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Stellten gemeinsam das neue Buch des Heimatvereins Uedem vor (hintere Reihe, v.l.): Guido Cladder (Geschichtskreis), Sonja Terhorst (Archivarin der Gemeinde Uedem) und Bürgermeister Rainer Weber; vorne: Michael Lehmann (Vorsitzender des Heimatvereins) und Anna Schulz (Gemeinde Uedem). Michael Lehmann bedankte im Rahmen der Präsentation bei allen Unterstützern und der Gemeinde Uedem. NN-Foto: CDS
16. Dezember 2025 · Corinna Denzer-Schmidt · Uedem

Erinnerung und Mahnung

Heimatverein Uedem stellt sein neues Buch vor: „Eine schreckliche Zeit am Niederrhein“

UEDEM. 2025 wurde in vielen Veranstaltungen an den 80. Jahrestag des Kriegsendes im Mai 1945 erinnert. Ein Thema, das die Menschen heute noch beschäftigt und das immer noch weiter aufgearbeitet wird. So auch im Band 12 der Schriftenreihe der Gemeinde Uedem mit dem Titel „Eine schreckliche Zeit am Niederrhein“.

In der Villa Reichswald – die unmittelbare Umgebung des traditionsreichen Ausflugslokals war ebenfalls Schauplatz des Geschehens in den letzten Kriegstagen 1945 – präsentierte der Heimatverein Uedem das Buch, das soeben in einer Auflage von 500 Stück erschienen ist. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Michael Lehmann, hat mit Unterstützung von Ursula Hüsch, Hans-Dieter Kahrl, Steve Heppenstall, Guido Cladder und Eric Schäfer das Projekt in den vergangenen Monaten umgesetzt.

Bereits vor 30 Jahren hatte eine Gruppe im Heimatverein eine Dokumentation und eine Fotoausstellung zu 50 Jahren Kriegsende erstellt. Auch damals schon mit Zeitzeugen- und Militärberichten und sogenannten After Actions Reports (Berichte deutscher Offiziere, die bis 1947 ihre Kriegserlebnisse aufschrieben). Im Frühjahr 2024 organisierte der Geschichtskreis im Heimatverein Uedem dann eine Fotoausstellung zum Gedenken an das Kriegsende. Im Nachgang ergab sich schließlich die Idee zum vorliegenden Buch, das um einige, noch weiter in die Tiefe gehende Aspekte, ergänzt wurde.

Zeitzeugen

Viele Zeitzeugenberichte von kanadischen und britischen Soldaten geben wieder, wie sie die Geschehnisse hier am Niederrhein erlebt haben und welches Leid das alles mit sich brachte. Das Buch beginnt mit der Vorbereitung des Überfalls auf die Niederlande 1940. Dazu sollte auch ein Panzerzug von Uedem aus die Maas queren und über Gennep bis Boxtel fahren. Panzerzüge waren mit einer Stahlkonstruktion besonders geschützt; der Uedemer Panzerzug sollte aller Wahrscheinlichkeit Material transportieren und wahr wohl nicht für einen Angriff vorgesehen. „Solch einer Konstruktion konnten einfache Waffen nichts anhaben“, erklärt Michael Lehmann, „und nur dieser Zug überquerte wie vorgesehen die Maas.“

Wolfgang Wegener, ehemaliger Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Rheinland, widmet sich in seinem Beitrag dem militärischen Kriegsverlauf am Niederrhein, und hier besonders zum Kriegsende 1945. Zunächst hatten die Bewohner am Niederrhein das Kriegsgeschehen nur aus weiter Ferne erlebt, doch das änderte sich 1944 mit der Landung der Alliierten in der Normandie. Damit rückte die Front auch hier näher. „Dass am Ende des Krieges die Gebiete und Städte zwischen Kleve, Goch, Uedem und Wesel zu den am stärksten zerstörten Deutschlands gehören würden, ahnte noch niemand“ – so formuliert es Wegener. In der Folge wurde der Stellungsbau am Niederrhein vorangetrieben. In der Nacht vom 7. auf den 8. Februar 1945 begann die Niederrheinoffensive der Alliierten.

Dadurch, dass der Geschichtskreis mehrere englische Mitglieder hat, war es möglich, einen anderen Blickwinkel auf die Ereignisse einfließen zu lassen, wie Guido Cladder erklärt. So habe sich ein Mitglied eingehend mit Flugzeugabstürzen in der Region beschäftigt – auch um Familien in Großbritannien über das Schicksal ihrer Angehörigen zu informieren. „Und wir konnten die englischen und kanadischen Quellen ins Buch einfließen lassen“, so Cladder, „das ergibt ein genaueres Gesamtbild.“ Das zähe Ringen Hof um Hof Richtung Rhein habe viele zivile Opfer gefordert: „Es sind bedrückende und packende Zeitzeugenberichte.“ Am 10. März 1945 endeten 31 Tage Kampf am linken unteren Niederrhein. Die Alliierten richteten ein Internierungslager für die Zivilbevölkerung in Bedburg ein; am 23. März 1945 waren hier 28.000 Personen interniert. Es sollte verhindert werden, dass Zivilisten womöglich Informationen über die Truppenbewegungen der Alliierten an deutsche Stoßtrupps weitergeben. Was es bedeutete, in diesem Lager leben zu müssen, wird von Zeitzeugen geschildert.

Die Gegenüberstellung alter Schwarz-weiß Ansichten aus Uedem und den Ortschaften von 1945 mit farbigen Bildern von 2025 dürfte besonders für jüngere Leser interessant sein.

Mit solch einem Buch werde Geschichte eindrucksvoll vermittelt, ist Bürgermeister Rainer Weber überzeugt: „Junge Menschen sollen wissen, was früher war.“ In seinem Geleitwort betont er, dass „die Erinnerung an die längste Schlacht am Niederrhein“ nicht verblassen dürfe; es sei gerade angesichts der aktuellen Krisen wichtig, im Erinnern an die Schrecken der Vergangenheit alles dafür zu tun, dass sich Geschichte nicht wiederhole. Die authentischen Berichte machten deutlich, warum sich jeder einzelne für Frieden und Freiheit einsetze, das unterstreicht auch Michael Lehmann. In Erinnerung an die Zerstörung Uedems und das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren hatten Gemeinde, HVV und der VdK im Februar zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen. In diesem Rahmen wurde an der Bleiche ein so genannter Hörstein aufgestellt, über den per Smartphone Berichte abgerufen werden können.

Das Buch

„Eine schreckliche Zeit am Niederrhein“ (Band 12 der Schriftenreihe der Gemeinde Uedem, Michael Lehmann und andere), 278 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, ist für 20 Euro in der Hohen Mühle Uedem, Mühlenstraße 101, bei Geschenke Binn in Uedem, Mühlenstraße.

Stellten gemeinsam das neue Buch des Heimatvereins Uedem vor (hintere Reihe, v.l.): Guido Cladder (Geschichtskreis), Sonja Terhorst (Archivarin der Gemeinde Uedem) und Bürgermeister Rainer Weber; vorne: Michael Lehmann (Vorsitzender des Heimatvereins) und Anna Schulz (Gemeinde Uedem). Michael Lehmann bedankte im Rahmen der Präsentation bei allen Unterstützern und der Gemeinde Uedem. NN-Foto: CDS

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