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Harald Kleinecke führt Regie und spielt mit. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
17. September 2024 · Heiner Frost · Kranenburg

Eine bewegende Geschichte

In Tönen und Szenen wird die Geschichte von Haus Wylerberg erzählt

KRANENBURG.Natürlich kann man ein Buch zur Hand nehmen und sich durch die Geschichte lesen. Gemeint ist die Geschichte von Haus Wylerberg, das in diesem Jahr 100 Jahre alt wird ...

Wer die ebenso bewegte wie bewegende Geschichte des Hauses einmal ganz anders erleben möchte, hat am 5. und 6. Oktober (Samstag und Sonntag) jeweils um 13 oder 16 Uhr Gelegenheit dazu – dann nämlich wird am und im Haus Geschichte inszeniert – zum einen in szenischen Darstellungen und zum anderem mit Musik. Für den szenischen Teil ist das Klever Theater im Fluss (Regie: Harald Kleinecke) zuständig, für den musikalischen Teil ist die Klavierpädagogin Christa Kneppeck (Klavier, Akkordeon) zusammen mit Femke Tjenk (Trompete), Sarah Konig (Sopran), Sebastiaan Oosthout (Klavier) zuständig.

Schaut man sich die Geschichte von Haus Wylerberg im Internet an, findet man bei Wikipedia folgenden Eintrag: „Der Wylerberg gelangte 1906 durch Erbschaft an Marie Schuster-Hiby, die dort in den Jahren 1921–1924 eine Villa im expressionistischen Stil durch den Architekten Otto Bartning erbauen ließ. Nach dem Zweiten Weltkrieg wohnten dort die Sängerin Alice Schuster und die Pianistin Else C. Kraus, 1965 verkaufte die Familie Schuster-Hiby das Gebäude an den niederländischen Staat. Seit 1985 steht Haus Wylerberg, in dem heute die Sovon Vogelonderzoek Nederland untergebracht ist, unter Denkmalschutz.“

Der Eintrag: sachlich, schmucklos, informativ. Wenn Harald Kleinecke zum Erzählen der Geschichte ausholt, entstehen andere Zusammenhänge. „Ein Teil unserer Inszenierung besteht darin, dass die Akteure mit leeren Bilderrahmen auftreten.“ Der Hintergrund: Marie Schuster liebte die Kunst. Sammelte. Lud Künstler ein. Illustre Namen sind darunter: Heinrich Campendonk, Lionel Feininger, Franz Marc, Ewald Mataré.

Harald Kleinecke: „Marie Schuster besaß Werke von all diesen Künstlern, aber alle Werke sind verschollen.“ So erklärt sich die Dramaturgie der leeren Rahmen.

Das Haus Wylerberg war aber auch ein Ort der Töne – der Konzerte. „Das Haus wurde vom Architekten Otto Bartning entworfen. Die Idee hinter der Gestaltung war die eines Kristalls“, erklärt Kleinecke, der im szenischen Teil der Aufführung einen Architekten spielt. Für ihre Tochter Alice Schuster ließ Marie Schuster eigens ein Musikzimmer bauen.

„Unsere Inszenierung beginnt vor dem Haus mit einer Szene, in der Marie Schuster aus der Haft zurückkommt und sich – soeben angekommen – an die Anfänge erinnert.“ Eine Rückblende also. Und was hat es mit der Haft auf sich? Kleinecke zeigt zwei Bilder: Die Kopie einer Porträtzeichnung, die Arnold Schönberg zeigt und eine Fotografie von Hermann Göring. Kleinecke: „Marie Schuster war entfernt verwandt mit Göring. Wenn während der Nazi-Zeit offizieller Besuch kam, wurde kurzerhand des Schönberg-Porträt – seine Musik galt ja als ‚entartet‘ – gegen das Göring-Bild ausgetauscht. Nach dem Krieg wurde Marie Schuster dann als eine nahe Verwandte Görings gesehen und inhaftiert.“

Haus Wylerberg ist also in jeder Hinsicht ein interessanter (und unterschätzter) Ort, der sich für eine Inszenierung auf musikalischer wie theatraler Ebene eignet. Kleinecke: „Was die Musik angeht, wird neben Stücken von Purcell, Schönberg und Schubert, aber auch amerikanische Musik aus der (Nach)Kriegszeit zu hören sein.

Die Veranstaltung Musiktheater in und um Haus Wylerberg wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft im Rahmen des Regionalen Kulturprogramms NRW gefördert. Auch wird das Projekt durch das Interreg-Programm Deutschland-Nederland und seinen Programmpartnern ermöglicht und von der Europäischen Union (EU) kofinanziert. Karten sind zum Preis von 17,50 Euro ausschließlich über „eventbrite“ (www, eventbrite.de) zu erhalten.

Harald Kleinecke führt Regie und spielt mit. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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