"Fachtag Suchtvorbeugung 2023 in Kevelaer mit 125 Teilnehmern, Fokus auf Druckmanagement, organisiert vom Arbeitskreis Kreis Kleve"
15. Oktober 2026 · Thomas Langer · Niederrhein

Druck als Motivator und Problemquell

Der Arbeitskreis Suchtvorbeugung im Kreis Kleve lud zum Fachtag nach Kevelaer ein

KREIS KLEVE. Mit dem Druck ist das so eine Sache: Er kann Motivator sein, aber genauso ungesunde Folgen nach sich ziehen – vor allem, wenn Dauerstress und Bewältigungsstrategien Süchte beflügeln. Entsprechend hat der Arbeitskreis Suchtvorbeugung im Kreis Kleve das Thema seines diesjährigen Fachtags gewählt: „Ich brauch‘ den Druck… oder nicht?“

Seit Ende der 90er Jahre bietet der Arbeitskreis Suchtvorbeugung alle zwei Jahre einen Fachtag an, um Fachkräfte zu verschiedenen Themen zu sensibilisieren und zu fördern. „Wir versuchen immer Themen zu nehmen, die in unseren Einrichtungen präsent sind – wo immer wir auch arbeiten“, erklärt Petra van Bergen von der Diakonie im Kirchenkreis Kleve. Die Zielgruppen sind offenbar überzeugt: Alle Kapazitäten waren in diesem Jahr ausgereizt, 125 Teilnehmer kamen im Bühnenhaus der Stadt Kevelaer zusammen.

Egal ob klassischer Leistungsdruck oder durch Social Media: Wie van Bergen erläutert, stünden vor allem junge Menschen immer wieder unter Druck. Aber nicht nur sie: Aufgekommen ist das Thema nämlich nach der letzten Fachtagung aus einer persönlichen Erfahrung heraus: „Wir merkten: Wir haben es unter Druck richtig gut hinbekommen, aber es war auch super stressig.“

Weil sich der Fachtag aber schon einmal dem Leistungsdruck gewidmet hatte, sollte es dieses Mal eher um den Druck gehen, „den wir uns innerlich machen: Weil wir Sachen aufschieben, weil wir uns zu hohe Ziele setzen, weil wir vielleicht die Bedürfnisse anderer erfüllen“, erläutert van Bergen.

Gemeinsam auf dem Weg

Die diesjährigen Angebote zielten nicht nur darauf ab, wie die Fachkräfte ihre Klienten in diesem Sinne besser begleiten können, sondern auch darauf, wie sie für sich selbst sorgen können: „Wie gehe ich mit Druck und meinem Arbeitsstress um?“, erläutert Stefan Schmelting vom evangelischen Kirchenkreis Kleve.

Seiner Natur gemäß wollte der Arbeitskreis Suchtvorbeugung gleichzeitig die „Brücke zur Suchtprävention schlagen“, ergänzt Barbara Kortland vom Caritasverband Kleve. „Es kann ja sein, dass mir die verschiedenen Suchtmittel helfen, mit dem Druck umzugehen oder dass sie mich leistungsfähiger machen“, sagt Tim Rambach von der Suchtvorbeugung der Diakonie. Das könne für ein, zwei Mal ein Weg sein, „aber kein dauerhafter.“ Damit meint er nicht nur illegale Substanzen. Es könnten ebenso gut Medien sein oder das regelmäßige Glas Alkohol zur Entspannung. Vermeiden ließen sich ungesunde Strategien, indem man lerne, auf alternativen Wegen besser mit dem Druck umzugehen oder ihn zu vermeiden.

Damit diente der Tag auch der Vernetzung, „damit die Prävention im Kreis Kleve gebündelt ist“, sagt van Bergen. „Wir wollen uns gemeinsam auf den Weg machen.“

Vortrag und Workshops

Einen ersten Impuls lieferte die Psychologin Celina Neuß zum Thema „Zwischen Prokrastination, Druck und Stress“: Eine theoretische Einführung in das, was hinter Aufschieberei steckt, was man dagegen tun und wie man junge Menschen unterstützen kann, aus dieser Schleife herauszukommen. Den Spruch „Unter Druck arbeite ich besser“ sieht Rambach seither kritischer: „Das Ergebnis wird nicht besser, weil ich nur das abrufen kann, was ich schon habe. Ich habe kein neues Wissen, nur weil Druck vorhanden ist“, erläutert er. Meist gehe es bei Prokrastination darum, mit einer bestimmten Sache verbundene negative Gefühle zu vermeiden. „Aber eigentlich weiß ich doch: Wenn ich fertig bin, habe ich ein gutes Gefühl.“ Eine weitere Erkenntnis: Statt aus einem Misserfolg zu lernen und das nächste Mal früher anzufangen, steige für viele Menschen die Hemmschwelle noch weiter. „Man hat von vornherein ein noch schlechteres Gefühl und neigt noch mehr dazu, nicht anzufangen.“

Weitere Ansätze lieferten die Workshops: zum Beispiel Yoga als Bewältigungsstrategie für die Mitarbeiter selbst. Sensibilisiert wurden sie darüber hinaus beim Workshop „Wertebasiertes Handeln in der Präventionsarbeit“. Hier ging es um Selbstreflexion und Haltung: Welche Werte leiten mein pädagogisches Handeln? Wodurch können diese Werte im Berufsalltag unter Druck geraten? Mit welchen Ressourcen kann ich dem Druck begegnen?

Hinzu kamen die Methodentasche „Body-and-Mind-Trainingszirkel“ zu Sport, Körper und Social Media, das Angebot „Digitale Medien – Immer Online – ist Abschalten OK?“ über digitale Balance sowie ein Workshop zum Thema Glück: für mehr Wohlbefinden in Beruf und Alltag.

Mehr zum Arbeitskreis gibt es unter https://www.suchtvorbeugung-kreis-kleve.de.

Der Arbeitskreis Suchtvorbeugung im Kreis Kleve hat seinen diesjährigen Fachtag dem Thema Druck gewidmet. 125 Teilnehmer waren der Einladung nach Kevelaer gefolgt. NN-Foto: Thomas Langer

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