Die arktischen Wildgänse verlassen den Niederrhein
Nabu-Naturschutzstation Niederrhein sucht Freiwillige zur Gänsezählung
Der Untere Niederrhein ist dank des milden Klimas und dem reichhaltigen Grünland eines der wichtigsten Überwinterungsgebiete für arktische Wildgänse in Deutschland. Mehr als 150.000 Blässgänse, aber auch einige tausende Saat-, Weißwangen- und Graugänse sind zu Spitzenzeiten gleichzeitig zwischen Duisburg und Nijmegen anzutreffen. Die Zahl der Individuen, die jährlich während der kalten Jahreszeit bei uns rasten, ist vermutlich sogar um ein Vielfaches höher, denn besonders Blässgänse gelten als sehr mobil und wechseln häufiger zwischen geeigneten Gebieten.
Mit steigenden Temperaturen brechen die Gänse zum Frühjahrszug auf, da in ihren arktischen Brutgebieten zwischen den russischen Halbinseln Kanin und Taimyr bald die Schneeschmelze einsetzt. Doch die Zeit ohne Schnee und mit ausreichend Nahrung ist kurz. Um die kostbare Zeit optimal zu nutzen, müssen die Gänse direkt nach ihrer Ankunft mit der Brut beginnen. Dies ist nur möglich, wenn sie genügend Fettreserven angelegt haben, um die bis zu 6.000 Kilometer lange Reise in Etappen bewältigen zu können.
Unter anderem aufgrund dieser herausragenden Bedeutung als Überwinterungsgebiet wurde bereits im Jahr 1983 das Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“ ausgewiesen. Um verlässliche Daten zu der Anzahl überwinternder Wildgänse sowohl innerhalb als auch außerhalb des Vogelschutzgebiets zu erhalten, werden die Gänse in den Wintermonaten gezählt.
In festgelegten Zählgebieten begeben sich dutzende ehrenamtlich engagierte Gänsezähler einmal im Monat auf die Suche nach den gefiederten Nachbarn. Mit Spektiven und Ferngläsern werden dabei wertvolle Daten gesammelt, die für die Planung von Naturschutzmaßnahmen sowie in der Gänseforschung unverzichtbar sind. Die Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft (NWO) in Kooperation mit der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein sucht stets nach Menschen, die sich für einen Einsatz im Gänseschutz interessieren.
Vorkenntnisse im Gänsebestimmen sind hierfür zweitrangig, denn mit dem Interesse für die Tiere und der Motivation diese zu schützen, kommt die Artenkenntnis schneller als gedacht. Einsteiger erhalten umfangreiche Unterstützung von den Haupt- und Ehrenamtlichen der NABU-Naturschutzstation.
Auch wenn die arktischen Gänse erst mal weg sind, gibt es genug Möglichkeiten sich mit dem Thema vertraut zu machen. Neben einer theoretischen Einarbeitung in die Gänsebestimmung und umfangreicher Literatur über das Leben der Gänse gibt es im Juli die „Sommergänsezählung“, bei der die ehrenamtliche Zähler gefragt sind. Wer zudem sein Wissen gerne mit Mitmenschen teilt, ist eingeladen, sich bei geführten Gänseexkursionen einzubringen. Diese von der Nabu-Naturschutzstation organisierten Touren begeistern seit Jahren Menschen für die Wildgänse. Um gut für die Exkursionen vorbereitet zu sein, lohnt es sich, schon bald mit dem Thema zu starten.
Interessenten melden sich bei den Ehrenamts-Koordinatorinnen Daniela Kupschus und Anke Haupt, E-Mail an ehrenamt@nabu-naturschutzstation.de.
Mit Spektiven und Ferngläsern werden Daten gesammelt, die für die Planung von Naturschutzmaßnahmen und in der Gänseforschung wichtig sind. Foto: Nabu-Naturschutzstation