"Brigitte Waldach vor großformatigen Kunstwerken in Galerie"
17. September 2026 · Heiner Frost · Bedburg-Hau

Die Sogkraft des Gegenübers

Moyland zeigt: Brigitte Waldach im Dialog mit Joseph Beuys

MOYLAND. Vom 20. September bis zum 28. Februar sind in Moyland Werke der in Berlin lebenden Künstlerin Brigitte Waldach zu sehen. Titel der Ausstellung: „Brigitte Waldach im Dialog mit Joseph Beuys“.

Längst hat sich gezeigt, dass der Begriff „Dialog“ im musealen Kontext von Moyland zwar eine Art Gedankenaustausch ist – jedoch treten in hier lebende Künstler in Dialog mit einem, der zwar 1986 bereits verstarb, aber die Kunst bis ins Jetzt beeinflusst hat. Waldachs künstlerische Reaktionen auf Leben, Werk und Gedanken des Mannes mit Hut und Anglerweste – klein- und großformatige Zeichnungen und eine Soundcollage – bewirken zweierlei: Sie bieten einerseits Gelegenheit, neue „Blick- und Denkachsen“ in Bezug auf Beuys zu entdecken und sind andererseits absolut faszinierende und höchst eigenständige künstlerische Äußerungen, die zu entdecken ein echter Lustgewinn ist.

Brigitte Waldach im künstlerischen Dialog mit Joseph Beuys, Kunstinstallation, zeitgenössische Kunst, Beuys-Interpretation.

Brigitte Waldach tritt in Dialog mit Joseph Beuys. Foto: Rüdiger Dehnen

Da hängen sich Positionen gegenüber, die auch ohne einander „funktionieren“, aber im Gegenüber eine faszinierende Sogkraft ausüben. Paradoxerweise erscheinen Waldachs großformatige Arbeiten irgendwie zerbrechlicher als die kleineren. Sie blasen beim Betrachten irgendwie eine frische Brise ins Hirn und sind gleichzeitig ein memento mori. Irgendwie wirken sie zurückhaltend im bestmöglichen Sinn. Sie spielen sich nicht auf – sie spielen eine changierende Rolle in der Partitur dieses außergewöhnlichen Dialogs. Sie werden zum dezenten Echo im Gebirge eines großen Dialogpartners. Wieder einmal begreift man, dass in der Kunst Ebenen anders gedacht werden müssen. Nichts findet auf einem linear verlaufenden Zeitstrahl statt. Was man eben noch als Echo – also als Reaktion zu verstehen glaubte, wird im nächsten Moment zum Auslöser auf eine scheinbar längst getane Äußerung. Und noch eines wird klar: Waldach lässt in ihrer Soundcollage Beuys in einen Dialog mit Beuys treten – wird zur unsichtbaren Kommentatorin und Geschichtsschreiberin.

„Waldachs Arbeiten repräsentieren“, heißt es in einem Text zur Ausstellung, „anders als bei den vorherigen Variationen und Künstler:innen dieses Formats verstärkt das Medium Zeichnung. Wie Beuys entwickelt Waldach künstlerische Theorie und Praxis in der gedanklichen Zusammenführung von Zeichnen, Sprache und Denken.“ Waldachs Arbeiten sind gleichzeitig Unterhaltung mit der „Denkvorlage Beuys“ und Unterhaltung – unterhaltend. Eben so entsteht ein Mehrwert, der die Ausstellung zum Erlebnis macht und, quasi im Rückspiegel, Beuys und sein Werk ausleuchtet.

Brigitte Waldach vor ihren großformatigen Arbeiten.

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