"Eva Weyl am KvGG Kevelaer, Vortrag, jüdische Geschichte, Holocaust-Überlebende, Bildungsbesuch"
5. Juli 2026 Von NN-Online · Kevelaer

„Erinnerung bewahren, Verantwortung übernehmen“

Eva Weyl berichtete am KvGG Kevelaer als Zeitzeugin über die NS-Verbrechen

KEVELAER. Einen besonderen Einblick in die deutsche Geschichte haben die Schüler der Jahrgangsstufe 9 des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums erhalten. Mit Eva Weyl war eine Zeitzeugin zu Gast, die den Holocaust als Kind selbst erlebt hat und bis heute unermüdlich dafür eintritt, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten.

Im Vorfeld hatten sich die Jugendlichen im Unterricht intensiv mit der NS-Zeit und dem Holocaust auseinandergesetzt. Dadurch waren sie bestens auf die Begegnung vorbereitet und konnten den Schilderungen der Zeitzeugin mit großem Interesse folgen.

Anhand persönlicher Fotos und historischer Dokumente erzählte Eva Weyl die Geschichte ihrer Familie. Diese hatte in Kleve ein erfolgreiches Kaufhaus betrieben, bevor sie vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in die Niederlande fliehen musste. Die Hoffnung auf Sicherheit erfüllte sich jedoch nicht: Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Mai 1940 wurde die Familie schließlich in das Lager Westerbork deportiert.

Eindringlicher Bericht über Jahre der Angst

Eindringlich berichtete Weyl von den Jahren der Unsicherheit und Angst. Von Westerbork aus wurden regelmäßig Menschen in die Vernichtungslager Auschwitz und Sobibor deportiert. Auch Anne Frank gehörte zu den Gefangenen des Lagers. Dass Eva Weyl und ihre Eltern den Holocaust überlebten, grenzte an ein Wunder. Erst mit der Befreiung durch kanadische Soldaten im April 1945 endete ihre Leidenszeit.

Eva Weyl, die für ihren jahrzehntelangen und unermüdlichen Einsatz in der Erinnerungsarbeit bereits zweimal mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, machte während ihres Vortrags deutlich, welche beispiellose Dimension die Verbrechen des NS-Regimes hatten. Zugleich verband sie die Erinnerung an die Vergangenheit mit einem Auftrag für die Gegenwart. Die heutige Generation, so betonte sie, trage keine Schuld an den damaligen Ereignissen, müsse aber Verantwortung dafür übernehmen, dass Ausgrenzung, Hass und Menschenverachtung niemals wieder Raum gewinnen.

Besonders bewegend waren die persönlichen Geschichten, die Eva Weyl aus ihrem späteren Leben teilte. So berichtete sie von einer Jugendliebe zu dem Sohn eines bekannten Nationalsozialisten und stellte die Frage, ob Kinder für die Taten ihrer Eltern verantwortlich gemacht werden dürfen.

Dialog zwischen den Generationen

Auch ihre heutige Erinnerungsarbeit zeigt, wie wichtig der Dialog zwischen den Generationen ist. Über einen ihrer Vorträge entstand der Kontakt zur Familie des ehemaligen Lagerkommandanten Albert Gemmeker, der die Deportationen aus Westerbork organisierte. Gemeinsam mit dessen Enkelin setzt sich Eva Weyl heute für Aufklärung und Erinnerung ein. Ihre Begegnungen zeigen, dass eine offene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit möglich ist und Brücken für die Zukunft bauen kann.

Die Schüler verfolgten den Vortrag aufmerksam und zeigten sich tief beeindruckt von den Erlebnissen und Botschaften der Zeitzeugin. Viele nahmen die Erkenntnis mit, wie wichtig es ist, Erinnerung lebendig zu halten und sich aktiv für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit einzusetzen.

Zum Abschluss bedankten sich die Jugendlichen herzlich bei Eva Weyl für ihre Offenheit und die eindrucksvollen Einblicke in ihr Leben. Ein besonderer Dank gilt zudem Matthias Lauks, der diese wertvolle Begegnung ermöglicht hat.

Eva Weyl zu Gast am KvGG in Kevelaer. Foto: privat

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