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"Carolyn Rutner, Hans-Günter Ehmer und Barbara Kortland beim Aktionstag, Gruppenfoto, NN-Foto: HF"
28. Mai 2026 · Heiner Frost · Kleve

Der erste Schritt ist der schwerste

Tag der offenen Selbsthilfegruppen im Kontaktcafé der Caritas

KLEVE. Der Kampf gegen die Sucht beginnt mit einer wichtigen Erkenntnis: Es ist die Erkenntnis, dass man selbst betroffen ist. Das fällt mitunter schwer – vor allem dann, wenn es um eine Alkoholabhängigkeit geht. Alkohol ist – wer wüsste das nicht – eine sozusagen gesellschaftsfähige Droge. Im Rahmen der Aktionswoche Alkohol (13. bis 21. Juni) laden am Mittwoch, 17. Juni, in der Zeit von 15.30 bis 17.30 die Suchtberatung der Caritas Kleve und die Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen im Kreis Kleve zu einem Tag der offenen Selbsthilfegruppen ein.

Niedrige Einstiegsschwelle

Carolyn Rutner vom Paritätischen: „Wir möchten an diesem Tag das Thema Alkohol ins Zentrum stellen. Dazu laden wir ins Kontaktcafé der Caritas Kleve ein.“ Barbara Kortland, ihrerseits Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen der Caritas ergänzt: „Wir veranstalten das Ganze in unserem Kontaktcafé, um die Einstiegsschwelle niedrig zu halten. Es gibt Kaffee und Kuchen. Das macht Kommunikation und Gedankenaustausch leichter.“

„Es muss passen“

Hans-Günter Ehmer ist betroffen. Seit 2015 ist er trockener Alkoholiker und Mitglied der Selbsthilfegruppe „Regenbogen“. Ehmers Erfahrung: „Es passt nicht jede Gruppe zu jedem Betroffenen. Ich habe mir damals einige Gruppen angesehen. Danach stand für mich relativ schnell fest, welche der Gruppen zu mir passte und ich zu ihr.“ Im Kreis Kleve gibt es rund 25 Selbsthilfegruppen in Sachen Alkoholabhängigkeit. Die meisten Gruppen hätten, so Ehmer, eine wichtige Regel: Zum Treffen nüchtern erscheinen. Noch etwas ist Ehmer wichtig: „In der Gruppe muss es nicht ständig um Probleme gehen. Es darf auch gelacht werden und wir gehen regelmäßig auch zusammen mit den Angehörigen essen.“ Apropos Angehörige. Barbara Kortland: „Zu einem Abhängigen gehört ja immer auch ein soziales Umfeld. Freunde, Familie, Kollegen.“ So wird am 17. Juni beispielsweise auch eine Gruppe für Angehörige vor Ort sein.

Keine Termine, keine Anträge

Wichtig bei den Selbsthilfegruppen, sei so Kortland: „Es muss kein Termin gemacht werden. Es müssen keine Anträge gestellt werden. Die Menschen begegnen sich auf Augenhöhe - haben dieselben Ängste, Sorgen, Fragen und ähnliche Erfahrungen.“ Das sieht auch Hans-Günter Ehmer so und fügt ein paar Stichworte hinzu, die in seiner Gruppe wichtig sind: Reden dürfen; nicht reden müssen; Verständnis; keiner ist allein; es wird zugehört; es geht um Unterstützung und Vertrauen; Religion spielt keine Rolle; keine Mitgliedschaft, keine Beiträge.

Das alles klingt gut, aber trotzdem ist das größte Problem für Betroffene immer wieder der erste Schritt. Ist der einmal getan – ist der Kontakt zu einer Gruppe aufgebaut – ist die größte Hürde genommen. Ehmer, Rutner und Kortland hoffen darauf, beim Aktionstag im Kontaktcafé Menschen begrüßen zu können, die den ersten Schritt tun möchten. „Der offene Nachmittag“, da sind sich die Drei einig, „soll Hemmschwellen abbauen und zeigen, dass Hilfe unkompliziert erreichbar sein kann.“

Wer Interesse hat, kommt am 17. Juni zwischen 15.30 und 17.30 einfach im Kontaktcafé der Caritas in Kleve, Hoffmannallee 66-68 vorbei.

Mehr zur „Aktionswoche Alkohol“ gibt es unter www.aktionswoche-alkohol.de. Eine Übersicht der Selbsthilfegruppen gibt es unter www.selbsthilfenetz.de.

Sie hoffen, dass möglicht viele Menschen am Aktionstag dabei sein werden: Carolyn Rutner, Hans-Günter Ehmer und Barbara Kortland (v. l.). NN-Foto: HF

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