Eine Abteilung in Bewegung
Regina Ziebell ist neue Chefärztin für die Abteilung Erwachsenenpsychiatrie III der LVR-Klinik Bedburg-Hau
BEDBURG-HAU. Seelische Erkrankungen kann man nicht sehen. Für Betroffene und Angehörige allerdings sind sie ebenso schwerwiegend wie körperliche Beschwerden. Damit die Patienten wieder mehr Lebensqualität gewinnen, benötigen sie eine qualifizierte, moderne und leitliniengerechte Behandlung.
Eine, die sich auf genau darauf spezialisiert hat, ist Regina Ziebell, neue Chefärztin der Abteilung für Erwachsenenpsychiatrie III in der LVR-Klinik Bedburg-Hau. „Wir behandeln psychisch kranke Erwachsene, die überwiegend unter Depressionen, Angststörungen oder psychotischen Störungen leiden. Die Erkrankungen können erstmalig auftreten oder auch bereits chronifiziert sein. Viele unsere Patientinnen und Patienten befinden sich in einer akuten Krise“, beschreibt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und für Nervenheilkunde ihre Arbeit. „Für jeden von ihnen müssen wir eine passende Behandlungsform finden, die dem Menschen, seiner aktuellen Lebensform und seinen Bedürfnissen entspricht. Deshalb umfasst unser Angebot ganz verschiedene ambulante, teilstationäre und stationäre Versorgungsformen, die flexibel, individuell ausgerichtet und alltagsnah sind.“
Ein Baustein ist die wohnortnahe Behandlung: Ambulante und tagesklinische Angebote gibt es in Kleve und Geldern. Die aufsuchende Behandlung zu Hause – kurz StäB für stationsäquivalente Behandlung – wird sowohl im Nord- als auch im Südkreis angeboten. In Bedburg-Hau befindet sich die Spezialstation für Menschen in psychotischen Krisen, während in Kleve Patienten mit Depressionen und Angststörungen stationär versorgt werden. Unter ihnen sind auch Betroffene, die aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung bislang kaum auf eine Therapie angesprochen haben. „Für sie bieten wir die Behandlung mit Esketamin oder die repetitive transkranielle Magnetstimulation an. Beide Verfahren eignen sich auch bei chronischen Verläufen“, weiß Regina Ziebell.
Fragt man sie nach ihrem persönlichen Schwerpunkt, kommt die Antwort schnell. Wann immer es ihr enges Zeitfenster als Chefärztin erlaubt, ist sie auf der Psychose-Station im Einsatz. Die Abteilung arbeitet mit Soteria-Elementen, ein Konzept, das für die Betroffenen ein möglichst harmonisches, angstfreies Umfeld anstrebt. „Es geht weniger um Station, als mehr um Lebensraum“, beschreibt Regina Ziebell das Modell. „In diesem besonderen Rahmen können die Patientinnen und Patienten ihre Alltagskompetenzen stärken und Lebensfähigkeit wiederherstellen.“ Unterstützend wirkt dabei der Trialog, ein gleichberechtigter Austausch zwischen Betroffenen, Mitarbeitenden und Angehörigen mit dem Ziel, das gegenseitige Verständnis zu stärken und Ängste abzubauen. Für Betroffene und Angehörige, die aktuell nicht stationär behandelt werden, gibt es eine offene Gruppe, die sich einmal monatlich trifft. Interessenten wenden sich für weitere Informationen an sekretariat.ep3@lvr.de.
Weitere Betroffene, die der Chefärztin besonders am Herzen liegen, sind Patienten, die leicht übersehen werden – darunter Mütter mit peripartaler Depression oder Menschen, die Care-Arbeit für ihre Familie leisten. „Ein wochenlanger stationärer Aufenthalt passt dann nicht zur Lebenssituation, eine tagesklinische oder aufsuchende Behandlung zu Hause aber schon.“ Für sie bietet sich die stationsäquivalente Behandlung in den eigenen vier Wänden an. Zu den Leistungen gehören tägliche Besuche und Telefonate mit dem Behandlungsteam. Einmal pro Woche kommen sie für weiterführende Untersuchungen und Gruppentherapien in die Klinik. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Betroffenen enorm von diesem Behandlungsangebot profitieren. Der Transfer von der stationären Versorgung in das häusliche Umfeld entfällt. Dadurch gelingt es ihnen leichter, Therapieerfolge zu sichern und in den Alltag zu integrieren“, so die Ärztin.
Auf allen Ebenen ist das multiprofessionelle Team aus Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Genesungsbegleitern – das sind ausgebildete Mitarbeitende mit eigener Krankheitserfahrung - wichtig für den Behandlungserfolg. „Ich weiß, dass unsere Patientinnen und Patienten bei meinen Kolleginnen und Kollegen in guten Händen sind. Jeder setzt sich mit viel Erfahrung, Können und Herz für die ihnen anvertrauten Menschen ein.“
Dass zuletzt sogar vier Oberarzt-Stellen neu besetzt werden konnten, macht sie stolz. Zeigt es doch, dass die gute Arbeit der Abteilung auch in Fachkreisen geschätzt wird. Katsiaryna Mironava kümmert sich nun um die stationären Patientinnen und Patienten der Sternbuschklinik, während Ana-Maria Radulescu die Ambulanz in Kleve betreut. Wolfgang Kornberger konnte für die Ambulanz in Geldern gewonnen werden. Sein Kollege Ahmet Gmati ist für StäB verantwortlich. Mit diesem Team an ihrer Seite blickt Regina Ziebell zuversichtlich in die Zukunft. „Wir sind eine kompetente und innovative Abteilung in Bewegung, die den Menschen im Kreis Kleve eine gute Behandlung bieten möchte.“