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Für die vielen Waisenkinder bedeutete der Besuch aus Deutschland, das Leid der vergangenen Wochen für einen Augenblick zu vergessen und einfach Spaß zu haben. Fotos (4): privat
10. Mai 2022 · Michael Bühs · Kevelaer

„Für eine kurze Zeit konnten die Kids mal wieder lachen“

Weitere Hilfsaktion aus dem Gelderland – Ziel war ein Waisenhaus in Polen

GELDERLAND. Eigentlich nie um ein offenes Wort verlegen, fällt es Mike Püllen schwer zu beschreiben, was er in der vergangenen Woche erlebt hat. Erneut ist der Straelener mit einigen Mitstreitern und rund 50 Tonnen Hilfsgütern nach Polen gefahren – diesmal nicht zu einem Flüchtlingslager an der Grenze zur Ukraine, sondern zu einem Waisenhaus bei Rawa Mazowiecka, etwa 100 Kilometer südwestlich der polnischen Hauptstadt Warschau. Dort sind mehr als 1.000 Kinder und rund 250 Familien untergebracht, die aus der Ukraine geflüchtet sind. Den Besuch nennt er rückblickend „eines der schlimmsten Dinge, die ich je erlebt habe“.

Es war die vierte Hilfsfahrt, die Püllen selbst mit Freunden und Bekannten unternommen hat. Erst ging es mit einem, dann mit zwei Sprintern zur polnisch-ukrainischen Grenze (die NN berichteten), bei der dritten Tour waren es schon zwölf Fahrer mit sechs Sprintern – mit acht Tonnen Hilfsgüter. Nummer vier aber hat nun alles getoppt: Mit zwei 40-Tonnen-Lkw sowie einem Sprinter fuhr man von Kevelaer zum Waisenhaus.

Dort luden die Helfer vom Niederrhein nicht nur die Hilfsgüter ab, sondern verbrachten auch zwei Tage vor Ort. Diese Zeit wirkt bis heute nach. „Wenn dir ein sechsjähriges Kind erzählt, dass es vor zwei Wochen seine Eltern durch eine Bombe verloren hat, ist das echt heftig“, erzählt Püllen mit leiser Stimme. „In jedem einzelnen Gesicht sieht man das Leid der vergangenen Wochen.“ Was ihn zunächst besonders verwundert hat: Die Kinder hatten keinerlei Berührungsängste, vielmehr umarmten sie die Besucher aus Deutschland immer wieder. „Uns wurde dann erklärt, dass die Kinder einfach Nähe suchen – sie haben ja keine Eltern mehr“, sagt Püllen. Wie sie erfuhren, kam etwa die Hälfte der Kinder aus Waisenhäusern in der Ukraine nach Polen, die andere Hälfte hat seit Kriegsbeginn ihre Eltern verloren.

Mike Püllen ist von der Hilfs- und Spendenbereitschaft der Menschen, aber auch der Unternehmen in der Region begeistert. „Jeder kennt jemanden, der spenden und helfen möchte. Die Menschen haben gesehen, dass wir selbst dorthinfahren. Sie vertrauen darauf, dass ihre Spenden auch ankommen.“ Teilweise kamen mehr als 100 Menschen am Tag in seinen Betrieb in Kevelaer, um Spenden anzugeben.

50 Tonnen Hilfsgüter

Im Gepäck hatten Püllen und seine Mitstreiter bei ihrer jüngsten Aktion unter anderem 30.000 belgische Waffeln, 20 Tonnen Essen in Dosen, mehrere Tonnen Nudeln, 3.600 Eier, fünf Tonnen Gemüse, 3.600 Ein-Liter-Flaschen Wasser, eine Palette Malzbier, zwei Paletten Chips, Süßigkeiten, mehrere Paletten mit Hygieneartikeln, 600 Gläser Senf – insgesamt rund 50 Tonnen Hilfsgüter. Hinzu kamen, speziell für das Waisenhaus, noch Kinderkleidung für die Jahreszeit, wenn es wieder wärmer wird, sowie Spielzeug, darunter 100 Skateboards. Ein Nachbar hatte zudem eine Grindstange gebaut, die dort installiert wurde.

Vom Niederrhein flogen zudem ein erfahrener Skater und eine Pädagogin nach Warschau, die zusammen mit örtlichen Skatern weiter nach Rawa Mazowiecka zum Waisenhaus fuhren und den Kindern ein wenig das Skaten näherbrachten. „Wir haben uns gesagt: Wenn wir schon da sind, wollen wir auch etwas Zeit mit den Kindern verbringen, sie einfach etwas bespaßen“, erzählt Püllen. Und dies sei auch gelungen: „Für eine kurze Zeit haben die Kinder mal wieder lachen können.“ Mit mehr als 240 Kindern fuhren sie Skateboard, mit anderen spielten sie Fußball.

Die Rückfahrt traten die Helfer mit gemischten Gefühlen an. „Auf der einen Seite mit einem lachenden Auge, weil man etwas Gutes getan hatte“, erzählt Püllen. „Auf der anderen Seite aber auch mit einem weinenden Auge, weil man das Gefühl hatte, die Kinder allein zu lassen – obwohl man weiß, dass man nicht allen helfen kann.“

Ein dritter Lkw mit 25 Tonnen Hilfsgütern ist Anfang der Woche in Richtung Odessa gestartet. Er bleibt in der Ukraine für weitere Hilfsfahrten im Einsatz.

Das Engagement ist nicht unbemerkt geblieben. So hat Püllen von verschiedenen Stellen in Polen und der Ukraine bereits Dankesgrüße erhalten. Ihm ist aber wichtig, diese weiterzugeben: „Wir haben so viele auch private Spenden erhalten, gefühlt hat jeder etwas vorbeigebracht. Dafür kann ich mich nur bedanken.“

Die vierte Tour soll für Püllen voraussichtlich die letzte Fahrt gewesen sein, an der er persönlich teilgenommen hat. Nicht wegen der Eindrücke, wie er betont: „Aber ich muss mich auch mal wieder um die eigene Familie und den Betrieb kümmern.“ Doch er versichert: „Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht, aber es geht weiter.“ Er werde sich eher darauf konzentrieren, weitere Hilfsaktionen zu vermitteln und zu organisieren.

Michael Bühs
Für die vielen Waisenkinder bedeutete der Besuch aus Deutschland, das Leid der vergangenen Wochen für einen Augenblick zu vergessen und einfach Spaß zu haben. Fotos (4): privat

Für die vielen Waisenkinder bedeutete der Besuch aus Deutschland, das Leid der vergangenen Wochen für einen Augenblick zu vergessen und einfach Spaß zu haben. Fotos (4): privat

Für die vielen Waisenkinder bedeutete der Besuch aus Deutschland, das Leid der vergangenen Wochen für einen Augenblick zu vergessen und einfach Spaß zu haben. Fotos (4): privat

Für die vielen Waisenkinder bedeutete der Besuch aus Deutschland, das Leid der vergangenen Wochen für einen Augenblick zu vergessen und einfach Spaß zu haben. Fotos (4): privat

Für die vielen Waisenkinder bedeutete der Besuch aus Deutschland, das Leid der vergangenen Wochen für einen Augenblick zu vergessen und einfach Spaß zu haben. Fotos (4): privat

Für die vielen Waisenkinder bedeutete der Besuch aus Deutschland, das Leid der vergangenen Wochen für einen Augenblick zu vergessen und einfach Spaß zu haben. Fotos (4): privat

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