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Elke Kleuren-Schryvers mit dem König von Djakotomey. Foto: APH
26. November 2025 Von NN-Online · Niederrhein

Ein Treffen mit dem König

Aufbrüche nach schwierigen Zeiten im APH-Krankenhaus in Benin

NIEDERRHEIN. Es war eine in vielerlei Hinsicht sehr besondere Reise – und das nicht nur, weil zum ersten Mal in der nun 30-jährigen Geschichte der Projektarbeit der Aktion pro Humanität (APH) in Benin seine Majestät, der König von Djakotomey, dem APH-Buschkrankenhaus einen Besuch abstattete. „Wir haben begonnen, unser Hospital für die Zukunft neu auszurichten“, erklären die beiden APH-Vorsitzenden Dr. Elke Kleuren-Schryvers und Dr. Rüdiger Kerner. „Wir gehen zuversichtlich weiter, haben viele, sehr vielversprechende und ermutigende Gespräche geführt und sehr viel Rückhalt in der Bevölkerung, bei unseren eigenen Mitarbeitenden und bei den Behörden erfahren.“

Dabei gehörten die vergangenen Monate sicher zu den bislang schwierigsten in der afrikanischen APH-Geschichte. „Es gab gravierende Fehler im örtlichen Krankenhausmanagement – gegen allen guten und sehr kompetenten Rat einer begleitenden Fachberaterin mit ihrem Controlling. Gegen alle Strategieplanungen, die der APH-Stiftungsvorstand selbst vor Ort mit dem Leitungsteam versuchte“, so Kleuren-Schryvers.

Parallel müssten herausfordernde Auflagen im neu konstellierten staatlichen Gesundheitssystem ausgeführt werden und der beninische Staat habe bereits zugesagte Rückzahlungen für bereits lange getätigte Kaiserschnittentbindungen noch nicht zurückerstattet. „Alles zusammen sorgte für eine deutliche wirtschaftliche Schieflage.“

Die APH-Spitze am Niederrhein reagierte im Juli endgültig und entließ die langjährige Führungsspitze des Hospitals, den Verwaltungsdirektor und den medizinischen Direktor.

Es gab also viel zu tun für die fünfköpfige APH-Delegation, die sich von Kevelaer aus wieder einmal auf den Weg in den westafrikanischen Busch gemacht hatte. „Wir spüren neue Aufbrüche in medizinischer und in wirtschaftlicher Sicht“, so die Kevelaerer Medizinerin Dr. Elke Kleuren-Schryvers erleichtert nach der intensiven Arbeitswoche in Westafrika. „Wir spüren sehr stark, dass man das Krankenhaus in dieser ländlichen Region in keinem, gar keinen Fall verlieren will.“

Mit Monsieur Thierry ist ein neuer Verwaltungsdirektor an Bord – die medizinische Leitung hat nun Dr. Worou übernommen, der seit vielen Jahren schon die gynäkologische Abteilung des Krankenhauses souverän leitet. Das Team des Planungs- und Beratungsbüros um Helene Bassalé mit ihrem Controlling-Experten, das die Missstände aufgedeckt hatte, bleibt APH ebenfalls treu.

Nicht mehr zu retten allerdings ist das zehn Jahre alte Röntgengerät, es muss ersetzt werden. „Wir haben dank der sofortigen Unterstützung der Zevens-Stiftung aus Kleve und der Stiftung der Familie Seibt aus Wesel-Flüren die Chance, ganz zeitnah ein neues Röntgengerät vor Ort in Benin erwerben und zu installieren,“ so Elke Kleuren-Schryvers. Für zwei defekte Laborgeräte müssen die APHler nun noch einmal Spendengelder zusammentrommeln.

Sorgen bereitet dem Team die Pädiatrie, die Kinderabteilung des Hospitals. „Die Frequenz ist nicht so, wie man sie erwarten könnte. Allerdings kommen offenbar auch nur die sehr schwer kranken Kinder in unser Hospital“, so Dr. Rüdiger Kerner. „Sieben von zehn Kindern sind wegen schwerster Blutarmut bei Malaria bereits im Koma, wenn sie bei uns ankommen“, berichtete die leitende Pädiaterin, Dr. Gisele. „Viele Kinder sehen wir leider erst viel zu spät, weil die Eltern Angst vor den Kosten haben“. Nachdenkliche Gesichter im APH-Team. „Wir arbeiten hier in einer der ärmsten Regionen Benins“, so Elke Kleuren-Schryvers. „Viele Familien können sich kaum eine tägliche Mahlzeit und erst recht medizinische Hilfe nicht leisten, obwohl wir mit unserem medizinischen Nothilfe-Fonds gerade solche Fälle auffangen wollen und wir mit unseren Preisen deutlich unter denen der staatlichen Krankenhäuser liegen. Wir werden wohl auf lange Sicht dieses Projekt finanziell unterstützen müssen. Doch so ist das mit einem klassischen ‚Armenkrankenhaus‘ – Gewinne wird man hier schwerlich erwirtschaften können.“ Annähernde Kostendeckung wäre schon großartig. Wichtig sei, dass die Menschen in der Region Couffo kompetente medizinische Hilfe auf internationalem Standard finden könnten und auch Hoffnung, Trost, Zuwendung. „Das ist unser gemeinsames, erklärtes Ziel mit dem Team in Gohomey.“

Mit dem Bischof des Bistums Lokossa, in dem das Krankenhaus liegt, werde sehr konstruktiv an Synergien, Kooperationen der medizinischen Versorgung in seinem Bistum gearbeitet.

Und dann gab es noch eine kleine Feierstunde. Das Gesundheitsministerium hatte dem Krankenhaus neues medizinisch-technisches Equipment geschenkt. Es gab viele Reden und gute Wünsche, viel Hoffnung und Zuversicht. Und dann ergriff der König von Djakotomey im Kreise der Dorfältesten das Wort. In traditioneller Kleidung, geschmückt mit traditionellen Amtsinsignien. „Danke, dass ihr dieses Krankenhaus für die Bevölkerung, für uns alle hier am Leben haltet. Wir sind sehr, sehr froh darüber.“ Tradition und Moderne - in Benin bestehen sie weiterhin wertschätzend nebeneinander.

Elke Kleuren-Schryvers mit dem König von Djakotomey. Foto: APH

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