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Dirk Willemsen entwirft seit 2000 die Prinzenorden in Kranenburg. Mit der Zeit ist da einiges zusammengekommen. Zu jedem Orden könnte Willemsen eine Geschichte erzählen. NN-Foto: HF
16. November 2024 · Heiner Frost · Kranenburg

Dirk, der Ordensmacher

Dirk Willemsen ist ein karnevalistisches Urgestein bei den Krunekroane

KRANENBURG. Es gibt da in der „Blechtrommel“ [Günter Grass’ Roman ‚Die Blechtrommel‘ erschien 1959] die Geschichte von Herbert Truczinskis Rücken. Herbert war Seemann und später Rausschmeißer in einer Seemannskneipe. Da gab es Rangeleien – Messer kamen zum Einsatz: Wunden entstanden und später dann Narben. Oskar, Hauptperson in Grass‘ Roman geht immer wieder zu Truczinski, tippt auf eine der Narben und Herbert erzählt die Geschichte ...

Ich sitze in Dirk Willemsen „Malstube“. Eigentlich soll es um Karnevalsorden gehen. Sie hängen zu Dutzenden an einem großen Nagel und irgendwie muss ich an die Geschichte von Herbert Truczinski denken: „Jeder Orden hat eine Geschichte, die man erzählen könnte“, sagt Willemsen. Seit der Jahrtausendwende entwirft Willemsen die Orden der Kranenburger Prinzen – mit einer Ausnahme. Das ist dann eine Geschichte, die Willemsen nicht erzählen möchte.

Den ersten Orden entwirft Willemsen für Rainer Vogt. „Der nannte sich Rainer der Jahrtausendstürmer“, erzählt Willemsen und fügt Ordensgeschichtsfakten bei: „Vorher waren die Karnevalsorden der meisten Vereine aus Pappe. In den Hochburger war das natürlich anders. Aber bei uns ...“ Der Jahrtausendstürmerorden war der erste Metallorden in Kranenburg. Nach dem Jahrtausendstürmerorden wird Willemsen irgendwie zum Hofdesigner. Wenn ein neuer Prinz feststeht, meldet er sich bei Willemsen: „Du machst doch immer die Orden ...“

Produziert werden die Orden später bei Sack in Grevenbroich. „Das sind die Besten“, sagt Willemsen. Kosten für einen Orden? „Das liegt dran.“ Geht‘s auch genauer? „Das hängt natürlich auch von der Stückzahl ab. Ich habe aber mit den Preisverhandlungen nichts zu tun.“ Nebenbei erfährt man eine Preisspanne von sieben bis zu 14 Euro. Pro Stück. „Einmal gab es einen Prinzen, der hat seinen Orden in Thailand produzieren lassen.“ Willemsen dazu: „Ich war nicht begeistert.“ Wenn man Willemsen kennt, weiß man: Das ist ein vernichtendes Urteil.

Hat man als Ordensentwerfer eigentlich ein Urheberrecht? „Natürlich. Da lege ich großen Wert drauf.“ Willemsen ist allerdings kein Napoleon. Man kann über alles reden. „Beim ersten Treffen höre ich mir Ideen an, dann mache ich einen ersten Entwurf. Danach trifft man sich wieder und wenn der Prinz Änderungswünsche hat, versuche ich die auch umzusetzen.“ Einmal ist es allerdings vorgekommen, dass Willemsen einen fertigen Orden sieht und feststellt: Da ist – ohne Absprache – was geändert worden. Jetzt fällt er wieder – der Satz: „Ich war nicht begeistert.“ Okay. Kommentar überflüssig.

Gibt es Sachen, auf die Willemsen nicht verzichtet, wenn er einen neuen Orden entwirft? „Klar gibt es die: Auf jedem Orden findest du den Mühlenturm und die Kranenburger Kirche. Es geht ja schließlich um einen Orden der Krunekroane Kranenburg. Diese Symbole sind wichtig und die lasse ich auch nicht weg.“ Wenn jetzt also – sagen wir – ein Prinz aus Mehr, Schottheide, Nütterden oder einem anderen Kranenburger Ortsteil eine andere Kirche möchte, „... dann sage ich: Das ist ein Kranenburger Orden. Natürlich kann man zusätzlich so ziemlich alles einbauen“, aber Willemsens ‚Ordensgrundausstattung‘ ist Teil der Ordensgesetzmäßigkeit. Was kostet eigentlich ein Willemsen-Orden? „Nix.“ Gemeint ist der Entwurf. Alles Finanzielle für die Produktion liegt dann in der Zuständigkeit des Prinzen.

Da liegen jetzt also auf Willemsens Arbeitstisch zig Orden und man fragt sich: Wann wird es mal eine Ausstellung geben? Willemsens entwirft ja auch seit 1985 die Karnevalsplakate für die Krunekroane. Nächstes Jahr wäre doch ein gutes Datum: 1985 das erste Plakat, 2000 der erste Orden – da käme ja einiges zusammen.

Ein wichtiges Stück Kranenburger Karnevalsgeschichte. „Eigentlich keine schlechte Idee“, sagt Willemsen. Ich ziehe einen Orden aus dem Stapel. „Und der?“ Es ist wie in der Blechtrommel. Willemsen erzählt die Geschichte und wir könnten noch Stunden hier sitzen ... „Und der?“ ..

Dirk Willemsen entwirft seit 2000 die Prinzenorden in Kranenburg. Mit der Zeit ist da einiges zusammengekommen. Zu jedem Orden könnte Willemsen eine Geschichte erzählen. NN-Foto: HF

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