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Bärbel Vick, Andreas Edler und Michael Rübo von der Klosterpforte. Im Hintergrund das Foto von Fritz Leinung. NN-Foto: HF
12. Dezember 2025 · Heiner Frost · Kleve

Ein Hafen für die Seele

Seit 46 Jahren gibt es in Kleve die Klosterpforte: Ein wichtiger Ort

KLEVE. Manche Sätze hinterlassen ein Echo. Eines, das lange nachwirkt in seiner grauen Traurigkeit ...

Manchmal meldet sich das Ordnungsamt bei der Klosterpforte. Es geht dann um eine Beerdigung. Da ist jemand verstorben, um den niemand trauert. Jemand, der nirgends vermisst wurde. Jemand, der keine Lücke hinterlässt. Jemand, der spurlostonlos abgereist ist in eine Ewigkeit ohne Gesellschaft. Da wird jemand beigesetzt und niemand kommt um das Gehen zu betrauern. Dann der Anruf.

„Niemand muss den letzten Weg allein gehen“, sagt Michael Rübo. Er ist Geschäftsführer der Klosterpforte. Die Klosterpforte ist ein Ort der Seelsorge. Nicht jeder mag das so sehen, aber im Kern ist es genau das.

Andere würden sagen: Die Klosterpforte ist ein Ort, an dem Menschen vom gedachten Rand der Gesellschaft angespült werden; zum Essen kommen; Hilfe suchen und vielleicht auch ein Gespräch. Die Klosterpforte ist ein Ort, an dem jede Seele zählt. Heiligabend zum Beispiel werden die Ehrenamtlichen ein Essen zubereiten: Suppe, Spätzle mit Wildfleisch und anschließend Herrencreme. „Ohne Herren“, sagt Bärbel Vick und meint: ohne Alkohol.

Circa 70 Gäste werden kommen und für ein paar Stunden aufgehoben sein. Bärbel Vick leitet seit nunmehr sechs Jahren die Klosterpforte. Sie kennt sich aus mit den Sorgen und Nöten der „Klienten“. Klienten – das ist vielleicht ein Wort, das zu technisch daher kommt. Zu klinisch. Wer zur Klosterpforte kommt, ist nicht Klient – es sind Menschen, die alltäglich besondere Herausforderungen zu meistern haben: Wohnungslosigkeit vielleicht oder Armut. Ein Mittagessen in der Klosterpforte kostet einen Euro. „Wer den nicht hat, kann anschreiben lassen“, sagt Bärbel Vick. Fünf Euro darf der Deckel haben. Dann muss etwas passieren. Küchenhilfe vielleicht. Wie wär`s mit Kartoffelschälen und Abwaschen? Der Euro für`s Essen ist am Ende symbolisch und soll einen Wert vermitteln.

Die Klosterpforte ist ein Verein. Circa 35 Ehrenamtliche arbeiten zum Wohl der Menschen, die dorthin kommen – manche als Stammgäste, andere immer mal zwischendurch. Man muss nicht nur an Obdachlose denken. Andreas Edler, Vorsitzender des Vereins Klosterpforte: „Es kommen auch Menschen, die von Altersarmut betroffen sind.“ Viele von denen, die kommen, sind im Bürgergeldbezug.

Ja – es gibt Menschen, die sich ihr Alter nicht leisten können. Menschen, für die das Leben eine Herausforderung an der Basis darstellt – Menschen, für die die Herausforderung nicht darin besteht, wohin es im Urlaub gehen soll oder ob der neue Fernseher soundsoviel Zoll haben soll oder vielleicht mehr.

Die Klosterpforte ist ein Ort der Kommunikation. Ein warmes Essen ist nur ein Aspekt des Menschseins – zugegeben: ein elementarer. Aber da sind auch andere elementare Dinge. Immer wieder denkt man, dass es um Seelsorge geht. Fritz Leinung, seines Zeichens Priester, gehörte zu den Gründern der Klosterpforte. Im Essraum hängt sein Bild an der Wand – ganz unaufdringlich. Leinung war – da ist es wieder – ein Seelsorger im besten Sinn. Es ging und geht nicht um das „Parteibuch des Glaubens“ – es ging ihm und geht seither um die Menschlichkeit – um ein Zuhause für die Seele. Die Pforte arbeitet mit finanzieller Unterstützung der Stadt, aber sie finanziert sich eben auch über Spenden. Manche spenden Geld, andere Essen und andere Notwendigkeiten.

Am 22. Dezember, zwei Tage also vor dem Weihnachtsmenü, findet eine „Tütenausgabe“ statt. Circa 130 Tüten werden ausgegeben – gefüllt mit Süßig- und Nützlichkeiten. Seelsorge.

Längst geht es bei der Klosterpforte um mehr als Mahlzeiten. Bärbel Vick: „Wir sind gut vernetzt, und wenn jemand mit Problemen zu uns kommt, die wir nicht lösen können, dann haben wir vielleicht die Verbindung zu Menschen, die es können.“ Manchmal geht es um vermeintlich kleine Dinge: Jemand braucht einen neuen Ausweis und hat das Geld nicht. Jemand braucht eine Fahrkarte. Andere brauchen vielleicht medizinische Hilfe ... und manchmal geht es darum, dass jemand seinen letzten Weg nicht allein gehen soll. Dann meldet sich das Ordnungsamt. „Niemand geht den letzten Weg allein“, sagt Michael Rübo.

Wer mehr über die Klosterpforte und ihre Geschichte wissen möchte, findet unter der Internetadresse https://www.himmelfahrt-kleve.de/hilfe-unterstuetzung/klosterpforte ausführliche Informationen.

Bärbel Vick, Andreas Edler und Michael Rübo von der Klosterpforte. Im Hintergrund das Foto von Fritz Leinung. NN-Foto: HF

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