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Das Tambourcorps Rees in seiner aktuellen Besetzung. Foto: Michael Scholten
19. April 2024 · Michael Bühs · Rees

Ein Jahrhundert voller „Musik und Hingabe“

Tambourcorps Rees feiert am 4. und 5. Mai sein 100-jähriges Bestehen

REES. 100 Jahre Tambourcorps Rees – das bedeutet auch 100 Jahre „Musik, Engagement und Hingabe“, wie es Bürgermeister Sebastian Hense in seinem Grußwort formuliert. Und es steht für mittlerweile drei Generationen an Tambourmajoren – alle mit demselben Nachnamen: Roos. Und so werden am Festwochenende, 4. und 5. Mai, neben dem Verein selbst auch Familientraditionen gefeiert, denn neben Familie Roos gehört auch die Familie Arendsen in der mittlerweile vierten Generation seit der Gründung dem Tambourcorps an.

Die ersten Belege für einen Spielmannszug in Rees reichen bis ins Jahr 1733 zurück. Doch es sollten weitere fast 200 Jahre vergehen, ehe sich das Tambourcorps Rees gründete: Im Frühjahr 1924, in der Gaststätte Bertmann, wurde Fritz Roos zum Vorsitzenden und Stabführer gewählt. Der erste große Auftritt erfolgte am 14. und 15. Juli 1928: Zum 700. Stadtjubiläum trug das Tambourcorps Rees mit schmissiger Marschmusik zur Verschönerung des großen Umzugs bei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lud Fritz Roos im Herbst 1946 dann diejenigen, die den Krieg überlebt hatten, in die Gaststätte „Zur Flora“ ein. Die meisten Männer waren sich einig, dass das Tambourcorps wieder aufleben sollte. Fritz Roos wurde erneut zum 1. Vorsitzenden und Stabführer gewählt. Zum Feuerwehrverbandsfest in Haldern am 21. Mai 1950 trat das Tambourcorps Rees erstmals wieder in einheitlicher Uniform auf. Zu ihrem 30-jährigen Stiftungsfest am 2. Mai 1954 erschienen die Reeser Tambouren erstmals in ihren neuen blauen Uniformen.

Die 1970er Jahre begannen mit dem 70. Geburtstag des Tambourmajors am 7. April 1970. Im Vorfeld hatte Fritz Roos angekündigt, dass er am 70. Geburtstag den Tambourstab an seinen Sohn Erwin weitergeben würde. „Dabei konnte keiner ahnen, dass es so kommen würde“, erzählt Michael Roos, aktueller Tambourmajor und damit auch 1. Vorsitzender. „Noch Mitte der 1960er Jahre wusste mein Großvater nicht, dass mein Vater ihn im Amt beerben würde.“

Höhepunkte in der Geschichte des Reeser Tambourcorps waren stets die Stiftungsfeste. Zum 50. Jubiläum im August 1974 kamen 20 Spielmannszüge aus den Niederlanden, vom Niederrhein und aus Niedersachsen; Höhepunkt war das gemeinsame Spiel der rund 450 Musiker auf dem Markt. „Dank der Sponsoren war es das erste richtig große Fest mit einem Zelt auf dem Marktplatz“, erzählt Michael Roos. Das 70. Stiftungsfest im Mai 1994 fand erstmals im Bürgerhaus statt. Damals folgten 18 Musikvereine der Einladung. Das 90. Stiftungsfest im Mai 2014 setzte mit vielen Musikvereinen und 500 Gästen wieder Maßstäbe.

So wie Tambourmajor Fritz Roos an seinem 70. Geburtstag den Tambourstab an seinen Sohn Erwin weitergab, vollzog nun auch Erwin Roos diesen symbolischen Akt an seinem 70. Geburtstag. Am 30. Dezember 2001 reichte er den Taktstock an seinen Sohn Michael weiter, der schon seit fünf Jahren sein Stellvertreter sowie 2. Vorsitzender des Tambourcorps gewesen war. „Es gab eigentlich gar keine großen Diskussionen, dass es jemand anders als wieder der Sohn nachrücken würde“, erinnert sich Michael Roos schmunzelnd. Ob auch einer seiner Söhne mal den Tambourstab übernehmen wird, „steht noch nicht fest – es könnte aber durchaus sein“.

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens lohnt sich neben einem Blick auf und in die Geschichte des Tambourcorps auch ein Blick in die Zukunft – sprich auf das Thema Nachwuchs. „Die Sorgen sind schon da“, gibt Michael Roos offen zu, „es wird immer schwieriger, Leute für den Verein zu begeistern.“ Vor allem fehle vielen das Durchhaltevermögen. „Gerade Flötisten sind schwierig zu gewinnen“, sagt Roos. Auch die große Zahl an Auftritten – auf 40 bis 45 Termine komme das Tambourcorps im Jahr – sei „für manche vielleicht zu viel“, mutmaßt Roos. Dabei werde „alles gestellt, Uniformen und Instrumente. Und mit der Jugend unternehmen wir auch immer wieder Aktivitäten abseits der Auftritte.“

Vor allem aber hebt er die Bedeutung des Tambourcorps für Rees hervor: „Es ist eine echte Institution. Es gibt kaum eine öffentliche Veranstaltung, bei der wir nicht präsent sind.“ So sieht es auch Bürgermeister Hense: „Das Tambourcorps Rees ist mehr als nur ein Verein unserer Stadt. Es ist ein Symbol für Tradition, Gemeinschaft und steht wie kaum ein anderer Verein für die schönen Dinge im Leben.“

All dies will das Tambourcoprs nun auch am Samstag, 4., und Sonntag, 5. Mai, mit seinem 100. Stiftungsfest. Während am Samstag mit mehr als 500 Gästen im Bürgerhaus gefeiert wird, findet am Sonntag der große Umzug statt. Mehr als 20 Musikvereine mit etwa 450 Musikern beteiligten sich an einem großen Sternmarsch durch Rees, mit weiteren Gästen sind es rund 650 Teilnehmer. Zum Abschluss spielen 22 Musikkapellen vor dem Bürgerhaus; „das wird ein großes Highlight“, ist Roos überzeugt. MB

Das Tambourcorps Rees in seiner aktuellen Besetzung. Foto: Michael Scholten

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