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Jutta Block in ihrem Garten in Labbeck. NN-Foto: SP
26. Februar 2024 · Xanten

Ein lebendiges Kino im eigenen Garten

In einem Naturgarten steckt vielfältiges Leben / Jutta Block und ihr Mann haben ihren Garten so angelegt, dass er Lebensräume schafft und gemütlich ist

LABBECK. Jutta Block aus Labbeck mag Strukturen. Als Ingenieurin ist sie jemand, der in klaren Strukturen denkt. „Und genauso hat auch mein Garten klare, aber natürliche Strukturen“, sagt Block und erinnert dabei an ein hebräisches Sprichwort: „Wie der Gärtner, so der Garten.“ Wer nun aber an akkurat geschnittene Hecken oder Rasenflächen beziehungsweise klar abgegrenzte Beete wie aus dem Bilderbuch denkt, liegt falsch. „Es gibt Bereiche, wo ich die Regie führe, aber es gibt auch Bereiche, wo nicht ich, sondern die Natur die Regie führt. Dort lasse ich einfach wachsen“, sagt Block. Was aber noch viel wichtiger ist: Jutta Block schafft in ihrem Naturgarten Lebensräume und fördert die Biodiversität. „Ich habe jeden Tag ein Kino in einem Garten“, sagt die 61-Jährige bezogen auf die Artenvielfalt in ihrem kleinen Paradies.

Lage checken

Als sich Jutta Block und ihr Mann 2015 den Traum von einem Haus im modernen Landhausstil in Labbeck erfüllten, haben sie das Gelände rundherum erstmal einige Zeit brachliegen lassen. „Wir wollten erstmal wissen: Wie ist der Sonnenstand? Wo ist die Schattenseite? Wo die Sonnenseite?“, erzählt Block. Danach erstellte sie eine lange Liste mit Elementen, die der Garten abdecken soll. Der Begriff „Naturgarten“ fiel damals noch nicht. „Aber unbewusst hatten wir viele Aspekte eines Naturgartens auf unserer Liste. Es ging also schon in diese Richtung“, sagt Block. So war es dem Ehepaar etwa wichtig, vor allem heimische Pflanzen im Garten zu haben. „Wir wollten schließlich auch einen lebendigen Garten mit vielen Insekten, Vögeln und anderen Lebewesen“, begründet Block.

Gartenplanerin

Schließlich beauftragte das Ehepaar Block eine Gartenplanerin, die ihnen half, den Gartenbereich rund ums Haus perfekt anzulegen. „Ein Garten braucht Höhen und Tiefen sowie Licht und Schatten“, sagt Block. Das Herzstück ihres Gartens ist heute eine Wildblumenwiese, die im Frühjahr bunt erblüht und spätestens im Sommer dann ihre volle Pracht entfaltet. Ebenso wie im sonstigen Gartenbereich gibt es hier nur heimische Wildpflanzenarten. „Das ist wichtig für den Erhalt unserer heimischen Tierarten“, sagt Block. Unzählige Bienen- und andere Insektenarten seien hier im Sommer zu finden.

Ein weiterer Blickfang im Labbecker Naturgarten ist – neben einem kleinen Wasserteich („Auch Wasser ist in einem Naturgarten wichtig“) – eine in die grüne Natur eingelassene Trockenmauer mit einem davorliegenden Baumstumpen. „Tothölzer ist ebenfalls ein ganz wichtiger Aspekt in einem Naturgarten. Da brummt das Leben drin“, sagt Block. Tothölzer würden schließlich zu den lebendigsten Lebensräumen gehören und für Nahrung, Versteck oder Baumaterial sorgen. „Sogar für Igel und Rotkehlchen bieten sie wertvollen Lebensraum“, sagt Block. Viele strukturreiche Lebensräume mit Nistmöglichkeiten und Verstecken würden schließlich einige Insekten und Tiere im Garten heimisch werden lassen. „Unser Garten steckt dadurch voller Artenvielfalt und Leben“, sagt Block stolz.

Wohlfühlparadies

Das Ehepaar hat sich ein wahres Wohlfühlparadies geschaffen, indem im Sommer auch eine Hängematte sowie ganzjährig eine großzügige Sitzecke sowie eine Bank am Haus mit direktem Blick über den Garten und das angrenzende weitläufige Feld Platz hat. „Es ist schön, hier abends zu sitzen und zu entspannen“, sagt Block. Wie viel Arbeit sie in ihren Naturgarten steckt, könne sie nicht sagen. „Das ist natürlich auch abhängig von der Jahreszeit“, sagt Block. Die Pflege eines naturnahen Gartens werde jedoch im Allgemeinen auf ein ökologisches Mindestmaß reduziert. „An vielen Stellen lasse ich einfach wachsen und überlasse es der Natur. An anderen Stellen helfe ich natürlich auch mal nach, sodass es für mich passt“, sagt Block.

Im Grunde sei alles aber sehr pflegeleicht – und ertragreich. „Ich hole oft Wildblumen oder Wildkräuter aus unserem Garten und mache daraus Pesto oder köstliche Quiches. Auch zum Salat schmecken sie pur hervorragend“, verrät die 61-Jährige. Auswahl gebe es immer genug, schließlich bauen die Blocks neben weiteren Kräutern wie Thymian oder Rosmarin unter anderem auch eigene Zwetschgen, Birnen und Trauben an. Letztere sogar aus einem weiteren, hilfreichen Grund: „Vor unseren Terrassentüren haben wir je eine Pergola aus Naturholz angebracht, an der Trauben ranken. Sie sind ein kulinarisches Highlight in unserem Garten, dienen uns im Sommer aber auch als natürliche Schattenspender, damit das Wohnzimmer nicht ganz so sehr aufheizt“, erklärt Block.

Natürliche Struktur

Jedes kleine und große Arrangement gebe ihrem Naturgarten eine natürliche Struktur, ohne dabei künstlich zu wirken. Fertig sei der Garten aber wohl nie. „Er entwickelt sich immer weiter“, sagt die Labbeckerin. Bei allem Neuen sei aber immer der naturnahe Aspekt wichtig – das haben die Blocks sogar bei einem zweiten PKW-Stellplatz 2022 berücksichtigt. „Wir haben unser zweites Auto abgeschafft und uns danach die Frage gestellt, was wir mit dem zweiten Stellplatz neben dem Haus machen. Dort sollten Besucherautos nach wie vor parken dürfen. Zudem ist der Stellplatz Durchgang zu den Mülltonnen, zum Fahrradschuppen und zum Garten“, erläutert Jutta Block die Ausgangslage. Die naturnahe Lösung war schließlich ein Schotterrasen, der mit Wildpflanzen bewachsen ist. „Er ist pflegeleicht und bietet trotzdem Lebensraum für Pflanzen und Tiere“, sagt Block.

Ein Naturgarten könnte für jeden etwas sein, meint die 61-Jährige. Es mache allerdings Sinn, sich vorher gut beraten zu lassen oder sich gründlich zu informieren. Denn ein paar Sachen – wie die Sonnen- und Schattenverhältnisse sowie der hiesige Boden, der die Wahl der Pflanzen etwas einschränkt – gebe es schon zu beachten, wenn der Naturgarten gelingen soll. Auch solle man auf das richtige Wildblumen-Saatgut zurückgreifen, das für die eigene Region passt. „Da gibt es Zertifizierungen“, sagt Block.

NaturGarten-Verein

Die Labbeckerin engagiert sich inzwischen im NaturGarten-Verein, Regionalgruppe linker Niederrhein, der zum Austausch zur „Faszination Naturgarten“ bereits einlädt. Weitere Infos gibt es online unter www.naturgarten.org/regionalgruppe-linker-niederrhein/.Sabrina Peters
Für Insekten ist der Garten Block ein Paradies.

Für Insekten ist der Garten Block ein Paradies.

An den kleinen Wasserteich grenzt direkt die Wildblumenwiese. Fotos (3): Jutta Block

An den kleinen Wasserteich grenzt direkt die Wildblumenwiese. Fotos (3): Jutta Block

In diesem Totholz „blüht das Leben“.

In diesem Totholz „blüht das Leben“.

Jutta Block in ihrem Garten in Labbeck. NN-Foto: SP

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