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Das DRK-Rettungsboot „4life“ ist regelmäßig auf dem Rhein zwischen Rheinberg und Xanten unterwegs.Fotos: Chrisi Stark
12. August 2025 · Sabrina Peters · Niederrhein

DRK-Wasserwacht Niederrhein warnt: Der Rhein bleibt für Schwimmer gefährlich

Die DRK-Wasserwacht Niederrhein warnt davor, den Rhein zu unterschätzen und als Badeort zu nutzen / Kritik am Zustand der Slipanlagen

KREIS WESEL. Ein sommerlich-warmer Tag im August am Rhein bei Orsoy: Zwei junge Erwachsene werfen sich im flachen Gewässer eine Frisbee hin und her, ein kleines Mädchen badet im kühlen Nass, zwei junge Frauen sind am Sandstrand hinter ihr; sie behalten das Kind aber nicht durchgehend im Blick. Die DRK-Wasserwacht Niederrhein fährt zeitgleich mit einem Einsatzrettungsboot „4life“ rund 60 Meter vom Ufer entfernt den Rhein entlang. „Wenn jetzt jemand in Not geraten würde, könnten wir nicht helfen, obwohl wir direkt vor Ort wären. Der Rhein zieht selbst geübte Schwimmer direkt tief unter Wasser, weil er ein Gewässer mit Sogwirkung ist und einfach nicht berechenbar“, sagt Klaus Püttmann, Leiter der DRK-Wasserwacht Niederrhein. Das Tückische seien die Unterströmungen, die an der Wasseroberfläche nicht immer sofort zu sehen seien, gegen die aber selbst erfahrene Schwimmer keine Chance hätten. „Mit zwei Metern pro Sekunde würde der Rhein die Person aufgrund seiner Strömung sofort mitziehen“, betont Püttmann. Eine Rettungschance sei deshalb kaum noch gegeben.

Püttmann kann daher auch immer wieder nur den Kopf schütteln, wenn er sieht, wie sorglos viele Bürger den Rhein als Badegewässer nutzen. „Viele genießen die Natur und möchten den Rhein zur Erholung nutzen. Bei den heutigen Eintrittspreisen können sich viele Familien vielleicht auch einen Ausflug ins Freibad nicht mehr leisten, aber der Rhein ist da keine Alternative. Die Schiffe, die dort verhältnismäßig schnell fahren, verursachen Wellen und Unterströmungen, gegen die kein Mensch ankommt. Ich kann deshalb nur immer wieder appellieren, nicht im Rhein zu schwimmen und noch nicht einmal mit den Knöcheln ins Wasser zu gehen, denn die Sandbänke können jederzeit nachgeben, und es besteht die Gefahr, von einer Strömung mitgerissen zu werden. Der Rhein kann jederzeit – zum Beispiel auch von der Fähre Walsum-Orsoy – die Richtung seiner Strömung ändern“, sagt Püttmann, der das geplante „Badeverbot am Rhein“, das die Stadt Düsseldorf derzeit erarbeitet und das kurzfristig in Kraft treten soll, deshalb auch begrüßt: „Es scheint ja nicht anders zu gehen als mit einem Verbot.“

Schon seit 42 Jahren leitet Klaus Püttmann die DRK-Wasserwacht Niederrhein, die für den Einsatzabschnitt ab Rheinkilometer 797 (Rheinberg) bis Rheinkilometer 820 (Xanten) zuständig ist. „Das Gebiet teilen sich an Landseite die jeweils anliegenden Feuerwehrstellen“, sagt Püttmann. In einer Notsituation auf dem Rhein rufen diese dann die DRK-Wasserwacht hinzu, die auch so regelmäßig auf dem Rhein Präsenz zeigt. Dazu verfügt die DRK-Wasserwacht Niederrhein über vier Einsatzboote. Das größte von ihnen – das „4life“ – kann bis zu 70 Stundenkilometer schnell fahren und ist wie ein Einsatzleitungsfahrzeug der Feuerwehr zu verstehen. „Von hier aus kann man Einsätze koordinieren“, erklärt Püttmann. Gleiches gelte auch für das etwas kleinere Boot „Phoebus“. Die zwei Hochwasserboote seien hingegen direkt für eine Rettung aus dem Wasser vorgesehen. „Unser Vorteil ist, dass wir damit auch nah ans Ufer heranfahren können“, sagt Püttmann.

In diesem Jahr musste die DRK-Wasserwacht Niederrhein, bei der zurzeit 30 Ehrenamtler aktiv sind, erst zu einem Einsatz ausrücken. Bundesweit gab es in diesem Jahr aber schon mehrere Badetote zu beklagen. Erst Ende Juli wurde ein 19-Jähriger, der am sogenannten Paradiesstrand am Rhein in Düsseldorf schwimmen gegangen war und dort von der Strömung mitgerissen wurde, tot in Emmerich geborgen. Die DLRG hat bundesweit in diesem Jahr bereits 236 Badeunfälle an Seen und Gewässern wie dem Rhein gezählt – glücklicherweise nicht alle mit tödlichem Ausgang. „Das ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings keine besonders hohe Zahl. Sie liegt noch im Normbereich. Was sich allerdings in den vergangenen Monaten geändert hat, sind die Berichterstattungen darüber. Es wird – zurecht – immer mehr davor gewarnt und deshalb auch immer mehr darüber berichtet“, meint Püttmann.

Für die DRK-Wasserwacht bedeute jeder Einsatz am Rhein auch eine besondere Herausforderung. „Wir stellen uns jedes Mal die gleiche Frage: Wie sollen wir auf den Rhein kommen? Die Slipanlagen (ein speziell dafür vorgesehener Platz am Ufer, an dem Boote und kleinere Schiffe zu Wasser gelassen oder aus dem Wasser geholt werden können; Anm. d. Red.) sind zum Teil in keinem guten Zustand“, sagt Püttmann. Das Problem dabei sei vor allem, dass niemand sich für die Slipanlagen verantwortlich zeichnen würde: Das Land NRW sagt, die Kommunen seien zuständig, diese wiederum sehen das Land in der Pflicht. Hier müsse dringend Einigkeit geschaffen werden, fordert Püttmann auch im Gespräch mit René Schneider, der den Wahlkreis Wesel II im nordrhein-westfälischen Landtag vertritt und der DRK-Wasserwacht Niederrhein im Rahmen seiner diesjährigen Sommertour einen Besuch abstattete. Püttmann wünschte sich in dem Austausch jedoch auch mehr finanzielle Mittel, vor allem für die technische Ausrüstung. „Bisher haben wir als DRK alles eigenständig finanziert“, sagt Püttmann.

Das sei jedoch zunehmend schwieriger geworden. Eine gut ausgestattete Wasserwacht brauche – neben dem Einsatz ihrer Ehrenamtlichen – funktionierende Slipanlagen, moderne Einsatzboote und eine gesicherte Finanzierung. Am grundsätzlichen Risiko ändere das jedoch nichts: Das Baden im Rhein bleibe lebensgefährlich. Die Präsenz der Wasserwacht solle zudem keine falsche Sicherheit vermitteln, sondern vor allem daran erinnern, dass man die schöne Natur am Rhein am besten vom sicheren Ufer aus und nicht im Wasser genießen sollte.

Sabrina Peters
Der Landtagsabgeordnerte René Schneider informierte sich bei einer Fahrt mit der DRK-Wasserwacht über deren Sorgen und Probleme. Fotos: Chrisi Stark

Der Landtagsabgeordnerte René Schneider informierte sich bei einer Fahrt mit der DRK-Wasserwacht über deren Sorgen und Probleme. Fotos: Chrisi Stark Foto: Chrisi Stark

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