Ein Foto, das alles veränderte
Lesung mit Bernhard Lensing am 4. Februar in der Stadtbücherei Rees
REES. Bernhard Lensing stellt am Mittwoch, 4. Februar, in der Stadtbücherei Rees sein Buch „Ein Hof, mein Vater und der Krieg“ vor. Darin geht er der bislang unbekannten NS-Vergangenheit seines Vaters nach. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr, der Eintritt ist frei.
Die Entstehung war Detektivarbeit in der eigenen Familiengeschichte. Bernhard Lensing wurde 1948 als sechstes von sieben Kindern auf dem Uferhof in Emmerich-Hüthum geboren. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er als junger Mann die Bewirtschaftung des elterlichen Hofes. Beim Stöbern im Familienarchiv fällt ihm ein Foto in die Hände, das sein Bild vom eigenen Vater ins Wanken bringt. Warum trägt sein inzwischen verstorbener Vater auf dem Foto eine SA-Uniform? Sein Vater hatte ihm nie erzählt, dass er Mitglied der SA gewesen war.
Diese Frage beschäftigt Lensing jahrelang. Anhand von Briefen, Urkunden und Tagebüchern recherchiert er über die Rolle seines Vaters in den 1930er und 1940er Jahren. Jede neue Quelle ist ein Puzzleteil aus der Vergangenheit, deren Gesamtbild er schließlich als Buch veröffentlicht. Herausgekommen ist ein 236 Seiten starkes Buch, das nicht nur ein Stück Familiengeschichte schildert, sondern exemplarisch für die Bauernpolitik des Nationalsozialismus steht.
Somit trägt das Buch zurecht den Untertitel „Nationalsozialismus am Niederrhein“ und schildert die Situation der Bauern in den 1930er Jahren, ihre von Hitler zugedachte Rolle und die damit verbundenen Zwänge. Die Zeitspanne des Buches reicht von der sogenannten Machtergreifung bis hin zu den Schrecken und Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Bernhard Lensing musste feststellen, dass sein Vater zwar kein überzeugter Nationalsozialist war, aber nahezu widerstandslos die Gleichschaltung und die NS-Diktatur hingenommen hat. Später übernahm er in seinen Briefen auch das NS-Vokabular, was Lensing besonders nachdenklich macht. Angesichts der aktuellen Entwicklungen in Deutschland und der Welt sorgt sich Lensing um die Verletzlichkeit der Demokratie. „1933 darf sich nicht wiederholen“, lautet Lensings Appell.
Die Autorenlesung ist eine gemeinsame Veranstaltung der Stadtbücherei Rees und des Reeser Geschichtsvereins Ressa. Einlass in die Bücherei am 4. Februar ist ab 15.30 Uhr.