Gemeinde Alpen errichtet eine weitere Bronzestatue
Bürger sind zu Spenden aufgerufen / Ehrenämter sollen gewürdigt werden
ALPEN. Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, leisten einen wertvollen Beitrag für die Gemeinschaft. Viel zu selten werden sie dafür angemessen gewürdigt. Die Gemeinde Alpen möchte jetzt ein Zeichen für die Bedeutung des Ehrenamtes setzen und hat sich für dieses Jahr vorgenommen, eine weitere Bronzestatue in der Ortsmitte aufzustellen. Initiator Karl Hofmann wendet sich in diesem Zug nun auch an die Alpener Bürger: Es sollen Spenden für die weitere Umsetzung des Projekts gesammelt werden: Ein Vorhaben von und für die Einwohner der Gemeinde.
Dabei ist es gar nicht so einfach, sich für eine passende Persönlichkeit zu entscheiden. In diesem Fall fiel die Wahl auf den 1865 geborenen Heinrich Graeven. Bekannt war er in Alpen nicht nur als engagiertes Mitglied im örtlichen Junggesellen-Schützenverein 1680, sondern auch als ehrenamtlicher Ausrufer, wie Karl Hofmann erläutert: „Heinrich Graeven lebte in der damaligen Mauerstraße 8 (heutige alte Kirchstraße) in Alpen. Als Ausrufer verlas er in den Straßen des Viertels regelmäßig aktuelle Bekanntmachungen und Nachrichten. Zeitungen oder andere Mittel zum Erhalt von Neuigkeiten waren noch nicht in allen Gesellschaftsschichten gängig. Bei den Menschen war er sehr beliebt und fiel besonders durch seine Art auf. So war Graeven bekannt für seine Floskel „Rätta Plü“, was auf korrektem Französisch ‚Rien ne va plus‘ heißt und auf Deutsch ‚Nichts geht mehr‘ bedeutet. Es war wohl seine mundartliche, verballhornende Zusammenfassung auf Verbote der belgischen Besatzungsmacht. Speziell die Kinder waren sehr beeindruckt von ihm, seinem gewaltigen Schnauzbart und der Handglocke, mit der er auf sich aufmerksam machte.“
Mit seiner 70-jährigen Mitgliedschaft im Schützenverein sind ebenfalls einige Taten verbunden, mit denen Graevens Engagement bis heute nachwirkt. So veranstaltete er 1932 das erste Kinderschützenfest in Alpen mit. Fast 30 Jahre zuvor war er selbst zum Schützenkönig gekrönt worden. Fünf Monate vor seinem Tod im Jahr 1949 organisierte er außerdem gemeinsam mit dem ersten Alpener Bürgermeister nach dem Krieg, erstmalig nach 10 Jahren wieder ein Schützenfest. „Heinrich Graeven stellt in seiner Person ein Stück erhaltenswerter Alpener Kulturgeschichte dar. Er war in seiner Zeit einzigartig als Ausrufer, Bürger im Ehrenamt und ein Alpener Original. Bescheiden und aus kleinen Verhältnissen stammend soll er auch eine Würdigung des Ehrenamts darstellen, um damit heutige Bürger zu motivieren, ihm nachzueifern“, betont Hofmann weiter.
Stehen soll die lebensgroße Bronzestatue gegenüber des Rathausvorplatzes auf dem Platz „Neue Mitte Alpen“. 76 Prozent der Kosten für die Umsetzung des Projekts konnten bereits zu einem Großteil durch Fördermittel des Landes NRW zusammengetragen werden. Diese richten sich speziell an Kultur- und Geschichtsprojekte. Für den Rest sollen die Bürger ihren Beitrag leisten. Der Junggesellen-Schützenverein stellt für das Sammeln von Spenden seine Konten zur Verfügung. Dabei sind nicht nur Geldspenden hilfreich. In jeden Teil des Bauprozesses können sich Interessierte mit einbringen. Sei es Ideen für die Gestaltung der Statue, Teilhabe an den Baumaßnahmen selbst, Werkzeug-Spenden und mehr. Zu der Statue soll außerdem noch eine Stele mit Informationen zu Graevens Person sowie Beleuchtung mit aufgestellt werden. Ab sofort können Bürger sich für Spendenanfragen und weitere Informationen bei Karl Hofmann per E-Mail an carlo.hofmann@t-online.de richten. Es soll eine Statue auf Augenhöhe sein, die andere inspiriert und ein Vorbild darstellt. Die Organisatoren wünschen sich, dass im Juli die Auftragsfreigabe erfolgen kann. In der Zwischenzeit kümmert sich neben einem Team zur Spendenannahme, ein weiteres Team um die Gestaltung der Figur; von der Zeichnung bis zum fertigen Modell. Anschließend wird eine Wachsfigur erstellt, die als Vorlage für eine Negativ-Gussform dient. Dann erfolgt der Bronzeguss und damit die Montage. Eine Aufstellung der Statue soll noch in diesem Jahr erfolgen. Im November wäre Graevens 160. Geburtstag.
Das Team „Gestaltung“ überlegt sich genau wie die Bronzestatue von Heinrich Graeven aussehen soll: (V.l) Dieter Kreutzfeld, Bürgermeister Thomas Ahls, Ursula Baumann und Karl Hofmann. Foto: J. Kurschatke