Generationenwechsel bei den Alpener Grünen
Peter Nienhaus gibt sein Amt als Ortsverbandssprecher an Maximilian Böttcher und Jürgen Venne weiter / Uneinigkeit mit der CDU beim Willy-Brandt-Platz
ALPEN. Peter Nienhaus ist Ur-Grüner: Seit 44 Jahren ist der heute 68-Jährige Parteimitglied, über 20 Jahre war er zudem Ortsverbandsprecher der Alpener Grünen und bis heute ist er auch Fraktionssprecher der Grünen im Alpener Gemeinderat. „Die Partei- und Ratsarbeit machen mir einfach Spaß“, sagt Nienhaus. Trotzdem habe er gemerkt – auch aufgrund gesundheitlicher Gründe –, dass er zumindest etwas kürzertreten müsse. Bereits vor zwei Jahren stellte Nienhaus deshalb Maximilian Böttcher als seinen Co-Parteisprecher vor. Der mittlerweile 20-jährige duale Student hat seither in die Vorstandsarbeit hineingeschnuppert und immer mehr Verantwortung übernommen. Gemeinsam mit Jürgen Venne (50) bildet Böttcher von nun an das Ortsverbandssprecher-Duo der Alpener Grünen.
„Es ist ein Generationenwechsel, der langsam vollzogen wird. Jetzt kommt es auf die junge Generation an“, betont Nienhaus, wenngleich er sich nicht vollends aus der Kommunalpolitik zurückziehen möchte. „Im Rat mache ich weiter und bleibe auch Fraktionssprecher“, sagt Nienhaus. Bei der Kommunalwahl im Herbst nächsten Jahres möchte er nochmals kandidieren. „Ob ich dann auch weiterhin Fraktionssprecher sein werde, wird man sehen. Das wird bei uns demokratisch gewählt“, sagt Nienhaus.
Demokratisch gewählt wurden auch Maximilian Böttcher und Jürgen Venne. Bereits am 12. September gaben die Mitglieder des Alpener Grünen-Ortsverbandes für den Vorschlag grünes Licht. „Bei uns gilt natürlich auch der paritätische Grundsatz, dass jedes Amt mit einem Mann und einer Frau gleichermaßen besetzt sein soll. Allerdings hat sich bei uns keine Frau gefunden, die explizit den Ortsverbandssprecher-Posten annehmen wollte“, erklärt Venne. Deshalb hätten sich die Frauen damit einverstanden gezeigt, dass diese Aufgabe zwei Männer übernehmen.
In den vergangenen beiden Jahren konnte Böttcher bereits viel von Nienhaus lernen. „Da ich schon länger dabei bin und etwas mehr Erfahrung gesammelt habe, übernehme ich auch mehr Aufgaben des Ortsverbandssprechers und Jürgen arbeitet mir in vielen Punkten zu. Wir sind aber dennoch gleichwertig in unserer Position“, sagt Böttcher. Venne ist erst seit zwei Jahren Mitglied der Alpener Grünen, was aber nicht eines mangelnden Interesses geschuldet ist. „Politikinteressiert war ich eigentlich schon immer. Aber ich habe meine Eltern gepflegt und auch viel gearbeitet, weshalb mir die Zeit fehlte“, begründet Venne. Kurz nach dem Tod seines Vaters und dem Einzug seiner Mutter in ein Altenheim habe er sich schließlich bei den Grünen in seiner Alpener Heimat angemeldet.
Mit ihren Themen könne er sich am meisten identifizieren. „Es ist vor allem die soziale Komponente, die mir gut gefällt. In der Gesellschaft wird der Ton ja immer nur rauer und härter. Man hat zunehmend das Gefühl, es gönnt einer dem anderen die Butter auf dem Brot nicht“, meint Venne. Natürlich läge ihm aber auch die Umwelt sowie der Arten- und Klimaschutz am unteren Niederrhein am Herzen. „Die anderen Partien sprechen zwar auch darüber, setzen aber nicht das um, so wie es eigentlich angegangen werden müsste“, meint Venne.
Lokalpolitik könne zwar nicht an allem allein etwas tun, aber zum Beispiel Brücken zur Kreis-, Landes- und Bundespolitik bauen. „Uns als Alpener Grüne ist es wichtig, mit den Landtags- und Bundestagsabgeordneten im Kontakt zu sein und auch Anliegen von Alpener Bürgern an sie weiterzutragen“, betont Venne. Dazu seien auch die regelmäßigen Info-Stände – etwa vor den Ratssitzungen und bei Veranstaltungen – oder anderen Kampagnen der Grünen wichtig. „Wir wollen wirklich nah am Bürger sein. Die Hemmschwelle etwa zu öffentlichen Ratssitzungen zu gehen ist groß. Uns an einem Info-Stand anzusprechen, fällt den meisten deutlich leichter“, weiß Böttcher.
Ebenso habe der Grünen-Ortsverband den direkten Kontakt zu den Vereinen gesucht. „Wir haben sie gefragt: Wie geht’s Euch denn? Was braucht Ihr? Wir sind mit 22 Mitgliedern nur ein kleiner Ortsverband und können nicht in allen Vereinen aktiv dabei sein, trotzdem wollen wir uns aber für alle stark machen“, erklärt Böttcher. Deshalb hätten sich die grünen Lokalpolitiker auch mit Landwirten getroffen und mit ihnen einen einmal jährlich stattfinden direkten Austausch vereinbart. Beim Verein Igelfreunde Alpen NRW sei dadurch etwa zur Sprache gekommen, das Mähroboter beim Betrieb in der Dämmerung am Abend oder nachts im Dunkeln das Leben von auf Rasenflächen lebenden Igeln gefährden würden.
Bürgermeister-Kandidat
Wenn im nächsten Jahr die Kommunen in Nordrhein-Westfalen ihre Landräte, Bürgermeister, Kreistage sowie Gemeinde- und Stadträte neu wählen, hoffen die Grünen, dass die absolute Mehrheit der CDU in Alpen ein Ende hat. „Sie ist zum Teil schon völlig frustrierend, da man als Opposition zwar Dinge anstoßen, aber meist nicht kontinuierlich umsetzen kann“, sagt Nienhaus. Zwar sei die CDU auch umwelt- und klimabewusster geworden, „aber alles setzt sie noch nicht um, auch wenn es besser als nichts ist“, findet Nienhaus.
Ludger Staymann, bereits gewählter Bürgermeisterkandidat der CDU in Alpen, stünden die Grünen allerdings offen gegenüber. „Er ist politisch noch ein unbeschriebenes Blatt, aber ich kann ihn gut leiden“, sagt Nienhaus. Die Grünen in Alpen wollen sich bis Ende des Jahres entscheiden, ob sie noch einen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken oder einen anderen, unabhängigen Kandidaten unterstützen wollen.
Kommunal anzugehende Probleme seien auf jeden Fall die Stärkung des ÖPNV – auch im Zusammenspiel mit dem Bürgerbus –, das Radwegekonzept und sozialer Wohnungsbau. „Wir brauchen bezahlbare Wohnungen“, fordert Venne. In diesem Zusammenhang könne er ebenso wie seine Parteikollegen nicht verstehen, warum die CDU im Rat der Gemeinde Alpen auf dem Willy-Brandt-Platz den Bau eines Vollsortiment-Supermarktes ohne Wohnungen in den oberen Geschossen vermutlich sogar noch vor den nächsten Kommunalwahlen durchdrücken will.
Willy-Brandt-Platz
„Wir brauchen Wohnungen und der Willy-Brandt-Platz wäre dafür eine 1A-Lage. Wir können lieber fünf Jahre auf seinen Vollsortiment-Supermarkt im Alpener Ortskern verzichten – immerhin gibt es dort noch Aldi und Netto sowie Edeka in Menzelen –, als dass wir diesen Wohnraum verschenken“, findet Böttcher. Sabrina PetersJürgen Venne und Maximilian Böttcher übernehmen, während sich Peter Nienhaus (v.l.) ein wenig zurückzieht. Foto: Grüne Alpen
Redakteurin in Xanten, Kalkar, Rheinberg und Alpen sowie Büderich und Ginderich