aufenthaltsdauer der Frauen, die im Berichtszeitraum das Frauenhaus verlassen haben, variierte: Zwei Frauen blieben bis zu sieben Tage, sieben bis zu einem Monat, drei bis zu drei Monate, sechs bis zu sechs Monate, drei bis zu einem Jahr und drei länger als ein Jahr. Längere Aufenthalte ergaben sich insbesondere aufgrund eines hohen Unterstützungsbedarfs, bestehender Sprachbarrieren oder fehlenden Wohnraums.

Nach dem Aufenthalt kehrten acht Frauen in ihre alte Wohnung – und damit zu ihrem gewalttätigen Partner – zurück, elf bezogen eine neue eigene Wohnung, zwei wechselten in eine andere soziale Einrichtung und eine Frau zog in ein anderes Frauenhaus. In zwei Fällen ist der weitere Verbleib unbekannt. „Insgesamt war 2025 damit aber ein gutes Jahr“, sagt Hermanns. Denn die elf Frauen, die in eine eigene Wohnung gezogen seien, hätten es damit geschafft, sich ein eigenes Leben ohne ihren gewalttätigen Partner aufzubauen. Das sei aber nicht selbstverständlich. „Viele Frauen zieht es doch zurück in die alte Wohnung und damit zum Partner, weil sie hoffen, dass er sich ändert und zum Beispiel an die schöne Anfangszeit der Beziehung zurückdenken“, sagt Hermanns. Das sei aber nur in den wenigsten Fällen der Fall. In den meisten Fällen bleibe Gewalt ein großes Thema in der Beziehung. Manche Frauen würden daher auch ein zweites oder weiteres Mal Schutz im AWO-Frauenhaus suchen.

Das Team des Frauenhauses, das den Frauen beratend und unterstützend – zum Beispiel auch bei der Wohnungssuche zur Seite steht – bestand im Berichtszeitraum aus einer staatlich anerkannten Sozialpädagogin, einer Mitarbeiterin mit Bachelor of Arts, zwei Erzieherinnen mit jeweils 19,5 Wochenstunden, einer Kindheitspädagogin mit ebenfalls 19,5 Wochenstunden, einer Verwaltungskraft mit 15 Wochenstunden, einer Hauswirtschafterin mit 24 Wochenstunden sowie einer Praktikantin. Zusätzlich unterstützten sieben ehrenamtliche Kolleginnen die Arbeit der Einrichtung, indem sie Rufbereitschaften am rund um die Uhr erreichbaren Telefon wahrnehmen und den Frauen dabei helfen, im Frauenhaus Schutz zu finden. Wer das Team auch ehrenamtlich unterstützen möchte, kann sich an die AWO im Kreis Kleve melden.

Im vergangenen Jahr habe das AWO-Frauenhaus Kosten von knapp 500.000 Euro verursacht, wie Marion Kurth, Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbandes Kleve, verrät. „Die höchsten Kosten sind die Personalkosten“, ergänzt Kurth. Davon seien etwa 51 Prozent durch den Kreis und die Kommunen getragen worden, 40 Prozent durch Zuschüsse des Landes Nordrhein-Westfalen und ca. fünf Prozent durch Spenden. Die Finanzierung sei immer ein spannendes Thema.

Mit Spannung und großer Hoffnung blickt die AWO auf das Gewalthilfeschutzgesetz, das am 31. Januar 2025 vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde. Es zielt darauf ab, dass der Schutz und die Unterstützung für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder in Deutschland verbessert werden. Es fordert insbesondere einen verlässlichen und möglichst bundesweit einheitlichen Zugang zu Frauenhäusern und Beratungsstellen, den Ausbau ausreichender Schutzplätze sowie eine gesicherte Finanzierung der Hilfsangebote. Zudem soll gewährleistet werden, dass Hilfe unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Aufenthaltsstatus zugänglich ist und die Zusammenarbeit zwischen Behörden verbessert wird. Allerdings müsse sich nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich etwas ändern. „Wir leben immer noch in einem System, das strukturelle Macht auf Frauen ausübt“, betont Kurth. Solange es keine wirkliche Gleichberechtigung auch in Form von gleichen Verdienstmöglichkeiten gebe, werde sich nichts Grundlegendes ändern. Denn in vielen partnerschaftlichen Beziehungen sei die Frau durch eine schlechtere finanzielle Situation immer noch der unterlegenere Part, was immer noch in einigen Fällen ausgenutzt werde.

Kindheitspädagogin Janine Pietzonka, Einrichtungsleiterin Andrea Hermanns und AWO-Geschäftsführerin Marion Kurth (v.l.) stellten die Zahlen für 2025 vor. NN-Foto: SP

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