Die „Duisburger Sezession“ zeigt Kunst im Wandel der Zeit im Dreigiebelhaus in Xanten
„Duisburger Sezession“ eröffnet am kommenden Sonntag ihre Ausstellung im Dreigiebelhaus
XANTEN. Ein starrer Blick und die Farben beginnen zu schweben und ineinander überzugehen. Diesen sogenannten „Nachbildeffekt“ hat sich Jan Arlt in seinem Werk „Spectrumescape“ zunutze gemacht. „Bei der Betrachtung aus der richtigen Entfernung entsteht durch den Nachbildeffekt der visuellen Wahrnehmung, bei dem Licht- und Farbeindrücke aufgrund von Potentialerschöpfung der Photorezeptoren im Auge kurz gespeichert werden, sowie durch die gleichzeitige Überlagerung mit dem aktuell sichtbaren Bild der Eindruck einer Bewegung“, beschreibt Arlt in einem Begleittext.
Dem gegenüber stellt der Künstler eine Fotografie eines politischen Weltkarte-Puzzles, deren 1000 Teile in rechteckiger Weise willkürlich angeordnet sind. Die Puzzleteile sind dabei nicht miteinander verbunden, sondern einfach irgendwie, aber akkurat hingelegt. „Das passt meiner Meinung nach gerade in die aktuelle Welt, in der Grenzen – und dafür steht eine politische Weltkarte – wieder neu geordnet werden“, sagt Arlt. Die Weltkarte stelle deshalb die „Es ist“-Situation dar, während das Spectrumscape mit den „Farben des Spektrums des sichtbaren Lichts“ für die „Es war“-Situation stehe.
Jan Arlts Arbeiten gehören zur Ausstellung „Es war – Es ist“ der Duisburger Sezession, die am kommenden Sonntag, 31. August, im Dreigiebelhaus in Xanten eröffnet wird. Insgesamt 15 Künstler präsentieren ihre Werke und gehen das Thema dabei ganz unterschiedlich an. „Ich habe zum Beispiel eine zehn Jahre alte Arbeit und eine aktuelle Arbeit ausgewählt“, sagt Renate Krupp. In beiden Werken zeige sie die Vielfalt und Schönheit von Formen und Farben in der Natur. „Ihre Gesetzmäßigkeiten und Veränderungsprozesse sind Inspiration und Ausgangspunkte für meine künstlerische Arbeit“, erklärt Krupp. Die Collage aus dem Jahr 2015 mit dem Titel „Variationen“, die das Thema „Es war“ präsentieren soll, zeigt in Form von Drucktechniken und Monotypien Zellen als Sinnbild des Lebens und des Wachstums: „Organische Linien senden Signale aus, versuchen sich zu vernetzen und werden Teil eines größeren Organismus. Die „Es ist“-Situation besteht bei Krupp dagegen aus acht Objekten aus gebranntem Ton mit Engobebemalung und Wachs. Sie tragen den Titel „Barken“ und stammen aus diesem Jahr. „Sie sind Symbole des Übergangs in neue Ordnungen. Sie stehen für Transformation und Wandlungsprozesse, für Zeit und Vergänglichkeit. Die organischen Formen sind der Natur nachempfunden“, sagt Krupp.
Klaus Wiesel hat sich dagegen im Landschaftspark Duisburg-Nord inspirieren lassen. „Dort habe ich den Rost für mich entdeckt. Er ist Verwandlung und gleichzeitig ein Symbol für Vergänglichkeit“, sagt Wiesel, der ab 2016 in seinen Kunstwerken mit Rost experimentiert. „Das hat sich dann weiterentwickelt“, berichtet Wiesel. In seiner aktuellen Serie „Metall“ arbeitet er seit 2023 direkt auf Metallplatten (Messing, Kupfer und Eisen), die als Träger für seine abstrakten Bildkreationen dienen. „Auch hier steht die Metamorphose, die Veränderung des Materials im Mittelpunkt, auch hier geschieht die Entstehung des Kunstwerks durch den gesteuerten Zufall, durch die Natur als Gestalterin“, schreibt Wiesel in seinem Begleittext. Dabei würden die Arbeiten eine ganz eigene Ästhetik entwickeln, die vielfältigen Raum für Interpretationen biete.
Günter Kühn stellt Werke aus, in denen er bereits 1972 und 1986 mit Schmirgelpapier Künstlerisches gestaltet hat. Zur „Es ist“-Perspektive zeigt er eine Arbeit aus dem Jahr 2002, bei der er Schmirgelpapier auf Acrylglas angebracht hat. „Das fand ich besonders spannend, weil mithilfe des durchsichtigen Acrylglases auch Schatten entstehen“, sagt Kühn.
Die Natur hat Cornelia Schweinoch-Kröning in ihren Arbeiten als Grundlage genommen. „Die Auseinandersetzung mit dem Thema Natur zeigt sich in den frühen Jahren im Thema Gras. Es steht für Lebendigkeit und Wachstum, sinnbildlich auch für Erneuerung und die Kraft der Natur sowie für Vergänglichkeit. Zeichnungen und Grafiken von Insekten dienen auch als Metapher für menschliches Empfinden“, beschreibt die Künstlerin. Die Bandbreite an Techniken, derer sich die 15 Künstler bedient haben, ist groß: Sie reicht von Malereien und Zeichnungen über Drucke und Fotografien bis hin zu Skulpturen und dekorativ arrangiertem Stahlblech.
Die Ausstellung „Es war – Es ist“ ist bereits – nach 2013 und 2017 – die dritte Ausstellung der Duisburger Sezession im Dreigiebelhaus in Xanten. „Und ich bin wirklich richtig glücklich damit. Es sind erneut tolle Arbeiten dabei“, betont Michael Blaszczyk, Kurator und Mitglied im Vorstand des Vereins Stadtkultur Xanten. Die Ausstellung wird am kommenden Sonntag, 31. August, von 12 bis 14 Uhr im Dreigiebelhaus in Xanten eröffnet. Zur Eröffnung werden alle Künstler anwesend sein. Heinz-Peter Helmer von der Duisburger Sezession wird eine Einführung in die Ausstellung geben. Xantens Bürgermeister Thomas Görtz wird zudem ein paar Worte zur Begrüßung sprechen. Die Ausstellung ist anschließend bis zum 27. September zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Sabrina Peters
Eine Drucktechnik und verschiedene Objekte aus gebranntem Ton präsentiert Renate Krupp im Dreigiebelhaus in Xanten. NN-Foto: SP
Die Künstler zeigen in ihrer Ausstellung ganz unterschiedliche Arbeiten. NN-Foto: Theo Leie
Redakteurin in Xanten, Kalkar, Rheinberg und Alpen sowie Büderich und Ginderich