Ein allumfassender Einblick in die Welt der Berufe
Der 18. „Tag der Ausbildung“ informiert am 28. Januar im Berufskolleg Geldern
2006 ging es mit rund 30 teilnehmenden Unternehmen noch ziemlich bescheiden zu, aber der „Tag der Ausbildung“ hat sich immer mehr zu einem festen Format am Niederrhein gemausert - und ist mittlerweile auch über dessen Grenzen hinaus ein strahlendes Beispiel, das beweist, dass Ausbildungsmessen sehr wohl einen großen Mehrwert sowohl für angehende Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber bieten. Lucas van Stephoudt, Wirtschaftsförderer der Stadt Geldern, kann sich noch gut an eine Aussage in einem Seminar zum Thema Fachkräftemangel erinnern: „Machen Sie bloß keine Ausbildungsmesse“, habe es dort geheißen. „Da kommen höchstens zehn Betriebe, das funktioniert nicht.“ Van Stephoudt ergänzt: „Sie kannten aber das Beispiel aus Geldern noch nicht. Da waren alle total verblüfft, dass es tatsächlich eine Messe gibt, die sehr gut funktioniert. Darauf können wir als Region sehr stolz sein.“
Die Ausbildungsmesse kommt nicht nur den vor dem Sprung in die Berufswelt stehenden jungen Menschen zugute, indem sie sie über die vielfältigen Möglichkeiten der Ausbildungswelt aufklärt und Möglichkeiten für einen guten Einstieg bietet. Das zweite Ziel des Formats deckt sich mit dem Interesse der teilnehmenden Betriebe: die Bekämpfung des Nachwuchsmangels. „Wir müssen ein Sprungbrett bieten“, sagt Andreas Boland, Schulleiter des Berufskollegs Geldern des Kreises Kleve.
Teil dieses Sprungbretts wird auch die Firma Neyenhuys aus Geldern sein, die vor Ort den Nachwuchs von den Möglichkeiten der Berufe überzeugen möchte. Seit der Gründung 1959 hat sich der Familienbetrieb stetig weiterentwickelt: Sanitär und Heizung, Elektro und Energie sowie Farben und Baddesign gehören mittlerweile zum Aufgabenbereich. Diesen decken derzeit 32 Mitarbeiter ab, davon sieben Auszubildende, und auch die nächste Generation der Familie Neyenhuys ist schon mit an Bord. Das Problem, neue Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, kennt Inhaber Hans-Gerd Neyenhuys dennoch nur zu gut. Solche Handwerksberufe seien nicht mehr die beliebtesten. Dementsprechend würde sich manch einer nur deshalb bewerben, weil er müsste. Erschwerend hinzu kämen zudem oft noch fehlende Grundkenntnisse. Das aber möchte man bei Neyenhuys bald mit einer neuen Lehrwerkstatt angehen. Und weil das Handwerk seinem Ruf zum Trotz nicht nur ein Männerberuf ist, stehen auch die jungen Frauen immer mehr im Fokus.
Infos aus erster Hand
Glücklich sind die ausrichtenden Kooperationspartner nun vor allem darüber, dass sich junge Leute und Betriebe wieder von Angesicht zu Angesicht begegnen können. „Nichts geht über persönlichen Kontakt“, betont Boland. Nur so könne man dem potenziellen Nachwuchs den Beruf und vor allem auch die Leidenschaft für ihn wirklich greifbar vermitteln. Vor allem, wenn es junge Azubis sind, die ihre Perspektiven einbringen und somit ihre Erfahrungen „auf Augenhöhe“ weitergeben, wie Andrea Verhülsdonk von der Kreishandwerkerschaft sagt.
Auch für die Arbeitnehmer der Zukunft ist es wichtig, den richtigen Job für sich zu finden und darin glücklich zu werden. „Der falsche Job macht krank“, betont Thorben Möller von der AOK. Das kann Bauch- und Kopfschmerzen sowie Schlafstörungen zur Folge haben, aber auch Burnout und Depressionen. Eine Studie hat gezeigt: mit ihrem Beruf unzufriedene Menschen sind im Jahr durchschnittlich zwei Wochen krank, erzählt Möller. Der „Tag der Ausbildung“ bündelt zentral im Berufskolleg eine riesige Berufsdichte und ist daher eine denkbar gute Gelegenheit, sich für eine passgenaue berufliche Zukunft zu informieren oder zumindest das Feld weiter einzugrenzen.
Vertreten sind alle erdenklichen Bereiche und Branchen, zum Beispiel Wirtschaft und Verwaltung, Gesundheit und Soziales, Agrobusiness, Handel, Handwerk, Technik, Ernährung und Versorgung, Versicherungen sowie Bundeswehr, Zoll und Polizei.
Einstieg durchs Praktikum
Der Tag der Ausbildung bietet nicht nur Infos über Berufe, sondern unter Umständen einen direkten Einstieg in die Karriere. Denn schon öfter haben am Tag der Ausbildung geknüpfte Kontakte zu einem unterschriebenen Ausbildungsvertrag geführt. Vorangegangen sind in solchen Fällen häufig Praktika, die zeigen, ob es passt oder nicht. So könnte sich der weitere Bewerbungsprozess erübrigen: „Im Handwerk ist das oft der Fall“, sagt Verhülsdonk. Natürlich kann auch ein erstes Gespräch schnell Klarheit verschaffen: das macht es nicht nur den jungen Menschen, sondern auch den Betrieben leichter. „Wichtig ist, transparent und umfassend über die Berufe in der Region zu informieren“, betont Lucas van Stephoudt.
Praxisnahe Einblicke
Auch Anschaulichkeit spielt am 28. Januar eine Rolle. Zum Beispiel in den überbetrieblichen Lehrwerkstätten der Dachdecker-, Elektro- und Tischlerinnungen, wie Richard Thielen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, erzählt. Auch die Bäcker gehen in der Backstube live ihrem Handwerk nach. Ein Highlight wird sicherlich die Inbetriebnahme einer Wärmepumpe sein, wie Tim Neyenhuys erzählt.
Online fündig werden
Auch wenn die Online-Börse der letzten zwei Jahre als Lösung nur „second-best“ war, wie Andreas Boland sagt, ist jedoch die mittlerweile überarbeitete Website aus dieser Zeit weiterhin eine sinnvolle Ergänzung. Unter tagderausbildung.berufskolleg-geldern.de finden Interessenten bald wieder viele in Kategorien unterteilte Ausbildungsberufe beziehungsweise Unternehmen, Behörden und Bildungseinrichtungen, die Plätze anbieten.T. LangerDie Veranstalter freuen sich darauf, am „Tag der Ausbildung“ neben den 135 Ausstellern aus allen erdenklichen Bereichen auch viele junge Gäste begrüßen zu dürfen. NN-Foto: Thomas Langer