Der rasende Roland von Ludovico Ariosto
Benefizkonzert für das Projekt Haus des Erinnerns und Gedenkens in Kleve
KLEVE. Am Sonntag, 4. Oktober, laden der Klevische Verein, die Cappella Cliviae im Klevischen Verein und das Comitato Dante Alighieri mit den Sektionen Kleve und Nijmegen zu einem besonderen Benefizkonzert in die Unterstadtkirche ein.
510 Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Auflage von Ludovico Ariosts Orlando furioso widmet sich die Cappella Cliviae mit Freunden dem „Rasenden Roland“ in einem besonderen Konzertformat: Musik großer Komponisten wechselt sich mit der Rezitation von Originaltexten und der Schilderung des Handlungsverlaufs ab. Ariost schuf mit dem Orlando furioso einen Bestseller seiner Zeit, dessen Wirkung bis heute reicht. Nach Dante, Petrarca, Boccaccio und anderen zählt er zu den großen Autoren der italienischen Literatur.
Aus den wenigen historischen Fakten über den fränkischen Hruolandus, der um 778 beim Rückzug Karls des Großen aus Spanien in den Pyrenäen ums Leben kam, entwickelte Ariost eine äußerst erfolgreiche Fantasy-Erzählung. Im Mittelpunkt steht die schöne Prinzessin Angelica aus China, in die sich zahlreiche Ritter aus dem Heer Karls des Großen und dem sarazenischen Lager verlieben. Ihre Flucht und die Versuche, sie zu beschützen, zu retten oder zu befreien, verbinden sich mit Liebesabenteuern, Zweikämpfen, Zaubereien und Intrigen.
Das Epos war als Fortsetzungsgeschichte angelegt und wurde in einer Zeit, in der selbst in Adelskreisen nicht jeder lesen konnte, häufig vorgetragen – begleitet von musikalischen Intermezzi. Als Bestseller der Epoche waren solche Vortragszyklen wahrscheinlich auch am herzoglichen Hof in Kleve beliebt. Die Handlung inspirierte zahlreiche Komponisten der Renaissance und des Barock, darunter Händel, Vivaldi, Lully und Haydn.
Die Veranstaltung lädt dazu ein, in die Unterhaltungswelt der Renaissance einzutauchen und sich in das herzogliche Kleve zurückzuversetzen. Zugleich besitzt das Werk eine bis heute aktuelle Botschaft: Es zeigt die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Völker und Religionen und wirbt für einen fairen, respektvollen Umgang bei Kontroversen. Damit steht es für die Überwindung von Grenzen und die Verständigung zwischen Menschen.
Das Konzert ist eine Benefizveranstaltung zugunsten des Projekts „Haus der Erinnerung und des Gedenkens“, das durch Erinnerung und Gedenken zu Toleranz, Verständnis und zur Integration von Exil- und Schutzsuchenden aufruft. Es musiziert die Cappella Cliviae im Klevischen Verein mit Freunden, Gesangssolisten und Sprechern unter der Leitung von Hans Linnartz am 4. Oktober um 14.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Das Konzert wird durch das Interreg-VI-Programm Deutschland-Nederland ermöglicht und von der Europäischen Union kofinanziert.