Ein Ritter aus der Grenzgemeinde
Erstmals gibt es einen Ritter aus dem Nordkreis Kleve
KRANENBURG. Die feierliche Investitur der Ritterschaft vom Heiligen Sebastianus in Europa am Samstag, 17. Oktober, hat für den Kreis Kleve eine besondere historische Bedeutung. In der Kathedrale St. Michael und St. Gudula in Brüssel wurde Markus Peters aus Kranenburg-Schottheide in die Ritterschaft aufgenommen. Damit gehört erstmals ein Ritter aus dem linksrheinischen Nordkreis Kleve dieser europäischen Gemeinschaft (Europäische Gemeindschaft Historischer Schützen; EGS) an.
Was auf den ersten Blick nach mittelalterlichem Brauchtum klingt, ist in Wirklichkeit ein sichtbares Bekenntnis zu christlich geprägten Werten, gesellschaftlicher Verantwortung und einem friedlichen Europa. Vor den anwesenden Delegationen, darunter auch eine stattliche Anzahl an befreundeten Schützen aus seiner Heimatgemeinde Kranenburg, legte Markus Peters das Gelöbnis ab, die Grundsätze der Ritterschaft im persönlichen und öffentlichen Leben zu vertreten. Der Ritterschlag erfolgte durch EGS-Präsidenten und Prior Albert-Henri Prinz de Merode.
Für den Niederrhein war es zugleich die Fortsetzung einer positiven Entwicklung. Erst im Frühjahr wurden neue Ritter aus den Bezirken der historischen Schützenbruderschaften Rees und Moers aufgenommen. Damals war die Zahl der Ritter aus der Region auf insgesamt 17 gestiegen. Peters ist nun der 18. Ritter vom Niederrhein – und der erste, der den linksrheinischen Nordkreis Kleve innerhalb der Ritterschaft repräsentiert. Von mehr als einer Million Schützen, die europaweit in der EGS organisiert sind, gehören lediglich etwas mehr als 700 der Ritterschaft an.
Ritter wird man nicht durch eine Bewerbung im üblichen Sinne. In die Ritterschaft werden Persönlichkeiten aufgenommen, die sich über längere Zeit in besonderer Weise für das Schützenwesen, die Kirche, die Gesellschaft oder die europäische Verständigung eingesetzt haben. Vor der Aufnahme steht die Prüfung, ob Haltung, bisheriges Wirken und die Bereitschaft zu künftigem Engagement mit den Zielen der Ritterschaft übereinstimmen. Die Investitur gilt als eine der höchsten Auszeichnungen für Schützen und ehrenamtlich engagierte Menschen in Europa.
Die Ritterschaft vom Heiligen Sebastianus in Europa wurde 1985 auf Anregung Otto von Habsburgs gegründet und ist eng mit der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen verbunden. Ihr Leitgedanke lautet: Pro Deo – Pro Europae Christianae Unitate – Pro Vita, also für Gott, für die christliche Einheit Europas und für das Leben. Die Ritter sollen Brücken zwischen Regionen, Nationen und Generationen bauen, das historische Schützenwesen als kulturelles Erbe fördern und dort Verantwortung übernehmen, wo Gemeinschaft gestärkt und Hilfe benötigt wird. Entscheidend ist also das Handeln. Moderne Ritter fördern Begegnungen über Grenzen hinweg, unterstützen soziale und caritative Vorhaben, wirken in Vereinen und kirchlichen Gremien mit und werben für Toleranz, Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Sie verstehen sich als Botschafter eines Europas, das nicht allein durch Institutionen, sondern vor allem durch persönliche Kontakte und gemeinsames Tun wächst. Der Ritterschlag begründet somit kein Privileg, sondern eine dauerhafte Verpflichtung, Vorbild zu sein und weitere Menschen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen.
Mit Markus Peters wurde eine Persönlichkeit aufgenommen, die diesen Gedanken seit Jahrzehnten praktisch lebt. Der 56-jährige Schütze besitzt eine Mitgliedschaft in seinem Heimatverein, dem BSV Schottheide 1925, dem Schützenverein Kranenburg-Scheffenthum sowie in der St.-Johannes-Bruderschaft Donsbrüggen. In seinem Heimatverein übernimmt er seit vielen Jahren Verantwortung im Vorstand. Darüber hinaus engagiert er sich im Vorstand der Kreis Klever Schützenvereinigung. Sein Wirken verbindet örtliche Verwurzelung mit dem Blick über die Grenze: Seit mehr als 25 Jahren setzt er sich für die Zusammenarbeit deutscher und niederländischer Schützenvereine ein. Auch außerhalb des Schützenwesens war und ist der neue Riter ehrenamtlich in Gesellschaft, Politik und Kirche aktiv. Diese Verbindung unterschiedlicher Aufgabenfelder zeigt, wie die Rolle eines Ritters heute verstanden wird: als verlässliche Mitarbeit vor Ort, als Einsatz für andere und als Bereitschaft, Verantwortung nicht nur bei festlichen Anlässen, sondern im Alltag zu übernehmen.
Für den linksrheinischen Nordkreis Kleve erhält sein Ritterschlag dadurch eine besondere Strahlkraft. Er macht sichtbar, dass die traditionsreiche Schützenkultur der Region Teil eines größeren europäischen Netzwerks ist. Mit dem ersten Ritter aus nördlichen linksrheinischen Kreisgebiet, der Region zwischen Kranenburg und Geldern erhält die europäische Ritterschaft einen neuen regionalen Ankerpunkt. Zugleich richtet sich der Blick nach vorn: Markus Peters möchte weiterhin die grenzüberschreitenden Kontakte vertiefen, die Ideale der Gemeinschaft bekannter machen und Menschen für ein verbindendes Ehrenamt begeistern.