Eindrucksvoller Abend in der Bibliothek Mariënburg
Deutsch-niederländisches Buchprojekt stößt auf große Resonanz
NIEDERRHEIN. Über 160 Gäste – darunter auch viele aus Kleve und Umgebung – kamen zu einer besonderen Veranstaltung in der Bibliothek Mariënburg in Nimwegen. Im Mittelpunkt stand ein Thema, das aktueller kaum sein könnte: die Rückkehr des Nationalpopulismus in Europa und darüber hinaus – und wie demokratischen Gesellschaften darauf reagieren können.
Zentrale Figur des Abends war der niederländische Schriftsteller und Essayist Bas Heijne, der unter großem Applaus seine Analyse des wiederkehrenden autoritären Denkens präsentierte. In seinem Vortrag verknüpfte Heijne die Neuveröffentlichung von Menno ter Braaks Essay „Nationalismus als Rankühnelehre“ mit heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen. Begleitend stellte er inhaltliche Bezüge zu George Orwell (Über Nationalismus) und Albert Camus (Eine höhere Liebe) her. Bereits die Eröffnung war eindrucksvoll: Bas Heijne begann mit einem Zitat des griechischen Staatsmanns Perikles zur Bedeutung der Demokratie – der Ton für einen tiefgründigen Abend war gesetzt. Seine zentrale These: „Ter Braak zufolge entspringen Faschismus und Nationalsozialismus gerade aus der Demokratie selbst. Diese unbequeme Einsicht zwingt uns, das Böse nicht nur außerhalb, sondern auch in uns selbst zu suchen.“ Die neue deutschsprachige Ausgabe von Ter Braaks Essay wurde im Rahmen eines grenzüberschreitenden Kulturprojekts gemeinsam von Josef Gietemann (Kleve) und Willem van het Hekke (Nimwegen) herausgegeben. Sie bildet den Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Gedenken, Nachdenken, Handeln / Herdenken, Bezinnen, Handelen“, die durch das Interreg-Programm Deutschland-Nederland ermöglicht und von der Europäischen Union kofinanziert wird.
Bereits vor Beginn der Veranstaltung herrschte reger Betrieb: Das Team um Willem van het Hekke, Elke Decates (Bibliothek), Anneke Arzbach, René Ravestein und viele Ehrenamtliche sorgte für den reibungslosen Ablauf. Josef Gietemann und Daniel Boumanns führten das Gästebuch als Teil des Orga-Teams. Moderator des Abends war der Nimwegener Stadtpoet Simon Mamahit, der vor der Pause ein eigens für den Abend verfasstes Gedicht präsentierte – nachdenklich, präzise und bewegend.
Im zweiten Teil der Veranstaltung reagierten Esther Horsten (Direktorin des Freiheitsmuseums in Groesbeek) und Mika Kraft (Aktivist und Politiker) auf die Thesen Heijnes und diskutierten mit dem Publikum. Die Fragen reichten von Ursachen gegenwärtiger Unzufriedenheit über muslimfeindliche Tendenzen bis zur Rolle zivilgesellschaftlichen Engagements gegen den Rechtsruck. „Die alten Zeiten kommen nicht zurück“, sagte Heijne zum Abschluss. „Wir müssen an uns selbst arbeiten, uns wieder mit anderen verbinden und handeln, um unsere Demokratie widerstandsfähig zu machen.“ In der Einleitung zur Neuauflage von Ter Braaks Essay schreibt er: „Fast neunzig Jahre nach der Veröffentlichung seines messerscharfen, aber vergeblichen Pamphlets hält uns Menno ter Braak erneut einen Spiegel vor. […] Wir sind es seinem mutigen, unerbittlichen Blick schuldig.“
Die Veranstaltung in Nimwegen war mehr als ein literarischer Abend – sie war ein lebendiger Ausdruck europäischer Erinnerungskultur und ein Appell an die demokratische Verantwortung in schwierigen Zeiten.