Feuerwehreinsatz ohne Grenzen
Besuch der Löschgruppe Frasselt-Schottheide bei der Feuerwehr im niederländischen Zevenaar
KRANENBURG. Es war eine internationale Begegnung der besonderen Art: Denn die Löschgruppe Frasselt-Schottheide reiste jüngst ins niederländische Zevenaar, um dort die beeindruckenden Sicherheitsmaßnahmen entlang der Betuwelinie zu besichtigen. Mit dabei, Kreisbrandmeister Reiner Gilles, der gleichfalls spannende Einblicke in die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich Katastrophenschutz erhielt.
Der Abteilungsleiter für Katastrophenschutz und Krisenmanagement, Robert Polmann, führte die Besucher durch das Sicherheitskonzept der Betuwelinie. Diese zentrale Güterverkehrsachse verbindet den niederländischen Hafen Rotterdam mit dem italienischen Genua und durchzieht auf einer Strecke von 1.300 Kilometern das industrielle Herz Europas. Auf niederländischer Seite wurde die Strecke nahezu komplett neu gebaut, umfasst 80 % Parallelführung zur Autobahn A15 und ist seit 2007 in Betrieb. Dabei überzeugt die Betuwelinie auf niederländischer Seite durch ihre modernste Infrastruktur: zweigleisiger Ausbau, ab Zevenaar sogar dreigleisig, keine Bahnübergänge und ein Höchsttempo von 120 Stundenkilometern. Ein Highlight des Besuchs war die Besichtigung des 2,3 Kilometer langen Tunnels Zevenaar. Mit einem Durchmesser von zehn Metern und ausgeklügelter Sicherheitstechnik setzt der Tunnel neue Maßstäbe: 66 Ventilatoren sorgen für optimale Luftzirkulation, während spezielle Feuer- und Glasschutztüren zwischen den Tunnelröhren im Ernstfall Schutz bieten. Ein hochmodernes Monitoring-System gewährleistet kontinuierliche Überprüfung aller sicherheitsrelevanten Aspekte. Im Tunnel ist eine Löschwasserversorgung von 6.000 Litern pro Minute sichergestellt. Dafür steht ein Wasserkeller mit einer Kapazität von 1,5 Millionen Litern bereit. Alle 100 Meter gibt es 1,50 Meter breite Zugangstüren, die einen schnellen Einsatz ermöglichen. Zusätzlich sind alle 200 Meter drei Hydranten vorhanden. „Die Feuerwehr in Zevenaar ist speziell auf den Einsatz im Tunnel vorbereitet und muss innerhalb von acht Mintunten an der Einsatzstelle sein. Ihre Ausrüstung umfasst unter anderem Stromtester und Erdungswerkzeuge, um im Notfall sicher mit den 25-kV-Oberleitungen umzugehen. Für den Brandschutz entlang der Strecke sorgen zudem Lärmschutzwände mit integrierten Notausgängen“, erklärte Polmann den Ehrenamtlern aus der Gemeinde Kranenburg. Dabei bot der Austausch den Feuerwehrleuten aus Deutschland wertvolle Anregungen, wie auch auf deutscher Seite – beispielsweise beim Ausbau der Betuwelinie von Emmerich bis Oberhausen – Sicherheitsstandards optimiert werden können. Dieser Abschnitt soll als Bindeglied des europäischen Güterverkehrskorridors die Verbindung zwischen Rotterdam und Genua weiter stärken. Für die Löschgruppe Frasselt-Schottheide war der Besuch nicht nur eine lehrreiche Exkursion, sondern auch ein inspirierendes Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Einigkeit in der Sicherheitsarchitektur zeigt: Gefahren machen keinen Halt vor Landesgrenzen, ebenso wenig wie der Wille, ihnen gemeinsam zu begegnen.