Eine „ulkige Idee“, die eine Tradition erschaffen hat
Vor mehr als 50 Jahren wurde das Xantener Blutwurstkomitee gegründet
Da alle Anwesenden einverstanden waren, machte Hubert den Vorschlag, einen Karnevalsverein zu gründen „und da wir es mit Blutwurst zu tun haben, möchte ich sagen Blutwurstkomitee der Altstadt Xanten. Wenn dann Moers schon auf samstags zieht und einen Nelkensamstagszug macht, nennen wir den Sonntag bei uns Blutwurstsonntag und den Zug Blutwurstsonntagszug.“ So kam es spontan zu Gründung des Blutwurstkomitees und zur Finanzierung der Wurst, denn alle Mitglieder zahlten zehn DM ein.
Zu den Gründern zählten Hubert Spöllmann, Hans Arens, Gunter Arens, Käthi Arens, Heinz Janssen, Heinz Weinbergen, Hans Brammen, Siegfried Schmelzer, Willi Evers und Norbert Drießen. Die Altstadtmetzger Theo Kurtenbach, Siegfried Schmelzer, Kurt Wolf sowie Gerd und Norbert Drießen übernahmen die Herstellung der Blutwurst von 10,76 Meter Länge und 6,5 Zentimeter Dicke und erklärten sich bereit, die Wurst durch Xantens Straßen zu tragen.
Aus dem ursprünglich geplanten Umzug der Altstadtnarren mit einer langen Blutwurst wurde ein origineller Karnevalszug. Der erste seit über 22 Jahren. Am Blutwurstsonntag, dem 4. März 1973, um 14 Uhr, startete der erste Blutwurstsonntagszug bei strahlendem Sonnenschein unter dem Motto: „Ohne Moos nichts los“
Aber auch nach Karneval legte sich das Blutwurstkomitee nicht schlafen. Hubert Spöllmann überraschte mal wieder mit einer neuen Idee. Die längste Blutwurst der Welt für die Aktion Sorgenkind zu machen. Sie erbrachte die stolze Summe von 3077 DM. Die von Bundestagspräsidentin Annemarie Renger im Fernsehen angesagte Riesenblutwurst flimmerte dann über Deutschlands Bildschirme; ja und wurde im Buch der Superlative eingetragen.
Zur Finanzierung des Blutwurstsonntagszuges 1974 stiftete ein Gast in der Altstadt 15000 Eier. Bis kurz vor Weihnachten bekam man 65.000 Eier zusammen, die dann palettenweise auf dem Markt verkauft wurden. Der Erlös brachte so viel Geld, dass der Zug gesichert war. Man gab Ihm das Motto: „Xantens gelegte und ungelegte Eier“
Bis 1978 lief jedes Jahr ein Karnevalszug durch Xanten. Da aber die Geldmittel jährlich nicht mehr beschafft werden konnten, wurde festgelegt, ein Jahr Straßenfete, um Geld zusammen zu bekommen, einzulegen. Im nächsten Jahr sollte es dann immer wieder Blutwurstsonntagszug geben. Übrigens: Das Blutwurstkomitee schmeißt von ihrem Wagen keine Bonbons sondern in Folie eingeschweißte Blutwurst, die von den Haus- und Hofmetzgern hergestellt wird.
Man könnte noch viele Geschichten über die vergangenen Züge erzählen, aber was macht der Karneval ohne Möhnen? Die Xantener Obermöhne kam und kommt aus den Reihen des XBK und macht an Altweiber mit Ihren Möhnen ebenfalls Xantens Straßen unsicher.
Zum Jubiläum gibt es einen besonderen Orden in Gold. Foto: privat