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Mit diesem Fahrrad mit Anhänger bewältigte Thomas Hommen auch in diesem Jahr seine Tour. Fotos (4): ThomasHommen
21. August 2023 · Xanten

Eine Tour durch acht Ländern mit Hindernissen

2913 Kilometer und 31.256 Höhenmeter legte der Alpener Thomas Hommen in diesem Jahr in 24 Tagen bei seiner Sommer-Radtour zurück

ALPEN. Wenn Thomas Hommen auf seinen „Wurm“ steigt, ist er oft dutzende Kilometer und Stunden unterwegs. Einmal im Jahr nimmt er sich aber eine ganz große Distanz vor. Auch 2023 begegneten ihm viele wieder mit den Worten: „Du bist ja verrückt!“ Doch der 55-jährige Alpener zieht seine alljährliche „Sommertour“ einfach durch – auch wenn sie immer wieder von Pleiten, Pech und Pannen begleitet wird.

In 24 Tagen hat Hommen in diesem Jahr auf seinem E-Bike 2913 Kilometer und 31.256 Höhenmeter durch acht Länder – unter anderem Österreich, Italien, Slowakei und Ungarn – zurückgelegt. Doch fast hätte er gar nicht losfahren können. „Bei der finalen Durchsicht vor der Tour ist mir eine kaputte Felge aufgefallen. Eine Speiche war gerissen. Die neue Felge wurde auch direkt bestellt, sie wurde allerdings falsch geliefert. Statt 36 Speichen hatte sie nur 32. Zum Glück kam die Neue noch pünktlich“, sagt Hommen. Einen Tag vor dem Start seiner Tour war „der Wurm“, wie der Alpener sein E-Bike liebevoll nennt, dann doch noch startbereit.

Riemen gerissen

Allerdings sollte Hommen nicht lange vor einem weiteren Zwischenfall verschont bleiben. Denn auf seiner ersten Etappe vom bayerischen Traunstein nach Egglfing riss ihm der Riemen. „Dort war wohl ein Stein reingekommen, dabei hatte ich die Schaltzüge – die ja ein typisches Verschleißteil sind – gerade vorher wechseln lassen“, sagt Hommen. Seinen Kalkarer Fahrradhändler kontaktierte er umgehend. Der riet ihm zum sofortigen Austausch. „Also musste ich mir in Bayern einen Fahrradhändler suchen. Der erste hatte keine Werkstatt, ein anderer zehn Kilometer weiter aber glücklicherweise schon“, berichtet Hommen. Somit konnte der 55-Jährige mit funktionierender Schaltung („Die bei diesen bergigen Etappen besonders wichtig ist“) endlich richtig losstarten.

Zunächst radelte Hommen durch Österreich, ehe er im tschechischen Majdalena ankam. „Die Straßen in der Tschechei, aber auch in der Slowakei und Ungarn sind für Fahrradfahrer allerdings wirklich fürchterlich und katastrophal“, musste Hommen feststellen. „Sie haben viele Schlaglöcher. Zudem gibt es kaum Radfahrwege und Radfahrer sind im Straßenverkehr auch nicht gleichberechtigt“, sagt Hommen. Er habe zwar gewusst, was im Osten Europas auf ihn zukommt, doch seine Fahrt sei zeitweise auch sehr gefährlich gewesen: „Ich habe einmal sogar die Abgase von einem LKW an meinem Bein gespürt, weil er so eng an mir vorbeigefahren ist.“

Seine weitere Route führte ihn in die slowakische Hauptstadt. „Bratislava ist wirklich sehr, sehr schön. Die Stadt war eine meiner Highlights“, resümiert Hommen. Dort passierte ihm allerdings ein Missgeschick, dass in diesem Fall nur bedingt etwas mit seinem Fahrrad zu tun hatte. „Ich habe mein Fahrrad nach unten getragen, dabei jedoch meine Scheckkarte, die mein Hotelzimmerschlüssel war, in selbigem gelassen, wodurch ich mich ausgeschlossen hatte“, erzählt Hommen. Eine freundliche Putzfrau machte ihm aber schon wenig später die Tür auf – nachdem sie sich vergewissert hatte, dass das Hotelzimmer auch seines ist.

Im weiteren Verlauf fuhr Hommen durch Ungarn. „An diesen Tagen war es jedoch sehr warm. Es war auch eine sehr lange Tour“, sagt Hommen. Wie anstrengend sie gewesen sein muss, verrät ein Vorkommnis in Estergom: „Dort bin ich mit einem Eis in der Hand auf dem Balkon eingeschlafen. Später ist mir etwas ähnliches auch nochmal in Italien passiert. Dort bin ich mitten im Restaurant eingeschlafen, bevor das Essen kam.“

Die Fahrt durch Budapest in dem Alpener ganz besonders in Erinnerung geblieben. „Dort roch es durchgehend nach Lavendel – als wenn man durch ein Gäste-WC radelt. Anfangs war das noch schön, aber irgendwann nervt es auch“, sagt Hommen, „aber jedes Land hat ja so seinen eigenen Geruch.“

An der ungarisch-kroatischen Grenze machte Hommen schließlich Bekanntschaft mit der Polizei. „Die hatten mein E-Bike für ein Motorrad gehalten und fragten mich nach dem Ausweis, meinem Führerschein und den Fahrzeugpapieren – die ich ja logischerweise für mein E-Bike nicht hatte. Trotz der Sprachbarrieren konnte ich die Situation aber aufklären“, erzählt Hommen. Auf dem Weg nach Ljubljana machte er zudem eine kurze Bekanntschaft mit einem Radfahrer, der ohne motorische Unterstützung unterwegs war. „Er schaute mich verächtlich an und überholte mich. Am Berg gab es aber eine Revanche – denn dort konnte ich ihn dank meines Motos überholen.“

In Triest nutzte Hommen allerdings auch diese nicht viel. Dort musste er bei einer Steigung, „die selbst viele Autos nicht überwunden hätten“, sein E-Bike eine Stunde lang hochschieben. „Danach brannten meine Arme“, erinnert sich Hommen. Auf dem Weg runter wurde er dann bei der Abfahrt geblitzt – natürlich folgenlos.

Am meisten hatte Hommen sich von Anfang an jedoch auf die „Drei Zinnen“ gefreut, die er sich auch für den Schluss seiner Tour aufgehoben hatte. „Sie waren beeindruckend und eine Enttäuschung zugleich“, berichtet Hommen. Etwa 30 Kilometer musste er sich zu dem markanten Gebirgsstock hochquälen – um dann nichts sehen zu können. „Etwa zwei Kilometer vor dem Ziel zog ein dichter Nebel auf. Man hat wirklich gar nichts gesehen. Nach meinem Mittagessen konnte ich sie zumindest erahnen – aber wirklich gesehen habe ich sie nicht“, sagt Hommen. Das wolle er unbedingt ein anderes Mal nachholen.

Die nächsten Touren

Der 55-jährige Alpener wird in den nächsten Monaten allerdings erstmal nur wieder den Niederrhein und seine Umgebung erkunden. Die nächste größere Route ist allerdings schon komplett durchgeplant. Sie soll ihn im Sommer nächsten Jahres direkt ab Alpen durch die Niederlande und Belgien unter anderem nach Eindhoven, Antwerpen, Brügge und Gent bis zur Küste und weiter nach Nordfrankreich und Paris führen. „Sie wird mit 2000 Kilometern und 17 Fahrtagen etwas kürzer als die diesjährige sein“, sagt Hommen. Eine größere hat er jedoch für 2025 schon im Kopf: Dann möchte er einmal den italienischen Stiefel ganz umfahren. „Das wären 3500 Kilometer – allerdings mit deutlich weniger Höhenmetern als in diesem Jahr“, sagt Hommen.

Sabrina Peters
Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei, gehörte zu Hommens Highlights – nicht nur bei Nacht.

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Thomas Hommen bei einer Pause auf dem Balkon.

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Mit Naturwundern wie diesem wurde Hommen immer wieder belohnt.

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Mit diesem Fahrrad mit Anhänger bewältigte Thomas Hommen auch in diesem Jahr seine Tour. Fotos (4): ThomasHommen

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