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Der XBK-Vorstand in der Kneipe, in der vor mehr als 50 Jahren alles anfing. NN-Foto (Archiv): Theo Leie
9. Februar 2023 · Kurzmitteilungen

Eine „ulkige Idee“, die eine Tradition erschaffen hat

Vor mehr als 50 Jahren wurde das Xantener Blutwurstkomitee gegründet

XANTEN. Am 11. November 1972 war der Stammtisch im Lokal Hußmann-Arens wieder einmal gut besetzt. Es wurde diskutiert, getrunken und palavert. Bei all dem Spektakel stellt Hubert Spöllmann plötzlich fest, dass außer den XCV-Sitzungen an Karneval in Xanten nichts mehr geboten wird. Ein Trauerspiel also. Nach kurzem Überlegen hat Hubert Spöllmann eine ulkige Idee: „Lasst uns für Karnevalssonntag eine Blutwurst von etwa zehn Meter machen. Die tragen wir dann durch die Stadt. Ich glaube bestimmt, dass die Spielmannszüge St. Viktor und St. Helena dieses Spiel mitmachen. Nach dem Umzug wird die Wurst dann in der Altstadt kostenlos verteilt.“

Da alle Anwesenden einverstanden waren, machte Hubert den Vorschlag, einen Karnevalsverein zu gründen „und da wir es mit Blutwurst zu tun haben, möchte ich sagen Blutwurstkomitee der Altstadt Xanten. Wenn dann Moers schon auf samstags zieht und einen Nelkensamstagszug macht, nennen wir den Sonntag bei uns Blutwurstsonntag und den Zug Blutwurstsonntagszug.“ So kam es spontan zu Gründung des Blutwurstkomitees und zur Finanzierung der Wurst, denn alle Mitglieder zahlten zehn DM ein.

Zu den Gründern zählten Hubert Spöllmann, Hans Arens, Gunter Arens, Käthi Arens, Heinz Janssen, Heinz Weinbergen, Hans Brammen, Siegfried Schmelzer, Willi Evers und Norbert Drießen. Die Altstadtmetzger Theo Kurtenbach, Siegfried Schmelzer, Kurt Wolf sowie Gerd und Norbert Drießen übernahmen die Herstellung der Blutwurst von 10,76 Meter Länge und 6,5 Zentimeter Dicke und erklärten sich bereit, die Wurst durch Xantens Straßen zu tragen.

Aus dem ursprünglich geplanten Umzug der Altstadtnarren mit einer langen Blutwurst wurde ein origineller Karnevalszug. Der erste seit über 22 Jahren. Am Blutwurstsonntag, dem 4. März 1973, um 14 Uhr, startete der erste Blutwurstsonntagszug bei strahlendem Sonnenschein unter dem Motto: „Ohne Moos nichts los“

Aber auch nach Karneval legte sich das Blutwurstkomitee nicht schlafen. Hubert Spöllmann überraschte mal wieder mit einer neuen Idee. Die längste Blutwurst der Welt für die Aktion Sorgenkind zu machen. Sie erbrachte die stolze Summe von 3077 DM. Die von Bundestagspräsidentin Annemarie Renger im Fernsehen angesagte Riesenblutwurst flimmerte dann über Deutschlands Bildschirme; ja und wurde im Buch der Superlative eingetragen.

Zur Finanzierung des Blutwurstsonntagszuges 1974 stiftete ein Gast in der Altstadt 15000 Eier. Bis kurz vor Weihnachten bekam man 65.000 Eier zusammen, die dann palettenweise auf dem Markt verkauft wurden. Der Erlös brachte so viel Geld, dass der Zug gesichert war. Man gab Ihm das Motto: „Xantens gelegte und ungelegte Eier“

Bis 1978 lief jedes Jahr ein Karnevalszug durch Xanten. Da aber die Geldmittel jährlich nicht mehr beschafft werden konnten, wurde festgelegt, ein Jahr Straßenfete, um Geld zusammen zu bekommen, einzulegen. Im nächsten Jahr sollte es dann immer wieder Blutwurstsonntagszug geben. Übrigens: Das Blutwurstkomitee schmeißt von ihrem Wagen keine Bonbons sondern in Folie eingeschweißte Blutwurst, die von den Haus- und Hofmetzgern hergestellt wird.

Man könnte noch viele Geschichten über die vergangenen Züge erzählen, aber was macht der Karneval ohne Möhnen? Die Xantener Obermöhne kam und kommt aus den Reihen des XBK und macht an Altweiber mit Ihren Möhnen ebenfalls Xantens Straßen unsicher.

Zum Jubiläum gibt es einen besonderen Orden in Gold. Foto: privat

Zum Jubiläum gibt es einen besonderen Orden in Gold. Foto: privat

Der XBK-Vorstand in der Kneipe, in der vor mehr als 50 Jahren alles anfing. NN-Foto (Archiv): Theo Leie

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