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Gruppe von Gastronomen und Veranstaltern lächelt auf dem Spargelmarkt, darunter Lukas Ophey und Irmgard Kruse.
31. Mai 2026 · Corinna Denzer-Schmidt · Goch

Genuss und Gemeinschaft: Kessel feiert das weiße Gold vom Niederrhein

Der Verkehrs- und Heimatverein Kessel bittet am 6. Juni zum Spargelmarkt in den Pfarrgarten der St. Stephanus Kirche

KESSEL. Wenn etwas zum dritten Mal stattfindet, kann man schon von einer Tradition sprechen. Wobei hier eher der Ort gemeint ist: Der lauschige Pfarrgarten der St. Stephanus Kirche. Denn in diesem schönen Ambiente findet der Kesseler Spargelmarkt am Samstag, 6. Juni, ab 18 Uhr, eben zum dritten Mal statt. Ursprünglich als Ausweichquartier gedacht, nachdem ein Sturm die Pavillons rund um die Kirche weggeweht hatte, erwies sich der Umzug als ein Glücksgriff. Denn der kam bei den Gästen so gut an, dass sich der ausrichtende Verkehrs- und Heimatverein Kessel (VHV) entschloss, den Pfarrgarten weiterhin für den Spargelmarkt zu nutzen. „Die Gäste finden es dort noch geselliger“, hat Bernd Thönnesen, 1. Vorsitzender des VHV, beobachtet. Um die 1.000 Besucher seien es bei schönem Wetter schon gewesen. Und sollte das Wetter doch nicht mitspielen, kann man ganz bequem ins benachbarte Pfarrheim ausweichen.
"Gemütliche Atmosphäre im Pfarrgarten mit Gästen, NN-Foto: Archiv/Gerhard Seybert"

Die Gäste schätzen die Atmosphäre im Pfarrgarten. NN-Foto: Archiv/Gerhard Seybert

Der etwas spätere Termin in diesem Jahr ist dem Umstand geschuldet, dass man bei der Planung so gut wie möglich den Feiertagen - mit den „Brückentagen“ - und auch anderen Veranstaltungen im „Lieblingsdorf Kessel“ aus dem Weg gehen wollte, wie VHV-Geschäftsführerin Irmgard Kruse erklärt. Aber bis zum 24. Juni - „Kirschen rot, Spargel tot“ - bleibt ja noch genug Zeit, um das „weiße Gold vom Niederrhein“ gebührend zu genießen. Dazu laden wieder die Stände im Pfarrgarten ein. Ist der Spargelmarkt doch ein Treffpunkt für Genießer und alle Interessierten, und das im überschaubaren Rahmen mit regionalen Partnern. Ebensowenig darf die Spargelmesse fehlen, die am Samstagabend um 17 Uhr in der St. Stephanus Kirche die Veranstaltung einläutet.
"Gesellige Menschen versammeln sich im Freien, freundliche Atmosphäre, Gemeinschaft, Freizeit, soziales Treffen"

Geselligekeit wird groß geschrieben! NN-Foto: Archiv/Gerhard Seybert

In diesem Jahr sind erneut vier Gastronomen dabei. Bei Lothar Quartier gibt es wieder die beliebten Wraps mit Kochschinken, Hähnchenbrust oder im Veggie-Style, natürlich immer begleitet vom Spargel. Abgerundet wird der Genuss mit einem Dessert-Klassiker: Erdbeeren mit Vanillesauce. Jens Barten vom Restaurant „Zum Schwan“ serviert weißen und grünen Spargel aus der Pfanne, Spargelcremesuppe und eventuell eine dritte Variante mit Tafelspitz, der immer gut ankomme, wie der Gastronom weiß. Genau wie Lothar Quartier ist auch er seit zehn Jahren beim Spargelmarkt in Kessel dabei. Das Spargelhaus Ophey serviert kulinarische Variationen mit Spargel aus eigenem Anbau. Mit einer Spargelpizza lockt die Pizzeria Capri die Genießer. Wie immer gilt: Die Portionen sind so gehalten, dass man mehrere Gerichte probieren kann. Für passende Getränke ist natürtlich gesorgt. Der VHV schenkt verschiedene Weine von Mosel-Winzern aus, die Kesseler Jugend kümmert sich um den Getränkestand. „Gegessen wird meist bis circa 22 Uhr“, so Bernd Thönnesen. Dann klinge der Abend gemütlich aus. Mit eigener Musik und Beleuchtung - unter anderem wird der Brunnen auf dem Kaiser Otto Platz illuminiert - wird das passende Ambiente dazu geschaffen. Für Unterhaltung während des Spargelmarktes sorgen außerdem die Kapelle des Schützenvereines Kessel-Nergena und der Chor „Vens Plezier“ aus der niederländischen Nachbargemeinde Ven-Zelderheide. Außer guter Laune sollten Besucher aber auch wieder Bargeld für den Erwerb von Wertmarken mitbringen, diese werden am Getränkestand benötigt. Der Aufbau für den Spargelmarkt beginnt am Freitag, 5. Juni, ab 16 Uhr (der Abbau beginnt dann am Sonntagmorgen um 10 Uhr). „Hier würden wir uns über weitere Helfer freuen“, so Bernd Thönnesen. Wer sich beteiligen möchte, kann sich gerne beim VHV melden. Im Rahmen der Veranstaltung werden auch die Preise unter den 57 Teilnehmern der 5. Kesseler Osterrallye ausgelost. Aber: Nur, wer bei der Verlsosung vor Ort ist, kann den ausgelosten Preis entgegennehmen, sonst wird weiterverlost, so der VHV.

Historie

Der Spargelmarkt an sich blickt auf eine längere Geschichte zurück. Seit der Premiere 2001 hat er sich zum festen Bestandteil des Dorflebens entwickelt. Die Geschichte des Spargels in Kessel reicht dabei noch deutlich weiter zurück. Bereits 1928 begann Johann Kuypers aus der Dorfstraße mit dem Spargelanbau in Kessel. Seine erste Anbaufläche umfasste einen Morgen – ein historisches Flächenmaß, das etwa einem Viertel Hektar entsprach. Der sandige Boden bot günstige Voraussetzungen für das anspruchsvolle Gemüse. 1952 wurde Kessel offiziell als „Spargeldorf“ bekannt und trat damit in direkte Konkurrenz zu anderen Spargelregionen am Niederrhein, etwa Walbeck. Und so sind es 2026 schon stolze 74 Jahre als offizielles Spargeldorf.

1954 fanden die ersten öffentlichen Spargelessen statt, zunächst bei Fritz Spronk, später auch bei anderen Gastwirten wie Willemsen-Kuypers. Damals boten bereits sechs Gasthäuser in Kessel frischen Spargel an. „Da waren es dann 7.000 Gäste in der Spargelzeit“, erzählt Bernd Thönnesen. Die Anbaufläche wuchs im Laufe der Jahre auf 25 Morgen; 1988 waren es dann 40 Morgen, die von 21 Spargelbauern bewirtschaftet wurden und 20.0000 Gäste in der Spargelsaison. Heutzutage seien es noch zehn Morgen, die vom Spargelhof Ophey selbst bewirtschaftet werden, wirft Thönnesen einen Blick zurück in die Chronik des Spargeldorfes. Spargel aus Kessel werde im ganzen Kreisgebiet verkauft. Zur Förderung der örtlichen Kultur und als Impulsgeber für den Spargeltourismus wurde 1957 der Verkehrs- und Heimatverein Kessel gegründet. Neben der Pflege des regionalen Brauchtums kümmert sich der Verein bis heute um Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Ziel war und ist es, das Profil des Spargeldorfs überregional zu stärken. Das 100-jährige Jubiläum des Spargelanbaus wird 2028 gefeiert. „Der Spargelmarkt ist ein Dorfprojekt“, betont Bernd Thönnesen den Zusammenhalt in Kessel. Den stärkt der VHV auch mit anderen Aktivitäten. So wurden aus dem Programm der Stadt Goch „Miteinander besser leben“ zwei Projekte gefördert: Eine Boule-Bahn neben der Kirche, im Schatten alter Bäume, und eine Fahrrad-Service-Station am Kaiser-Otto-Platz. „Die Station wird bis zum Spargelmarkt auch fertig sein“, freut sich Bernd Thönnesen.

Freuen sich auf den Spargelmarkt (v.l.): Lukas Ophey (Spargelhaus Ophey), Irmgard Kruse (VHV-Geschäftsführerin), Marita und Harun Veckollari (Pizzeria Capri), Gastronom Lothar Quartier, Bernd Thönnesen (VHV-Vorstand) und Gastronom Jens Barten („Zum Schwan“). NN-Foto: CDS

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