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13 Künstler treten in dieser Ausstellung aktiv in den Austausch mit Joseph Beuys‘ Kunst. Fotos (2): Rüdiger Dehnen
10. Juli 2025 · Jacqueline Kurschatke · Bedburg-Hau

Ein Dialog mit Joseph Beuys im Museum Schloss Moyland

Neue Ausstellung von 13 Künstlern startet ab Sonntag, 13. Juli

BEDBURG HAU. Wer mit „Kunst“ nur klassische Gemälde, Fotografie oder Installationen verbindet, dem beschert das Museum Schloss Moyland bald eine neue Perspektive. Am Sonntag, 13. Juli ab 14 Uhr, eröffnet die Ausstellung „Marina Abramovic & MAI im Dialog mit Joseph Beuys“. Dabei greifen 13 Künstler aus aller Welt, verschiedene Werke von Beuys auf und interpretieren sie in Form von Langzeit-Performances für sich neu. Die Ausstellung ist bis zum 26. Oktober zu besichtigen.

Ein Mann lässt sich reglos, getarnt mit Blättern, im Wassergraben um das Schloss treiben. Gleichzeitig sitzt eine Frau drinnen auf einem Boden voller Erde und versucht sich daran, aus Reiskörnern Pflanzen wachsen zu lassen während sie menschliche Haare um alte Schiffsseile bindet: Ohne den nötigen Kontext sind diese Beispiele bizarre Bilder im Kopf, jedoch haben sich die Künstler in einem Prozess von drei Monaten nicht nur mit Joseph Beuys auseinandergesetzt, sondern auch mit sich selbst, der Umwelt und Natur. Angeleitet wurden sie dabei auch von der Künstlerin Marina Abramovic, die seit Jahrzehnten mit Langzeit-Performances arbeitet. Wie sie 2015 in einem Vortrag berichtete, sei die ständige Wiederholung simpelster Dinge ein Weg, die Emotionen zu spüren die man im Alltag oft versuche zu vermeiden – etwa Frustration, Wut oder Langeweile. In diesem Zusammenhang entstand bereits 2014 die Arbeit „Counting the Rice“ (Den Reis zählen), bei der eine Vielzahl Mailänder Studenten stundenlang Reiskörner nach Farben sortierten und zählten, weg von der Ablenkung äußerer Einflüsse und zurück dahin, in sich selbst hinein zu hören. Zwei Jahre zuvor hatte Abramovic ihr „Marina Abramovic Institut“ gegründet, um jungen Künstlern das Konzept der Langzeit-Performances zu lehren sowie Verbindungen zwischen Kunst, Wissenschaft, Kultur und Spiritualität sowie Technologie zu schaffen.

Im Museum Schloss Moyland, können die Besucher sich jede Woche auf eine andere Art der künstlerischen Darstellung freuen, sich an manchen sogar selbst beteiligen. So lädt der Künstler Francesco Marzano vom 22. Juli bis 3. August dazu ein, in seinem Werk „Pneuma“, gemeinsam mit ihm zu atmen und der Atmung dabei zu lauschen. Ziel sei es, ein Zusammenspiel von Geräuschen und Rhythmen zu schaffen, eine Hommage an die „Urkraft des Lebens“. Künstlerin Rubiane Maia nutzt während ihrer Darstellung „Coming from the Plants“ vom 5. bis 10. August, echten Reis aus Ghana, um daraus Pflanzen zu züchten. Ein Versuch, sich selbst zu erden, während sie die Geschichte Schwarzer Menschen und generationsübergreifende Traumata durch die Kolonialzeit sowie jahrhundertelange systematische Diskriminierung aufarbeitet. So sollen Schiffsseile das Verschleppen versklavter Menschen aus Afrika repräsentieren, während menschliche Afro-Haare in dieser Darstellung für die afrikanische Kultur stehen, die auch heute noch, sinnbildlich, eng mit der Geschichte verflochten sind.

Abseits der Performances steht den Besuchern auch die große Ausstellungshalle des Museums für eine Besichtigung zur Verfügung. Hier liegt der Fokus auf Beuys‘ berühmtesten Werken in der Aktionskunst, etwa seiner Darstellung „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt.“ Über Stunden hielt er dabei einen toten Hasen auf dem Arm. Marina Abramovic griff viele von diesen Darstellungen in ihrer Karriere auf, reproduzierte sie, arbeitete mit Beuys zusammen. Den Werdegang der beiden Künstler und ihre gemeinsame Arbeit lernen die Besucher dabei kennen und zu verstehen.

Der Eintritt zur Ausstellung kostet neun Euro (ermäßigt sechs Euro) für Erwachsene. Kinder unter 18 Jahren sind frei. Um die Ausstellung mehrmals besuchen zu können, ist alternativ der Erwerb einer Dauerkarte zum Preis von 30 beziehungsweise 21 Euro möglich. Darüber hinaus bietet das Museum auch Führungen mit den Kuratoren der Ausstellung auf Deutsch, Englisch, Niederländisch sowie Arabisch an. Die Kosten hierfür betragen sechs Euro pro Person, ermäßigt drei Euro.

Marina Abramovic, 7 Easy Pieces, Performing Joseph Beuys, How to Explain Pictures to a Dead Hare (1965), Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 2005 Foto: Attilio Maranzano

Marina Abramovic, 7 Easy Pieces, Performing Joseph Beuys, How to Explain Pictures to a Dead Hare (1965), Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 2005 Foto: Attilio Maranzano

Unter dem Titel „Camouflage“ präsentiert sich der Künstler Esref Yildirim vom 13. bis 20. Juli getarnt mit Blättern und einem grünen Netz im Wassergraben um das Schloss. Dabei möchte er Nähe zu den dort lebenden Tieren aufbauen, ohne aktiv in ihren Lebensraum einzugreifen. Über Stunden treibt er an der Wasseroberfläche und macht auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier aufmerksam, welche oft durch Ausbeutung und Wilderei geprägt ist .Foto: J. Kurschatke

Unter dem Titel „Camouflage“ präsentiert sich der Künstler Esref Yildirim vom 13. bis 20. Juli getarnt mit Blättern und einem grünen Netz im Wassergraben um das Schloss. Dabei möchte er Nähe zu den dort lebenden Tieren aufbauen, ohne aktiv in ihren Lebensraum einzugreifen. Über Stunden treibt er an der Wasseroberfläche und macht auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier aufmerksam, welche oft durch Ausbeutung und Wilderei geprägt ist .Foto: J. Kurschatke

13 Künstler treten in dieser Ausstellung aktiv in den Austausch mit Joseph Beuys‘ Kunst. Fotos (2): Rüdiger Dehnen

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