Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.OKWeitere InformationenCookies Auflistung
Zum 31. Dezember schließt die St.-Vitus-Apotheke am Eltener Markt.NN-Foto: Rüdiger Dehnen
14. Dezember 2023 · Michael Bühs · Emmerich

Elten verliert einzige Apotheke

AVNR-Vorstand Moser übernimmt die St.-Vitus-Mitarbeiter und sieht weitere drohende Schließungen

ELTEN. In Haldern war es bereits im vergangenen Jahr so weit, nun trifft es auch Elten: Der Emmericher Ortsteil verliert seine einzige Apotheke. „Schweren Herzens müssen wir die St.-Vitus-Apotheke [...] nach fast 32 Jahren aus wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gründen schließen“, teilen die Betreiber Christiane und Bernd Dewald auf einem Aushang mit. Carsten Moser, Apotheker aus Emmerich und im Vorstandsmitglied des Apothekerverbandes Nordrhein (AVNR), weiß, dass Elten kein Einzelfall ist. Für ihn steht fest: „Es wird nicht die letzte dieser Vor-Ort-Apotheken sein, die schließt.“

Stillstand beim Honorar

Laut Moser bekommen selbst die Apotheken in den Großstädten zunehmend wirtschaftliche Probleme. Als Ursache sieht er die Schere in der Entwicklung zwischen Einnahmen und Kosten. Letztere seien in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, während es bei der Honorarentwicklung seit 2005 mehr oder weniger einen Stillstand gebe. „Die einmalige geringe Erhöhung im Jahr 2012, die es gegeben hat, wurde zwischenzeitlich durch Kürzungen sogar wieder einkassiert“, kritisiert Moser. Diese Entwicklung treffe alle Apotheken; aber insbesondere die kleineren Apotheken, die in den Ortschaften die Daseinsvorsorge übernehmen, schließen inzwischen reihenweise.

Tatsächlich ist die Zahl der Apotheken in Deutschland seit dem Jahr 2008 stetig gesunken, von 21.602 auf 18.068 in 2022. Zur Jahresmitte 2023 waren es laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) nur noch 17.830 Apotheken. Für das laufende Jahr rechnet Moser mit weiteren 700 bis 900 Schließungen. „Hier vernachlässigt die Politik ihre Aufgabe der Daseinsvorsorge“, sagt Moser. Laut ABDA liegt die Bundesrepublik mit 23 Apotheken pro 100.000 Einwohner im europäischen Vergleich im unteren Drittel; der Durchschnitt liegt inzwischen bei 32 Apotheken pro 100.000 Einwohner.

Eine gute Nachricht gibt es: Carsten Moser übernimmt mit seiner Stern-Apotheke die Mitarbeiter der Eltener St.-Vitus-Apotheke. Er habe zahlreiche Gespräche mit Bernd Dewald geführt, als sich dieser zum Rückzug entschlossen habe. „Wir haben überlegt, wie es für die Apotheke und die Mitarbeiter weitergehen kann“, berichtet Moser. Doch habe die wirtschaftliche Entwicklung der Apotheken insgesamt eben auch Elten getroffen, und so sei die intensive Suche nach einer Nachfolge-Regelung erfolglos geblieben. „In Elten kommt noch ein weiterer Faktor hinzu“, erläutert Moser: „Ein Teil der 4.700 Einwohner sind Niederländer, die teilweise nicht im deutschen System versichert sind.“ Damit reduziert sich die Zahl der potenziellen Kunden in der Ortschaft weiter.

Für sieben Mitarbeiter der St.-Vitus-Apotheke geht es im nächsten Jahr also in der Stern-Apotheke in Emmerich weiter. Auch Familie Dewald wird für einen gewissen Zeitraum dort noch beschäftigt sein, „um den Übergang zu erleichtern, bevor sie sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden“, sagt Carsten Moser.Michael Bühs

Zum 31. Dezember schließt die St.-Vitus-Apotheke am Eltener Markt. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Prospekte
weitere Artikel