Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.OKWeitere InformationenCookies Auflistung
"Flughafen Niederrhein Weeze Terminal, modernes Gebäude, blauer Himmel, Reisende, Luftverkehr"
22. Mai 2026 Von NN-Online · Niederrhein

Flughafen Weeze vor Arbeitskampf

Arbeitgeber bricht Verhandlungen ab

NIEDERRHEIN. Die Flughafen Niederrhein GmbH hat am 18. Mai die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di abgebrochen. „Der Arbeitgeber will keinen Anwendungstarifvertrag für die Flächentarifverträge der Bodenverkehrsdienste und der Flughafensicherheit verhandeln. Vielmehr verlangt er einen Haustarifvertrag, der dauerhaft weit unter dem Niveau der Flächentarife bleibt“, teilt ver.di mit.

„Der Arbeitgeber kann die Verhandlungen abbrechen. Er kann sich aber nicht dem Tarifniveau der Flächentarife entziehen. Sie sind vom Bundesarbeitsministerium für allgemeinverbindlich erklärt worden. Das ist einfach Gesetzeslage“, stellt ver.di-Verhandlungsführer Dirk Seibel fest. Der eigentliche Skandal sei: „Geschäftsführer Dr. Papst verweigert seinen Beschäftigten die Erfüllung ihrer gesetzlichen Ansprüche. Das ist nicht nur das Gegenteil von Wertschätzung. Es ist schlicht illegal“, so Seibel weiter. Dabei gehe es um Lohnunterschiede von mehreren Euro pro Stunde, die der Arbeitgeber trotz der Allgemeinverbindlichkeit nicht zahlen will.

Die Flughafen Niederrhein GmbH fällt seit diesem Jahr in den Geltungsbereich des allgemeinverbindlichen Flächentarifvertrags für die Bodenverkehrsdienste an Verkehrsflughäfen mit jährlich mehr als zwei Millionen Fluggästen. In Weeze wurden 2025 über 2,2 Millionen Fluggäste transportiert. Daneben gilt an Flughäfen für Sicherheitskräfte auch die Entlohnung nach dem allgemein-verbindlichen Flächentarifvertrag für die Luftsicherheit.

Aktuell liegt die unterste Lohngruppe am Flughafen für die Vorfeld-Busfahrer knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn und wird schon 2027 vom Mindestlohn überholt. Auf Basis dieses Niveaus bietet der Arbeitgeber Steigerungen von 3,5 Prozent 2026 und drei Prozent 2027, sowie eine einmalige Verdoppelung der Jahressonderzahlungen an. Eine Verkürzung der Arbeitszeit von 40 auf die 37,5 Stunden im Flächentarifvertrag lehnt er grundsätzlich ab.

„Ein neuer Abschluss eines Niedriglohn-Haustarifvertrages kommt für uns angesichts des Wachstums am Flughafen Niederrhein nicht in Betracht. Wir haben den alten Haustarif aus guten Gründen gekündigt. Wer in der Bundesliga der Verkehrsflughäfen spielen will, kann nicht weiter Kreisklasse zahlen“, stellt ver.di-Bezirksgeschäftsführer Matthias Baumann fest. Angesichts der Millionengewinne des Flughafens und des millionenschweren Neubaus eines weiteren Terminals gebe es auch keine Rechtfertigung dafür.

Für Empörung unter Beschäftigten sorgt, dass die Geschäftsführung selbst Dienstleister in Weeze beschäftigt, die nach den genannten Flächentarifen zahlen. „Die eigenen Beschäftigten der Flughafen Niederrhein GmbH sind also Beschäftigte zweiter Klasse, denen monatlich hunderte Euro und eine 45 betriebliche Altersvorsorge vorenthalten werden“, erläutert Baumann.

„Wir stehen offenbar kurz vor einem harten Arbeitskampf mit erheblichen Auswirkungen auf den Flugbetrieb in Weeze, wenn Herr Papst seine Haltung nicht überdenkt. Es besteht keine Friedenspflicht mehr. Wir sind dort voll 50 streikfähig und unser Organisationsgrad wächst“, betont Seibel. Er weist darauf hin, dass dem Flughafen zusätzlich eine Flut von Klagen von Beschäftigten droht, die Ansprüche aus den allgemeinverbindlichen Tarifverträgen durchsetzen. „Dann käme auf die Gesellschaft eine Welle von Zahlungsverpflichtungen zu. Dazu könnten Nachforderungen der Sozialversicherungen kommen. Herr Papst spielt ein gefährliches Spiel“, sagt Seibel. Um derartige Probleme zu vermeiden hätte ver.di angeboten, über das Erreichen des Flächentarifniveaus über einer verbindlichen Zeitschiene zu verhandeln, damit das Unternehmen die Steigerungen bewältigen kann. Auch das sei abgelehnt worden, hält Seibel fest. „Wir bleiben selbstverständlich verhandlungsbereit, was den Abschluss einer Anwendungsvereinbarung für die Flächentarifverträge betrifft. Ein Unterlaufen des allgemeinverbindlichen Tarifniveaus werden wir aber nicht ermöglichen“, betont Seibel.

Der Flughafen Niederrhein in Weeze. Foto: MvO

Prospekte
weitere Artikel