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Pastor Paul Hagemann heißt Menschen im Beichtzimmer willkommen. Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer
22. März 2026 Von NN-Online · Kevelaer

„Gott ist kein Buchhalter, der alles aufzeichnet“

Sündenbekenntnis ist in der Wallfahrtsstadt Kevelaer jeden Tag möglich

KEVELAER. Wenn sich die dunkle Holztüre öffnet, weiß Pastor Paul Hagemann nicht, wer ihm in den kommenden Minuten seine innersten Gedanken, vielleicht sogar seine schlimmsten Geheimnisse anvertrauen wird. Der Priester wird in seinem kleinen Sessel sitzen, entweder durch eine Wand getrennt vom Erzählenden oder ihm direkt gegenüber an dem kleinen Tisch. Hagemann ist einer von mehr als 30 Beicht-Priestern, die in Kevelaer ihren Dienst versehen.

„Die Gelegenheit zur Beichte gibt es jeden Tag mehrere Stunden lang, und der Bedarf ist da. Man sitzt hier als Priester nie umsonst, es kommen immer Menschen“, weiß er. Und diese haben ganz verschiedene Hintergründe. Einige beichten regelmäßig und sind mit dem Gefühl vertraut, vor einem Fremden Fehler und Schwächen auszubreiten, andere waren viele Jahre nicht mehr zur Beichte. „Wenn ich merke, dass jemand nicht weiß, was er überhaupt sagen soll, dann frage ich nach, ob es etwas gibt, was dem Menschen leidtut und was sie dazu bewogen hat, in den Beichtstuhl oder das Beichtzimmer zu kommen. So entwickelt sich dann oft ein Gespräch“, erklärt Hagemann.

Dabei gehe es gar nicht darum, jede Sünde, jeden Fehler minutiös darzulegen und einzeln zu benennen. „Gott ist kein Buchhalter, der alles aufzeichnet“, sagt er mit ruhiger Stimme, „wichtiger als die Aufzählung von Fehlern ist die Bereitschaft zur Buße und zur Umkehr. Wobei ich die Menschen davor warne, sich zu viel auf einmal vorzunehmen. Wer jahrelang gelebte Eigenschaften ändern möchte, kann das meist nicht von einem Tag auf den anderen.“

Hauptsächlich gehe es um drei Themenfelder: Verfehlungen in der Beziehung zu Gott, in der Beziehung zum Nächsten und schließlich in der Beziehung zu sich selbst.

Zur Buße empfehle er manchmal ein Gebet oder die Auseinandersetzung mit einer Bibelstelle. Wenn möglich, sollten negative Folgen der eigenen Verfehlung begrenzt werden. „Es gibt aber Schäden, die man angerichtet hat, die nicht mehr gut zu machen sind“, weiß der Pastor, „daran ändert auch die Beichte nichts. Jedoch können wir gemeinsam überlegen, dem Bösen, das entstanden ist, etwas Gutes entgegenzusetzen.“

Die Beichte, räumt er mit einem weit verbreiteten Irrtum auf, sei kein Freifahrtschein für weitere Sünden, die dann durch eine weitere Beichte einfach ungeschehen gemacht werden. „Grundvoraussetzung ist, dass man die Fehler ehrlich bereut und tatsächlich bereit ist, an sich zu arbeiten.“

Und es gibt Grenzen, an die Hagemann und seine Mitbrüder stoßen. Wenn ihr Gegenüber offenbar an einer psychischen Erkrankung oder einer Drogensucht leidet, empfehlen sie im Gespräch eine Therapie durch entsprechende Fachärzte. „Ein Süchtiger kann seine Sucht und ihre Folgen ehrlich bereuen und sich vornehmen, daran zu arbeiten. In vielen Fällen ist es aber dennoch sinnvoll, diese Absicht mit ärztlicher Begleitung anzugehen“, erklärt er.

Am Ende eines Beichtgesprächs aber steht die Zusage, dass Gott dem Menschen verzeiht und ihn liebt. Hagemann: „Es ist gut zu erleben, wie eine Last, die vielleicht schon viele Jahre auf der Seele lag, in diesem Moment abgebaut wird. Das Schönste ist, wenn jemand mit einem Lächeln aus der Beichte geht.“


Über die Beichte

In der Kevelaerer Beichtkapelle gibt es gibt es jeden Vormittag (außer sonntags) Beichtgelegenheit von 10.30 bis 12 Uhr und täglich jeden Nachmittag von 14.30 bis 17 Uhr. Sowohl das Gespräch im Beichtzimmer als auch die sogenannte Ohrenbeichte, bei der eine Wand zwischen Priester und Beichtendem ist, ist möglich. Auf der Internetseite der Pfarrei St. Marien (unter www.wallfahrt-kevelaer.de) ist der Plan veröffentlicht, welcher Priester wann die Beichte abnimmt. Diese ist auch in den Sprachen Englisch, Italienisch, Niederländisch, Französisch, Portugiesisch und Malajalam möglich.

Pastor Paul Hagemann heißt Menschen im Beichtzimmer willkommen. Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer

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