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Klaus Cordes‘ fünfte Ausstellung im Treppenhaus an der Spyckstraße trägt den Titel „Er + Ich“ und beschäftigt sich mit Kästner.NN-Foto: Rüdiger Dehnen
14. Juni 2025 · Heiner Frost · Kleve

Er + ich oder:Dialog zu dritt

Mailart im Treppenhaus an der Klever Spyckstraße, zu Gast: Klaus Cordes

KLEVE. Es geht um eine Marke – eine Briefmarke. Für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen können: Früher wurden Briefe geschrieben. Natürlich: Auch heute gibt es noch Briefschreiber, aber es ist eine aussterbende Spezies.

Zurück zur Marke: Es ist die Marke zum Andenken an einen Schriftsteller. Erich Kästner. Vielleicht auch einer aus der Riege der Ausgestorbenen. Und dann wären da noch Klaus Cordes, Thomas Brokamp und ein Treppenhaus in der Klever Spyckstraße. Dort wird ab Sonntag eine Ausstellung gezeigt, die sich mit Kästner befasst und mit einer Briefmarke zum Andenken an einen, dem in Deutschlands braunster Zeit das Schreiben verboten wurde und der weit mehr ist als ein Verfasser von Jugendbüchern.

Es ist Klaus Cordes‘ fünfte Ausstellung im Klever Treppenhaus. Für die jetzige Mailart-Ausstellung hat sich Cordes auf diese eine Marke konzentriert – hat sie in Fotos geklebt, wo sie die Ursprungsgesichter ersetzt und urplötzlich für eine andere Gewichtung sorgt. Aus Alltagsfotografien (wahrscheinlich ohne Anspruch darauf, jemals Teil einer Ausstellung zu sein) werden Weiterleitungskraftwerke: Gedankenschaltstellen. Jedes Bild eine Art geistiges Triptychon: Oben ein Foto mit Gesichtsersatzmarke, darunter ein Cordes-Text und darunter Kästner im Original. Aus dem Cordes-Kästner-Dialog wird, unter Einbeziehung des Betrachters, ein Dreiklang. Titel der Ausstellung: Er + Ich. Treffer, versenkt. Das Motto: die Mischung macht’s. Das Ganze: mehr als die Summe seiner Teile. Beim Hinlesensehen entsteht diese Schwankung aus Lachen, Trauern, Grübeln. Es reißt einen hin und her, vor und zurück. Man wünschte sich ein Textbuch zum Mitnachhausenehmen, denn im Treppenhausalltag kämpft man sich nolens volens durch den Zeitenstrudel – ist ständig im Weitergehen begriffen. Aufstieg, Abstieg. Irgendwie passt das Bild vom Auf und Ab zum Kästnerleben, zum Gedanken an das Verschwinden im Verschwundensein. Vielleicht mal wieder einen Kästner aus dem Regal ziehen. Kästner ist ja mehr als Pünktchen und Anton. Vielleicht mal Dominik Grafs „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ ansehen. Kästner lebt. Kästner bebt. Die Ausstellung im Treppenhaus an der Spyckstraße 29 wird am Sonntag, 15. Juni, um 11 Uhr eröffnet. Zu sehen ist „Er + Ich“ am Eröffnungstag, am 17. und 24. Juni sowie am 1. Juli jeweils zwischen 15.30 und 19 Uhr oder nach Vereinbarung (Telefon 0177/3411811).

Klaus Cordes‘ fünfte Ausstellung im Treppenhaus an der Spyckstraße trägt den Titel „Er + Ich“ und beschäftigt sich mit Kästner.NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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