Fasziniert von den großen Maschinen
51 Land- und Baumaschinenmechatroniker haben in Uedem ihre Lossprechung gefeiert
UEDEM. Rainer Weber hatte so seine Zweifel: „Ich komme selbst vom Bauernhof, aber ich bin nicht sicher, ob ich heute noch einen Trecker fahren könnte“, sagte Uedems Bürgermeister, als er den jungen Land- und Baumaschinenmechatronikern im Bürgerhaus Uedem zur abgeschlossenen Ausbildung gratulierte. Umso größer war seine Bewunderung: „Ihr Handwerk verbindet Tradition mit modernster Technik. Und Sie sorgen dafür, dass Landwirtschaft funktioniert.“
Herzliche Glückwünsche sagte den neuen Fachkräften auch Dr. Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf (HWK). Der Gesellenbrief sei ein Ausweis für Durchhaltevermögen. „Er zeigt: Sie sind Marathonläufer“, erklärte Fuhrmann in seiner Festrede. Bei einem Treffen seines Abiturjahrgangs habe er kürzlich die Karrieren seiner ehemaligen Mitschüler verglichen, erzählte er – mit einem interessanten Ergebnis: Die Top-Abiturienten waren später nicht unbedingt die Erfolgreichsten im Beruf. Für Fuhrmann ist klar: „Fleiß schlägt Talent.“
Übrigens seien in seinem eigenen Geburtsjahr 1961 rund 1,1 Millionen Kinder geboren worden, berichtete der HWK-Hauptgeschäftsführer. Zum Vergleich: 2005 waren es gerade noch 680.000. „Von Ihnen gibt es nicht so viele. Sie werden sich echt bemühen müssen, arbeitslos zu werden“, sagte er an die Adresse der Land- und Baumaschinenmechatroniker. Ausdrücklich dankte er den Ausbildern sowie Lehrern und Mitgliedern des Prüfungsausschusses für ihren Einsatz. An die jungen ndwerker richtete er drei Bitten: „Bleiben Sie neugierig. Laufen Sie nicht denen nach, die die einfachen Lösungen haben. Und engagieren Sie sich ehrenamtlich.“
Obermeister Franz-Josef Schulte von der Innung für Land- und Baumaschinentechnik Niederrhein sprach die bisherigen Auszubildenden, darunter zwei Frauen, nach alter Tradition von den Pflichten der Lehrzeit los und erhob sie feierlich in den Gesellenstand. „Sie sind jetzt Teil einer Branche, die unverzichtbar ist, denn ohne unsere Technik hätten wir kein Brot auf dem Tisch und keine Straße für den Verkehr“, sagte er. Die Land- und Baumaschinen von heute seien Hightech-Geräte mit GPS-Systemen, elektronischen Sensoren, hydraulischen Steuerungen und oft sogar autonomen Funktionen. „Die meisten Autofahrer bekämen unsere Technik keinen Zentimeter bewegt“, erklärte der Obermeister.
Jan Verheyen haben die großen Maschinen immer schon fasziniert. Der 21-Jährige aus Kevelaer hatte schon früh Kontakt zur Landwirtschaft – sein Onkel bewirtschaftet einen Bauernhof, und sein Vater ist ebenfalls Landmaschinenmechaniker. Nach dem Abitur und mehreren Praktika absolvierte er die Ausbildung beim Technik Center Alpen (TCA) – und schloss sie als Prüfungsbester ab. Das war bereits im vergangenen Sommer; Verheyen konnte die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen. Anschließend erbrachte er bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk eine weitere Bestleistung: Er ist in seinem Beruf der beste Nachwuchs-Mechatroniker im gesamten Bezirk der Handwerkskammer Düsseldorf. Inzwischen studiert er Land- und Baumaschinentechnik in Köln. In seiner Freizeit ist er in der Katholischen Landjugendbewegung und bei den Messdienern in seiner Heimatgemeinde in Kevelaer-Winnekendonk sehr aktiv.
Hinter dem Jahresbesten belegten Benedikt Koenen aus Weeze (Ausbildungsbetrieb: Greving Landmaschinen GmbH, Kevelaer) den zweiten und Ben Schicht aus Kleve (Fa. Friedrich Schwedler) den dritten Platz. Sie wurden vom Vorsitzenden des Prüfungsausschusses, Christoph Strerath, besonders geehrt. Zweiter bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk auf Kammerebene wurde Fynn Deckers aus Rheinberg (Technik Center Alpen), über den dritten Platz freute sich Sebastian Hüsch aus Goch (Raiffeisen Waren-Zentrale).